18.5 C
Osnabrück
Montag, August 2, 2021

Ich Kommkum Gluck a us Os labruek! (Ich komm zum Glück aus Osnabrück)

Ich Kommkum Gluck a us Os labruek!

In Chengdu (China) weiß man Osnabrück wenigstens noch zu schätzen.
Als der alte Slo­gan „Ich komm zum Glück aus Osnabrück“ von 2003 zum Entset­zen aller Hater:innen 2019 tat­säch­lich wiederbelebt wurde, dauerte es nicht lange, bis die Kommentarspalten von den hinlänglich bekannten Dauernörgler:innen überflutet waren. Das ist doch …

Der ewige Textbaustein 7c aus ‚Bei-Uns‘, wo immer das ist

„Ich fahre schon seit Jahren nicht mehr nach Osnabrück und kaufe sowieso nur noch bei uns ein“, kommentierte (mittels Textbaustein 7c) zum wiederholten Male eine Frau aus … – die laut dem, was sie mag, besonders die AfD in ihr Herz geschlossen hat – aus … na, woher denn nun?
Na, aus „Bei-Uns“ eben. Aber wo genau liegt dieses „Bei-Uns“ eigent­lich? Nun, manchmal in Belm oder Melle, mal in Bram­sche oder Lotte oder eben im Sonstwo.
Mit „Bei-Uns“ war in dem Fall allerdings konkret Hasbergen gemeint, da also, wo zumindest bei ihr, der Shopping-Queen hinter den sieben Hassbergen, die Wut auf Osna­brück besonders ausgeprägt zu sein scheint.
Jenes Hasbergen also, dieses über sämtliche Grenzen hin­­aus bekann­te Oberzentrum des Rock ‘n‘ Roll und aller Mega-Shop­ping­malls. Dort also, wo die aktuelle Wahr­schein­lichkeit, gewaltsam zu Tode zu kommen, derzeit unge­fähr 730-mal höher liegt als in Osna­brück.
Dagegen mutet Frankfurt mit einer 13,7-fachen Mord­rate gegen­über unserer Heimatstadt doch fast friedlich und idyllisch wie ein Nachtspaziergang durch das unbe­leuch­tete Zentrum von Kat­ten­venne an.
Aber was ist überhaupt mit all den anderen Städten, in denen es toller ist als hier, obwohl alle Menschen dort weniger glücklich sind als in Osnabrück?
Lassen wir mal Bramsche, Melle, Wallenhorst, Ibben­bü­ren und Georgs­­marienhütte fairerweise beiseite, denn gegen diese Global Player der gehobenen Einkaufskultur hat Osnabrück laut Text­bau­stein 7c (nur zur Vertiefung: „Ich fahre schon seit Jahren nicht mehr nach Osnabrück und kaufe sowieso nur noch bei uns ein“) ja ohnehin keine Chance, zumal es dort viel bessere Parkmöglichkeiten und schönere Geschäf­te gibt und vor allem keinen Neumarkt.
Befestigte Ortschaf­ten also, in denen – zwischen all den Tulpen und Grachten – Prinzessin­nen und Feen auf Einhörnern den wie Milch und Honig fließenden Verkehr regeln.

Wo befinden sich nun die wahren Glücksmetropolen Deutschlands?

In Hamburg geht verkehrstechnisch seit Jahrzehnten rein gar nichts mehr, dagegen ist das, was wir hier in Osna­brück erleben, das reinste Antistauparadies.
Woher ich das weiß? Ich habe drei Jahrzehnte mit dem Kenn­zeichen HH leben und dabei gefühlte 8,7 Jahre in innerstädtischen Staus verbringen müssen, davon wiederum fünf geschlagene Jahre als Taxi­fah­­rer. Hier in Osnabrück macht man aus ein paar Minuten gleich ein: „Stundenlang hat das gedauert, in echt!“
Und München?
Nun, dort sind die Wohnungen zwar nicht einmal halb so groß wie in Osnabrück, dafür ist die Miete in der baye­rischen Landes­haupt­stadt, wie in Hamburg oder Düssel­dorf auch, viermal höher als bei uns. Zumindest als Ver­mieter ist man dort sogar sehr glück­lich, aber nur dann, wenn man selbst woanders wohnt, in Osna­brück zum Bei­spiel.
Und wie ist es um das Glück in Köln, Frankfurt, Bre­men oder in Sonstwo bestellt?

Ganz einfach und niemals vergessen:
„Wir in Osnabrück sind gegen Chancengleichheit!“
Jawohl!
Denn in Frankfurt, Berlin, Bremen oder Köln ist die Chance, auf offener Straße ausgeraubt zu werden, immer­hin zwischen 12,1- und 16,8-mal höher als in Osnabrück, und die betörende Gelegen­heit, in einer dieser Städte in Hunde­scheiße zu treten, sogar durchschnitt­lich 32,7-mal höher. Als Mitglied eines Clans oder als Schuhputzer fin­det man dort also unbestritten sein Glück, sonst aber wohl kaum.

Wie konnte Osnabrück überhaupt zur Glückshauptstadt werden?

