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Freitag, April 16, 2021

Schafe zählen im Osnabrücker Land – Reportage für Kinder

Liebe OS-Kids,

letzte Woche durfte ich eine Schäferei in Hagen am Teutoburger Wald besuchen. Hier ist mein Bericht darüber, exklusiv für euch.

Ankunft

SchafskäseAngekommen auf dem Hof werde ich von Helena und Markus freundlich begrüßt. Sie winken mich zum Stall heran. Dort machen sie gerade das Nachtlager für die Schafe fertig, die noch draußen auf der Weide stehen. Jede Menge frisches Stroh wird von ihnen auf dem Boden verteilt. Die Futterraufen sind bereits mit Heu und etwas Kraftfutter gefüllt. Die Schafe werden sich am Abend sicher freuen. Kuschlig und lecker, so mögen sie das. Während Helena weiter „Betten“ macht, zeigt mir Markus den Milchstand. Dort wird er am nächsten Morgen einige der Milchschafe melken. Aus der Milch kann er dann zum Beispiel leckeren Schafskäse machen. Mmmh!

Auf geht’s zur Babystation!

In einem anderen Stall befindet sich die Babystation der Milchschafe und hier ist määäääh-chtig viel los. Besonders im Moment, denn gerade erblicken dort täglich jede Menge kleine Lämmchen das Licht der Welt. Oder besser gesagt: Sie erblicken, vorerst noch ziemlich unscharf, einen freundlichen und gut riechenden Berg kuschliger Wolle über ihnen, ihr jeweiliges Mamaschaf.

Das Mutterschaf leckt ihr Junges nach der Geburt mit der Zunge trocken, dabei merkt sie sich den Geruch, so kann sie es immer wiedererkennen.
Sehr praktisch in einer Herde, wo alle irgendwie ein bisschen gleich aussehen. Auch der oder die Kleine erkennt am Geruch, wo es für ihn oder sie in den nächsten Wochen verlässliche Kuscheleinheiten und stets eine leckere Portion Milch gibt. Nach ungefähr einem Monat erkennen sich Mama und Lamm an der Stimme.

SchafeLammLämmchen

Einige Lämmchen hier auf dem Hof haben ihre Mütter für sich alleine, aber die meisten Lämmer sind Zwillinge, manchmal gibt es auch Drillinge und mehr, mehr als drei sind aber sehr selten. Ob nun Einling oder Zwilling, Lämmer sind Tierkinder und wie alle Kinder müssen und wollen sie spielen. Die allerkleinsten schlafen noch sehr viel. Doch wer nach ein paar Tagen nicht mehr ganz so wacklige Beinchen hat, der liebt es mit den anderen Lämmern herumzutollen. Zum Klettern- und Springenüben eignet sich am besten der Rücken der Mutter. Gut, dass die so geduldig, beziehungsweise lammfromm dabei bleibt.

Moment mal! Lammfromm?

Das Wort lammfromm haben die Leute übrigens in früheren Zeiten öfter benutzt, und zwar als Bezeichnung für jemanden, der besonders brav (artig) und geduldig war. Naja, nach meinen Beobachtungen in der Herde passt der Begriff eigentlich eher zum Muttertier, hätte also schafmamafromm heißen sollen. Die Lämmer sind nämlich manchmal richtig kleine Rabauken. Doch wer so niedlich ist, sieht eben harmlos und lammfromm aus und kann sich deswegen määäääh-chtig viel erlauben. „Oder?“, frage ich Markus nach seiner Meinung. „Auf jeden Fall.“, bestätigt der augenzwinkernd meine Vermutung.

Markus Mendgen ist seit Dezember 2020 der Betriebsleiter der Schäferei. Gemeinsam mit seiner Frau Helena kümmert er sich tagtäglich um das Wohlergehen der fast 200 Schafe.
MerinolämmchenManchmal sind zusätzlich sogar Nachtschichten nötig, zum Beispiel, wenn ein Mutterschaf krank ist oder keine Milch hat. Dann heißt es (meist) für Helena: Wecker stellen und dem oder den Lämmchen Fläschchen geben und zwar alle zwei Stunden. Dass die Tiere dadurch besonders zutraulich sind, entschädigt für den fehlenden Schlaf.

