Sonntag, 14. Juli 2024

Falsche Hasen legen faule Eier …

Liebe Leserin, lieber Leser, bevor Du hier weiterliest, möchte ich mich erst einmal vorstellen:
Ich bin der schreibende Igel in der OR-Redaktion und verantwortlich für das Projekt „Das isso! Muss man wissen!“. Gepackt hat mich die Schreiberei, weil ich mich vor einiger Zeit dem Lesen einer quälenden Lektüre unterworfen habe. Sie nennt sich mit Zweitnamen ebenfalls „Post“, ist auch online unterwegs und besitzt als Vornamen nicht mich, sondern den eines hastig nagenden Langohrs. Ein Igel ist bekanntlich viel schneller und cleverer als dieser stets gehetzte Vierbeiner, der bei jeder Gelegenheit vor vermeintlich grünen Jägern oder roten Reitern in kopflose Panik gerät. Aber anstatt sich zu verziehen, plustert er sich dummdreist auf, und wenn jemand so aufgeblasen daherkommt, steche ich gern zu.

 

IGELPOST – die Online-Satirebeilage der OR – 3/24 – 3. Jahrgang
Die neue Igelpost – immer billiger
Über ungelegte Eier, Sozialismus und Verkehrswende 

Tagelang habe ich mich in meinem warmen Igelquartier herumgewälzt, denn mich plagte wiederholt die Frage: Soll ich wirklich schon wieder auf einen Hasenpost-Kommentar seiner leuchtenden Leitfigur Heiko Pohlmann eingehen und eventuell sogar auf weitere Eigentümlichkeiten in der verzerrt erschnupperten Hasenwelt? Ein lästiges Unterfangen, zumal ich mir längst einmal den ein oder anderen unsäglichen Kommentar in der NOZ vorknöpfen wollte und es unfassbar ermüdend ist, gegen stets auf Rot-Grün gerichtete Sturmgeschütze des Hasen anzuschreiben.

Egal. Vielleicht sollte man zumindest die Bemühungen des Hasen würdigen, von seinen historischen Wissenslücken mittels wortakrobatischer Kunststücke abzulenken. Zirkuspädagogisch durchaus verständlich, denn Hasen haben es im Gegensatz zu Hunden, Pferden, Löwen, Flöhen oder Elefanten nie in eine Zirkusmanege geschafft, was aufgrund verschärfter Tierschutzgesetze ohnehin immer schwieriger werden dürfte.

Unser Hase mit chronischer Rot-Grün-Allergie sucht offenbar wider besseres Wissen dennoch das Rampenlicht, denn er versuchte sich vor einigen Tagen an einer gigantischen Todesspirale mit mehrfach eingesprungenem Salto rückwärts. Motto: Andere Tiere mögen ja vor dem Gesetz kuschen, aber ich lasse mir meine zirkusreife Leistung samt Pohlmann-Pirouette nicht verbieten, denn nur echte falsche Hasen legen wirklich faule Eier!

Und tatsächlich: Der Hasenpost-Chefideologe bringt es in seinem Kommentar vom 20. März dieses Jahres fertig, unter der Überschrift „Sozialismus funktioniert nicht – Verkehrswende auch nicht!“ zwei völlig unterschiedliche Themen in einem einzigen Kommentar miteinander zu kombinieren. Ich stelle mir mal vor, ich würde einen Igelpost-Kommentar mit Überschriften wie „Winterschlaf klappt nicht – Marslandung auch nicht“ oder „Die Eierpreise steigen nicht – die Temperaturen auch nicht“ überschreiben. Mir drohte eine umgehende Einweisung ins Igelheim.

Im Ernst: Was zum Teufel hat sozialistische Theorie und Programmatik mit Linienführungen hiesiger Busse und Bahnen zu tun? Müssen wir demnächst einen Pohlmann-Rundumschlag unter der Überschrift „Klimawandel gestoppt – gestern hat es geregnet!“ erwarten? Vorsicht! Man soll ja nie „Nie“ sagen. Hasen in rot-grüner Panik sind zu allem fähig.

Mit Fug und Recht darf selbst die Hasenpost Einschnitte bei Bus und Bahn kritisieren. Das tun wir Igel, und erst recht die Osnabrücker Rundschau, auch. Bei uns fehlt allerdings der Running-Gag, nämlich der typische Pohlmann-Tipp, dass, „wer clever ist und es sich leisten kann, weiterhin auf das eigene Auto als zuverlässiges Verkehrsmittel setzt“. Wer wie die Hasenpost den Untergang der menschlichen Zivilisation durch den Ausbau von Fahrradwegen und den Abbau von Parkplätzen beschwört, mag das tun.

