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Samstag, Oktober 16, 2021

Grüne Heupferde – Naturwunder(n) für und mit euch

Liebe OS-Kids,

meine Eltern hatten zwar einen kleinen Garten, aber ansonsten bin ich als typisches Stadtkind aufgewachsen. Das heißt, es gab in der nächsten Umgebung Häuser, noch mehr Häuser, Straßen, Wege und vor allem viel gepflasterten Beton. Natürlich gab es auch die ein oder andere kleine Grünfläche, doch auf ein echtes grünes Heupferd trifft man in einer Stadt leider selten. – Moment. Ein grünes Pferd? In der Stadt? Das ist nicht nur selten, so etwas ist großer Unfug, denken manche von euch nun vielleicht. – Deshalb will ich zunächst aufklären, dass es sich bei einem grünen Heupferd nicht um ein normales Pferd, sondern um unsere größte einheimische Laubheuschrecke handelt. Aber schaut euch mal den Kopf auf dem Titelbild an! Ganz sicher werdet ihr eine gewisse Ähnlichkeit erkennen, oder?

Da „Heuschrecke“, durch den „Schreck“ im Namen, nicht besonders liebenswert klingt, benutzen viele Leute für fast alles was durch die Wiese springt, die Bezeichnung „Grashüpfer“. Den Namen tragen auch tatsächlich einige der mehr als 28000 Arten umfassenden Heuschreckenfamilie, aber die Mitglieder dieser Unterart sind kleiner als Grüne Heupferde. Doch bei so einer riesigen Verwandtschaft ist es sowieso unmöglich die Namen aller Cousinen und Cousins zu kennen. Grashüpfer klingt auch irgendwie sympathischer und nach Spaß, da bekommt man gleich selber Lust durch‘s Gras zu hüpfen. Oder geht nur mir das so? Wie auch immer, ich mag Grüne Heupferde sehr. Und trotz schon erwähnter Betonwüste hatte ich als Kind ziemlich regelmäßig das Vergnügen eines zu sehen, zumeist in Begleitung von zwei echten Honig-Bienen. Klein, mutig und schlau wie sie waren, bestanden sie gemeinsam viele spannende Wiesen-Abenteuer – und ich mit ihnen.

Herr FlipNa gut, ihr ahntet es schon, ich war „nur“ am Bildschirm mit dabei. Und besagtes Grünes Heupferd trug einen Zylinder und hörte auf den Namen Flip. Die Serie „Biene Maja“ war als Kind meine absolute Lieblingsserie. „Hü-hüpf“ erklingt es deshalb sofort in meiner Erinnerung, wenn ich (nun längst erwachsen) ein Grünes Heupferd in der Natur entdecke. Im schönen Osnabrücker Land (wo ich wohne) gibt es zum Glück wieder mehr Grünstreifen an den Feldern und auch viele naturbelassene Wiesen. Mein Garten beispielsweise hat so eine Wiese. Ich habe nämlich nicht allzu viel Lust zum ständigen Rasenmähen. Das Schöne ist, durch meine „Gemütlichkeit“ schaffe ich Wohnraum für Abertausende Insekten, Käfer und auch größere Tiere wie Igel, Singvögel, Kröten und viele, viele mehr. Wer hätte das gedacht; Faulsein im Garten ist echter Klima- und Artenschutz. Auf so einer naturbelassenen Wiese ist mächtig was los, sie kann sogar zu den artenreichsten Flächen der Erde gehören. Dazu aber ein anderes Mal mehr. Heute geht es um Herrn Flip und seine Artgenossen.

Grünes Heupferd Suchbild
Gut getarnt. Siehst du mich?