Weder Hamburg noch Berlin, weder München noch Frank­furt und schon gar nicht Münster oder Bielefeld, sondern Osna­brück ist eben nach der vor achtzehn Jahren bundesweit durchgeführten Großstudie die glücklichste Stadt Deutschlands.
Das lag übrigens nicht daran, dass es noch den uringetränkten Neumarkttunnel gab und Menschen in den Untergrund geschickt werden mussten, um sich ein Softeis kaufen oder die Straße überqueren zu können, sondern …
… vielmehr daran, dass kurz zuvor Christian Wulff und Heinz-Rudolf Kunze unser schönes Osnabrück verlassen hatten, um näher am versumpften Maschsee zu sein und dort den Kontakt zu Rentnerbetrüger Maschmeyer, Veronica Ferres und dem Fachmann für lupenreine Korruption und Russlandfragen, Gerhard Schröder, zu pflegen.
Ausgerechnet Hannover also, das bis auf den Stadtteil Linden praktisch als unbewohnbar gilt. Okay, ein Schlösschen, das Wilhelm-Busch-Museum und das Theater am Küchengarten sind wirklich ganz passabel, aber der Rest? Nichts als pures Unglück.

Das glückliche Osnabrück hingegen hat diese einmalige Altstadt mit seinem unwiderstehlichen Marktplatz, ein zwar über alle Maßen subventioniertes, aber auch leistungsfähiges Stadttheater, zig Museen – über das Remarque-Haus bis hin zum vom Architekten Daniel Libeskind einmalig gestalteten Felix-Nussbaum-Haus, das derartig einmalig gestaltet ist, dass es meines Erachtens auch dabei bleiben sollte.
Meine persönlichen Osnabrücker Glücksfavoriten sind die Lagerhalle, das ARTelier Thomas Jankowski, das Museum Industriekultur, das Planetarium und der Zoo Osnabrück, der laut meiner damals siebenjährigen Tochter „viel, viel schöner ist als Hagenbeck“.
Recht hat sie!

Zwar verfügt Osnabrück über etliche Kulturzentren, Vereine, Kinos und zig weitere Möglichkeiten, wo sich die Menschen je nach Neigung und persönlichen Vorlieben einbringen und glücklich fühlen können, doch steht außer Frage, dass sich das kulturelle Oberzentrum ungeahnter Glückseligkeit und der emotionale Schmelztiegel einer ganzen Region im Nahen Osten der Stadt befindet: nämlich die Kampf­bahn Bremer Brücke.

Auslaufmodell Wolfgang Griesert mit dem Glücks-Hoodie von der Resterampe. / Foto: Swaantje Hehmann.

In Osnabrück gibt es alles, sogar Mister Minit und Pommes …

Und wir haben hier in Osnabrück ja nicht nur die innerstädtische Grundausstattung – angefangen bei Mister Minit über C&A, Nordsee, McDonald‘s, Fielmann, Ernsting‘s Family, Hennes & Mauritz bis hin zur Galeria Kaufhof – nein, in Osnabrück gibt es auch noch alteingesessene Familienunternehmen wie den Prelle-Shop, das Stammhaus von Leysieffers Himmlischen, das Kaufhaus Schäffer oder das Modehaus Len­ger­­mann & Trieschmann, wenngleich ich meine Freizeit auch gern bei IKEA oder in der Uni-Mensa verbringe, in der seit Jahren das beste Mensa-Essen Deutschlands auf den Tisch kommt.

Dass es in und um die Innenstadt herum zig Parkhäuser gibt, will zwar niemand von den so schrecklich unglücklichen Textbausteine-1a-bis-12f-Inhaber:innen hören, ist aber so.
Pech gehabt, ihr bräsigen Schwarzmaler:innen.
Und noch etwas: Bleibt doch bitte einfach da, wo ihr so glücklich seid, also ganz bei euch in „Bei-Uns“, okay? Hämmert weiter unentwegt eure stumpfen Hasstiraden über Osnabrück in die Tastatur und glotzt Mario Barth, wenn das eure Vorstellung von Kultur und Glück ist. Und umfahrt unsere Stadt bitte weiträumig, das lässt den Geräuschpegel sinken und den Glückspegel in Osnabrück ins schier Unermessliche steigen, dessen bin ich mir sicher.

Und nun noch zwei absolute Totschlagargumente, weshalb es ein unendliches Glück ist, in Osnabrück zu leben: Zum einen ist Osnabrück nicht Bielefeld und zum anderen wird niemand gezwungen, die beliebteste und vielleicht schönste Diskothek Deutschlands, das Alando, zu betreten.

Klitzekleiner Spoiler:
Eins möchte ich zum Abschluss an dieser Stelle allerdings nicht verschweigen: Als meine Tochter Jule Valerie vor vierzehn Jahren, sie war damals sechs, von einem Reporter der Neuen OZ gefragt wurde, was ihr am besten an Osnabrück gefalle, antwortete sie mit frechem Grinsen und fester Stimme: „Das Schönste an Osnabrück ist ganz klar der Potts Park, aber der ist leider in Minden! Stimmt doch, Papa, oder …?“

Kalla Wefel
Kalla arbeitet seit fast fünfzig Jahren professionell als Journalist und Autor sowie als Musiker und Kabarettist. Fußball, Musik, Philosophie & Astronomie sind seine großen Leidenschaften. Seine (VfL-)Heimatabende sind legendär und mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks.

Aktuelle Meldungen

- Advertisement -spot_img

Related news