Warum ältere Menschen aktiv in Vorsorgemaßnahmen eingebunden werden müssen

13. Oktober: Welttag der Katastrophenvorsorge

Von Sonja Birnbaum

Sonja Birnbaum, Geschäftsführerin der in Osnabrück ansässigen Hilfsorganisation HelpAge, schrieb anlässlich des Welttags zur Katastrophenprävention einen Kommentar zu inklusiver Katastrophenvorsorge. Dabei beschreibt sie, wie Krisen, sei es durch Kriege oder Naturkatastrophen, Betroffene mit Obdachlosigkeit, Wassermangel und Nahrungsknappheit konfrontieren und wie insbesondere ältere Menschen aufgrund ihrer begrenzten Kraft besonders betroffen sind.

Kein Dach über dem Kopf, kein Wasser, keine Nahrung – Betroffene von Kriegen und Katastrophen brauchen viel Kraft, um den Alltag zu meistern. Kraft, die vor allem ältere Menschen häufig nicht mehr aufbringen können. Und dabei sind sie von (Natur-)Katastrophen weltweit gerade besonders betroffen und brauchen gezielte Unterstützung; sie zählen statistisch gesehen zu den häufigsten Todesopfern bei Naturkatastrophen.

Sind ältere Menschen mobil eingeschränkt oder können Warnhinweise nicht (mehr) erkennen, schaffen sie es nicht, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Das gilt für den plötzlichen Eintritt einer Naturkatastrophe ebenso wie für den Ausbruch gewaltsamer Konflikte. Zudem leben weltweit 60 Prozent der älteren Menschen in ländlichen Regionen mit schlechter Infrastruktur und oft ohne Angehörige, wodurch Unterstützung von außen dringend notwendig wird.


Vom Wissen Älterer profitieren

HelpAge setzt sich dafür ein, dass eine inklusive Herangehensweise an die Katastrophenvorsorge verfolgt wird, die alle Altersgruppen einbezieht. Die Einbindung älterer Menschen ist dabei nicht nur ethisch richtig, sondern auch strategisch klug, um eine umfassende und effektive Vorbereitung auf Katastrophen zu gewährleisten. Denn ältere Menschen sind nicht nur Betroffene. Sie spielen auch eine wichtige und entscheidende Rolle bei der Gestaltung gemeindebasierter Katastrophenvorsorgepläne sowie bei der Planung von Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatstrophen.

Warum? Weil ältere Menschen über eine Fülle von Lebenserfahrung und Wissen, insbesondere über lokale Gegebenheiten, traditionelle Praktiken und historische Ereignisse, verfügen. Dieses Wissen kann entscheidend sein, um angemessen auf Katastrophen vorbereitet zu sein und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Zudem haben sie viel wahrscheinlicher als jüngere Generationen bereits ähnliche Lebenssituationen durchleben müssen, beispielsweise vergangene Naturkatastrophen. Aus diesen Erfahrungen können ganze Gemeinden lernen, wenn sie die älteren Menschen in ihre Vorsorgemaßnahmen miteinbeziehen.

Die Gemeinschaftsbindung ist ein weiterer wichtiger Aspekt in der Katastrophenvorsorge: Leben ältere Menschen in Gemeinden oder Dörfern, sind sie dort oft fest in ihren Gemeinschaften verankert und spielen eine wichtige soziale Rolle. Sie können als Vorbilder für Solidarität und Zusammenarbeit dienen, indem sie Gemeinschaften dazu ermutigen, gemeinsam Vorsorge zu treffen und im Falle einer Katastrophe zusammenzuarbeiten. In einigen Kulturen werden ältere Menschen auch deshalb als „die alten Weisen“ bezeichnet.


Niemand wird zurückgelassen

Kurzum: Ältere Menschen dürfen nicht weiterhin übersehen oder ausgeschlossen werden, sondern müssen aktiv und umfassend in den Prozess zur Katastrophenvorsorge einbezogen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass ihre Rechte und Bedürfnisse respektiert werden. Die Einbeziehung älterer Menschen in die Katastrophenvorsorge trägt nicht nur dazu bei, ihre Lebensqualität und Würde zu wahren. Sie leistet vor allem auch einen Beitrag, dass alle Betroffene angemessen vorbereitet und versorgt werden können – für eine inklusive Katastrophenvorsorge ungeachtet des Alters, die niemanden zurücklässt.

Weitere Informationen zu HelpAge finden sich unter https://www.helpage.de/


Bildunterschriften:
Titel: Augustin, 66 Jahre, mit Gehilfen in Tansania | Copyright: Ben Small, HelpAge International
Foto im Text: Sonja Birnbaum
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