Milchschafe sind, laut Markus, aber generell sehr lieb und lassen sich gerne streicheln. Das habe ich natürlich sofort ausprobiert. Alles, was meinen Weg kreuzte, wurde durchgeknuddelt. Sowohl Mutterschafe, als auch Lämmer haben mich geduldig gewähren lassen. Hach, toll!

Sture Böcke

Aber was ist mit den Papas? Also den Böcken, wie man die männlichen Tiere nennt. Und wo sind die überhaupt? Raimond Menke kommt dazu. Er ist der Besitzer vom Hof und den Schafen und als ihr Züchter eingetragen. „Die Böcke“, wiederholt er und fährt fort, „sind nicht nur sprichwörtlich sture Böcke, das musste ich schon öfter schmerzhaft erfahren.“

Schmerzhaft? Oha. Ich lasse mir weitere Einzelheiten erzählen. Raimond hat aus seinen 25 Jahren im Umgang mit den Tieren jede Menge Geschichten auf Lager. Die erspare ich euch hier aber lieber. Fazit: Die Böcke sind unberechenbar und gefühlte Weltmeister im Rammen und Umschubsen. Deswegen und natürlich, um die Lämmer nicht zu gefährden, sind die Böcke getrennt vom Rest der Herde untergebracht. Dies ist nun also auch geklärt. Raimond erzählt mir noch mehr interessante Fakten über seine Schafe, doch dazu später.

Zurück zu Helena und Markus.

Markus und Helena Medgen
Markus und Helena Mendgen

Das junge Pärchen ist noch ziemlich neu im Osnabrücker Land. Markus kommt aus dem Saarland und Helena aus England. Beides alles andere, als die direkte Osnabrücker Nachbarschaft. Das Saarland gehört zwar zu Deutschland, ist aber ungefähr 5 Auto-Stunden entfernt. Nach England dauert es, außer mit dem Flugzeug, noch wesentlich länger. Trotzdem, alles nicht der Rede wert, finden jedenfalls Helena und Markus, denn die beiden haben eine viel längere An/Reise hinter sich. Ihre Liebe zur Arbeit mit Schafen haben sie nämlich bei ihrem zweijährigen Aufenthalt in Australien für sich entdeckt.

In Australien ist die Schafszucht ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und es gibt auch heute noch deutlich mehr Schafe, als Menschen auf dem ganzen Kontinent. Doch die Farmen der Schafszüchter liegen weit außerhalb der großen und modernen Städte, in denen die meisten Menschen, ähnlich wie wir hier in Osnabrück, natürlich ganz ohne Schafe leben. Manche der Farmen, auf denen Helena und Markus eine Zeit lang arbeiteten, liegen so weit im Landesinneren, dass selbst die nächste Einkaufsmöglichkeit eine Stunde Autofahrt entfernt war (jeweils ein Weg). Da hieß es: „Bloß nicht den Einkaufszettel vergessen!“. Selbstverständlich gibt es auch Kinder, die auf solchen Farmen großwerden. Für die ist übrigens Homeschooling gar nichts Besonderes, sondern war auch schon vor Corona Alltag.

Mal ehrlich, wer von euch würde gerne tauschen und für immer nur Online-Unterricht haben? Sicher nicht viele, oder? Für Helena und Markus war das natürlich keine Frage mehr. Deswegen frage ich sie lieber folgendes:

„Was war das beste in Australien?“

„Die netten Leute“, antwortet Helena sofort. „Die Weite und das schöne Wetter“, ergänzt Markus. Hm, ich schaue über die Weide in Hagen, sie erscheint – zumindest mir – recht weit, aber natürlich sind an deren Ende schon wieder die nächsten Häuser zu erkennen. Weite, naja, aber Leute und Wetter haben wir auch, denke ich und frage, wie es ihnen in ihrer neuen Heimat, dem Osnabrücker Land, gefällt. „Wegen Corona ist es nicht so leicht, Anschluss zu finden“, meint Helena. Auch der Sprachkurs (zur Erinnerung: Sie kommt gebürtig aus England; ihre Muttersprache ist Englisch) findet zu ihrem Bedauern gerade nicht statt. Ansonsten fühlen sich die beiden schon sehr gut aufgenommen und angekommen, inmitten der Schafe sowieso.

