Montag, 26. September 2022

„Osnabrück wegweisend“: Bernhard-Avermann-Straße


Ein Straßenname – na und?

Wir sind alle in irgendwelchen Straßen aufgewachsen. Immer wieder steuern wir Straßen an und geben Straßennamen in das Navi ein. Tagtäglich sehen wir Straßenschilder und nehmen sie zumeist nur beiläufig zur Kenntnis. Manche klingen langweilig (Hauptstraße, Schützenstraße), andere nach großer Politik (Konrad-Adenauer-Ring, Willy-Brandt-Platz). Doch hinter Straßenschildern können auch interessante lokale Geschichten, Persönlichkeiten und Schicksale stecken.

Die Osnabrücker Rundschau veröffentlicht jeden Sonntag eine Geschichte zu Osnabrücker Straßennamen. Sie stammen allesamt aus dem im Anno-Verlag erschienenen Buch „Osnabrück wegweisend“ (ISBN 978-3-939256-38-0), das Dr. Tobias Romberg 2016 herausgegeben hat. Die Texte haben junge Menschen verfasst, die damals SchülerInnen der Ursulaschule Osnabrück oder Studierende waren.

 

Bernhard-Avermann-Straße
Alte Straßenbezeichnung: Kirchweg.
seit 1972 benannt nach Bernhard Avermann
geb. 03.03.1909 in Nahne
gest. 27.05.1972 in Nahne
letzter Gemeindedirektor der früheren Gemeinde Nahne

Nahne geprägt
Von Samuel Jambrek

Kaum ein Straßenname in Nahne hat einen Personenbezug. Allein dadurch sticht die Bernhard-Avermann-Straße bereits hervor: Nur vier Wohnhäuser und ein Autohaus prägen das Straßenbild. Am Straßenende steht die Sankt-Ansgar-Kirche.

Bernhard Avermann wurde am 3. März 1909 in Nahne geboren. Er besuchte die Volksschule und wurde Gärtner. 1958 trat er in die CDU ein und ließ sich in den Gemeinderat und Kreistag wählen. Bis wenige Monate vor seinem Tod war er als Gemeindedirektor und einige Jahre auch als Bürgermeister tätig. In seiner Zeit als Gemeindedirektor arbeitete er eng mit Bürgermeister Klaus Strick zusammen, dem ebenfalls eine Straße gewidmet ist.

Für Avermann gehörten politisches Engagement und sein Glaube eng zusammen. Als 16-Jähriger gründete er den Nahner Sportverein „DJK Rasensport“, einen Sportverein mit katholischem Wurzeln, mit und übernahm als Vorsitzender von 1947 bis 1958 die Leitungsverantwortung. Ihm war die erzieherische Komponente des Sportvereins wichtig.

Auch beim Nahner Kirchenbau spielte Avermann eine zentrale Rolle. Die Nahner Katholiken suchten viele Jahrhunderte lang die Osnabrücker Johanniskirche für das gottesdienstliche Leben auf. 1949 schließlich wurde in Nahne ein Kirchenbauverein gegründet, dessen Vorsitz Avermann innehatte. Die erste Nahner Kirche wurde 1964/ 1965 erbaut.

Zahlreiche gemeindeeigene Bauprojekte hat Avermann im Gemeinderat begleitet. Auch bei fremden Bauprojekten galt es, Nahner Interessen zu vertreten: Hier ist der Bau des Franziskus-Hospitals und die bereits in der Planung befindliche Ansiedlung des „Marktkauf“-Verbrauchermarkts zu nennen. Auch mit dem Bau der Südumgehung E 8 – heute Autobahn A 30, die durch Nahne führt, setzte sich Avermann auseinander. Er stand dem Bau der damals vierspurigen Umgehungsstraße positiv gegenüber. Die sich während seiner Lebzeit bereits in der Planung befindlichen großflächigen Ansiedlungen des Einzelhandels beäugte er hingegen argwöhnisch, da sie seiner Meinung nach die Lebensgrundlage kleinerer Geschäfte vor Ort zu bedrohte. Sohn Bernd Avermann ist sich sicher: „Mein Vater hätte nie in einem Discounter eingekauft. Ihm war die Unterstützung seiner Freunde im Dorf immer wichtig.“

Ein großes, wenn auch Avermann und seinen Gemeinderatskollegen durch das Land Niedersachsen auferlegtes Projekt, war die Eingemeindung nach Osnabrück. Avermann verstarb am 27. Mai 1972 – nur wenige Wochen vor Abschluss der Eingemeindung – im Alter von 63 Jahren. Die mit der Eingemeindung verbundenen notwendig gewordenen Straßenumbenennungen in Nahne bescherten Avermann bereits einen Monat nach seinem Tod einen Straßennamen. Der Nahner Kirchweg wurde in Bernhard-Avermann-Straße umbenannt.

Volksschule Nahne

 

 

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