Spannende Fakten

Die Männchen der Grünen Heupferde besitzen sogenannte Stridulationsorgane, die befinden sich auf den Vorderflügeln und sorgen dafür, dass es Töne machen kann. Bei uns Menschen kommt der Gesang aus dem Mund, beim Heupferd wird mit den Flügeln gesungen, beziehungsweise musiziert. Ganz ohne Lautsprecherbox ist dieses Zusammenreiben der Flügel teilweise bis zu 100 m weit zu hören. Da Heupferde außerdem gute Flieger sind, suchen sie sich oft, wie sich das für gute Musiker gehört, eine passende etwas erhöhte Bühne. Weibliche Fans lassen nicht lange auf sich warten, denn sie lieben diesen Klang, den wir „Zirpen“ nennen.

Hören können beide Geschlechter gleich gut. Dabei haben sie gar keine Ohren, zumindest nicht so welche, wie wir sie kennen. Tympanalorgan heißt das Gehör bei den Heupferden, es sitzt auf den Vorderbeinen, sie hören also tatsächlich mit den Beinen. Was würde ich, als eine Heupferdmama wohl sagen? „Kind, vergiss nicht deine Ohrenbeine zu waschen?“ oder „Die Beinohren bitte gründlich sauberhüpfen?“ Hihi, sicher irgendwie so etwas in der Art. Aber es gibt ja nicht nur zwei Beine. Da Heupferde Insekten sind, haben sie 6 Beine an der Zahl. Das hintere Beinpaar hat auch eine Art Superkraft, es funktioniert ähnlich wie eine Sprungfeder und ermöglicht enorme Sprünge. Zum Vergleich: Wenn ihr so springen könntet, wärt ihr mit einem einzigen Sprung ganz locker auf der anderen Seite eurer Turnhalle. Ziemlich krasse Vorstellung, nicht wahr?

Noch mehr tierische Superkräfte

Ausgewachsene Weibchen sind ungefähr so lang, wie euer längster Finger. Sie sind etwas größer als die Männchen, da sie hinten einen Legestachel haben. Aber keine Sorge, der sticht oder piekt nichts und niemanden, sondern ist für die Eiablage da. Bis zu 600 Eier kann Mama Heupferd in den Boden ablegen. Daraus wachsen dann später neue kleine Heupferdchen, aber das dauert. Als erstes schlüpfen nach einiger Zeit aus den winzigen Eiern winzige Larven. Nach und nach werden sie größer; und nach jeder Wachstumsphase verändert sich ihr Aussehen. In Stadium sechs (siehe Bilder unten) kann man schon kleine Flügelausstülpungen erkennen. Erst nach der siebten und letzten Häutung sind die Flügel in voller Länge entfaltet und bereit zum Fliegen.

Fressen geht natürlich von Anfang an; Blattläuse sind ihre erste Lieblingsspeise. Danach fressen sie hauptsächlich andere Insekten, aber knabbern auch gerne mal was Vegetarisches aus der kalten Wiesensalatküche. Sie selbst stehen natürlich auch auf dem Speiseplan verschiedener Tiere, deswegen ist es wichtig, dass sie kleinste Bewegungen in der Umgebung wahrnehmen können. Wie gut das funktioniert, könnt ihr jederzeit bei Sichtung (auch von jemandem anderem aus der Heuschreckenfamilie) ausprobieren. Ihr werdet sehen, kurz bevor eine/r von euch davor steht, hört sofort das Zirpen auf und im nächsten Moment hat sich der Hüpfer auf und davon gemacht. Hüüüüü-hüpf…

weibliches Heupferd
weibliches Grünes Heupferd im Stadium 6, der lange Legestachel ist gut zu erkennen
männliches Heupferd
männliches Grünes Heupferd Stadium 6, siehst du den Flügelansatz?

Die Grünen Heupferde auf den Bildern wohnen übrigens in meinem Garten.

Ich hoffe, ich konnte euch diese imposanten einheimischen Hüpfer etwas nahebringen! Und wünsche nun beidseitige Herz-hüpf-fröhliche Begegnungen!

Bis zum nächsten Mal! Bleibt neugierig, gesund und munter!

Eure Tina Birgitta Lauffer

 

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