Richtig schlimm wird es allerdings, wenn die Hasenpost, die bislang noch nie als historisch auch nur minimal gebildet aufgefallen ist, solche Zitate zum Thema „Sozialismus“ heraushaut:

„Die Verfechter dieser menschenverachtenden Ideologie, die in der Theorie ja so schön scheint, aber selbst an Bodenschätzen unfassbar reiche Länder wie Venezuela in tiefste Armut abstürzen lässt, argumentieren dann immer: ‚das war aber nicht der ‘richtige’ Sozialismus‘. Dieser ‘richtige’ Sozialismus ist aber wohl ein Phantom, wenn er in Dutzenden Versuchen niemals gefunden werden konnte und geradezu gesetzmäßig in Bürgerkriegen, Unfreiheit, Diktatur und Massenarmut endet.“

Aha. Im damaligen Ostblock herrschte also „Sozialismus“. Mit diesem irrlichternden Gebrauch des Wortes hantieren ja leider auch andere unwidersprochen – oft aus plumper Unwissenheit und nicht immer aus Bosheit. All denen zur Erinnerung: Die damals im Ostblock regierenden Stalinisten nannten ihre Diktaturen nicht nur „Sozialismus“, sondern auch „Demokratie“ – wie beispielsweise „Deutsche Demokratische Republik“. Herr Orban im quasi-diktatorisch regierten Ungarn nennt seinen Staat auch „Demokratie“. Müssen wir deshalb, nach Hasen-Logik, auch Demokratie furchtbar finden? Als „menschenverachtende Ideologie“?

Es nützt zwar nichts, aber einige historische Fakten sollten sich auch bestimmte Hasenpost-Schreiber hinter ihre vibrierenden Löffel schreiben: Sozialismus ist mit der Geschichte der Sozialdemokratie verbunden und die ist in Deutschland 161 Jahre alt – und wurde unter Stalinisten verboten! Stalinistische Entartungen, die sich allesamt „sozialistisch“ nannten, sind nicht Menschen wie Karl Marx, Friedrich Engels, August Bebel, Rosa Luxemburg, Otto Wels, Kurt Schumacher oder Willy Brandt anzulasten.

Ganz abgesehen davon, dass sich etliche sozialdemokratische Parteien wie die in Spanien, Portugal oder Frankreich unverändert als sozialistisch bezeichnen und nahezu alle skandinavischen Arbeiterparteien einen ganz eigenen Weg zum Sozialismus geprägt haben. Sind die sozialistischen Kibbuze in Israel diktatorische Höllen, weil in denen das Eigentum geteilt und solidarisch zusammengelebt wird? Sind sozialistische Genossenschaften, die gemeinsam ohne Kapitalisten produzieren, die Vorhut zur Hölle?  Waren weltweit bekannte, völlig unterschiedliche (und willkürlich aufgezählte) Menschen wie Jean Jaurez, Albert Einstein, Carl von Ossietzky , Kurt Tucholsky, Antonio Gramsci, Heinrich Mann, Imre Nagy, Robert Havemann, Alexander Dubcek, Bruno Kreisky, Olaf Palme, Enrico Berlinguer, Nelson Mandela bis hin zu Michail Gorbatschow Befürworter eines Unrechtsstaates, nur weil sie sich allesamt dem Demokratischen Sozialismus verpflichtet gesehen haben? Oder, in Pohlmanns Worten, waren sie allesamt „Verfechter dieser menschenverachtenden Ideologie“?

Von wegen Ideologie! Welche Meinung vertritt eigentlich mittlerweile der von der Hasenpost so geschätzte Bund Osnabrücker Bürger*innen bezüglich ihres großen Vorsitzenden? Was wurde aus BOB-Chef Steffen Grüner, der sich der WerteUnion angeschlossen hat? Wird BOB nun die WerteUnion, Ortsgruppe Osnabrück, mit Gauleiter Grüner? Sicherlich wird uns der Hase demnächst darüber aufklären, zumal wir neidlos anerkennen müssen, dass er sich in diesem Sumpf eindeutig besser auskennt als wir.

Ach, und der wie der BOB-Vorsitzende durchs Internet polternde Ex-BOBler Thorsten Wassermann ist ja mittlerweile als ehemaliges Rats- und Zoo-Aufsichtsratsmitglied bei der AfD gelandet und scheut sich nicht, im rechtsradikalen Telegram-Kanal „Grundrechte Osnabrück“ um Zusammenarbeit mit Putins Querdenker*innen zu buhlen. Mein Lieblingssatz dieser Speerspitze intellektueller Platzpatronen: „Wir haben Osnabrück jetzt neu gegründet und es sind alles ganz normale Menschen.“ (Mit „Schäfer“ ist übrigens Schäffer gemeint.)

Dass sich diese Leute aus dem ultrarechten Spektrum in den FB-Kommentarspalten der Hasenpost besonders wohlfühlen, weil sie dort mehr oder weniger ungehindert ihren Stuss ablassen können, spricht natürlich für das ausgeprägt rechte Demokratieverständnis unseres genmanipulierten Hasen mit Orange-Blau-Sehschwäche.

Aber woher soll er es auch besser wissen? Sein Name ist und bleibt nun mal Hase und der weiß von nichts.

Frohe Ostern wünscht euch der Igel

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