„Wenn ich bei den Schafen bin, vergesse ich die Zeit und den Rest der Welt“, schwärmt Markus von der Ruhe, die besagte Vierbeiner ausstrahlen. Da muss ich ihm sofort Recht geben. Ich bin schon fast zwei Stunden da und es kommt mir vor, wie allerhöchstens zwanzig Minuten. Fazit: Ein Neuanfang mit määääh-chtig kuschligen Aussichten, Traumjob eingeschlossen. Klingt doch prima! Ich wünsche den beiden jedenfalls alles Gute und werde auf jeden Fall wieder vorbeischauen und euch natürlich darüber berichten.

Lämmer auf der WeideBevor es noch mehr spannende Fakten über Schafe gibt, ist hier ist eine kleine Aufgabe zum Mitmachen. Wie viele Lämmchen könnt ihr auf der Weide entdecken?

Fakten und Interview mit Raimond Menke

Nun kommen noch ein paar interessante Fakten, in Form von Frage und Antworten, die ich an den Züchter Raimond Menke gestellt habe. Mein Text und meine Fragen sind farblich markiert.
„Lieber Reimond, welche Schafsrassen gibt es in deiner Zucht?“
Ostfriesische Milchschafe, Weißköpfige Fleischschafe und Merino Fleischschafe
„Warum züchtest du gerade diese Rassen?“
Es sind ehemals heimische Arten. Nun sind die drei Rassen vom Aussterben bedroht. Ich möchte mit meiner Zucht dazu beitragen, dass es diese Schafe auch in ferner Zukunft noch geben wird. Es sind nämlich wirklich wunderschöne Tiere.
„Lohnt es sich, Schafe zu züchten, also verdient man gut, zum Beispiel an der Wolle?“
Nein, die meisten Einnahmen werden dafür benötigt, dass es den Tieren gut geht. Der Preis für Wolle ist sehr niedrig. Die Tiere machen dennoch Arbeit, am aufwendigsten bei Schafen ist, dass sie jedes Jahr geschoren werden müssen. Auch der Klimawandel macht sich leider schon bemerkbar. Auf den Weiden wächst weniger Gras nach, deshalb muss öfter Kraftfutter oder Heu gefüttert und vorher natürlich erstmal gekauft werden.
„Eine letzte Frage: Als hauptberuflicher Wirtschaftsprüfer hast du sicher viel mit Zahlen zu tun, was zählst du lieber: Schafe oder Geld?“
Schafe, denn die lassen einen besser und viel beruhigter schlafen.
„Gute Antwort, obwohl das natürlich eher als Scherzfrage gemeint war. Ich werde heute garantiert auch besonders gut schlafen. Schafe gezählt habe ich schließlich schon zur Genüge. Vielen Dank an dich, Raimond und besten Dank nochmal an Helena und Markus für die spannenden Einblicke ins Schäferleben! Es war toll bei euch!“

Liebe OS-Kids,

ich hoffe ihr teilt nun unsere Begeisterung für Schafe oder die „Flauschis auf vier Beinen“ wie Drache Valentin sie nennt. 😊 Schaut euch unbedingt noch dieses süße Video (auf den Link klicken) aus unserem Archiv an! Drache Valentin und ich zu Besuch bei Schäferin Saskia.

Weiter oben im Text wurde erwähnt, dass die Schafe geschoren werden müssen, aber was heißt das eigentlich? Ganz einfach: Es bedeutet, dass der angewachsene Wollpulli ab muss, denn er würde sonst immer und immer weiterwachsen. Vielleicht habt ihr in den Nachrichten neulich das Bild von dem Schaf Namens „Barack“ gesehen, das alleine im Australischen Outback unterwegs war. Vor kurzem wurde es zum Glück entdeckt und gerettet. Gebt auf eurem Internetbrowser (gemeinsam mit den Großen) mal Schaf Barack ein, schon findet ihr jede Menge Fotos.

Und hier verlinke ich noch unser Video von so einer echten Schafschur. Auch das haben Drache Valentin und ich uns mit Schäferin Saskia schon angeschaut, super spannend!

So, das war‘s. Ich bin nun echt geschaaft – äh geschafft für heute und sage tschüss und bis bald.

Bleibt gesund und fröhlich!

Eure Tina Birgitta Lauffer

 

 

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