Donnerstag, 18. Juli 2024

Agnes Laubinger, Überlebende des Holocausts, trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück ein

Agnes Laubinger erlebte zwischen 1942 und 1945 die Grausamkeiten des Nationalsozialismus in den Lagern Ausschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Sie wurde 1933 in Ludwigshafen geboren und lebt in Osnabrück. Die 91-Jährige hat sich nun in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück eingetragen. 

Im April hat Agnes Laubinger im Rathaus mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ein Zeitzeugeninterview aufgenommen. „Gerade in diesen Zeiten, in denen die NS-Geschichte verharmlost wird und Rassismus, Antisemitismus und auch Antiziganismus wieder erstarken, sind diese Zeugnisse wertvoll für die nachfolgenden Generationen. Und vor allem sind sie wichtig für ein ‚Nie wieder‘!“, sagte Oberbürgermeisterin Katharina Pötter. Bis zu einer halben Millionen Sinti und Roma fielen dem systematisch geplanten und durchgeführten Völkermord der Nationalsozialisten in Europa zum Opfer.

Zur Friedensarbeit der Stadt Osnabrück gehört auch Erinnerungskultur, die ehrliche und umfassende Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus. „Wir reden damit aber auch aktuell über die Bewahrung der Demokratie“, betonte die Oberbürgermeisterin.

Die 91-jährige Agnes Laubinger hat eine klare Botschaft: „Denken Sie nicht, alle Deutschen waren schlecht. Wir wollen nun dafür sorgen, dass das, was uns passiert ist, nie wieder vorkommt!“

Agnes Laubinger sind drei Jahre ihrer Kindheit genommen worden, die sie zwischen 1942 und 1945 in den Lagern Ausschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen unter katastrophalen unmenschlichen Bedingungen verbringen musste. „Zuvor hatte sie sich im Wald versteckt, um der Mordmaschinerie zu entgehen“, berichtete Mario Franz, den Geschäftsführer der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma. Agnes Laubinger überlebte, ihre Mutter nicht. Die Befreiung des Lagers Bergen-Belsen durch britische Truppen am 15. April 1945 kam für sie zu spät.

Heute ist „Tante Mundel“ wie sie nicht nur von ihrer Familie, sondern von der ganzen Gemeinschaft genannt wird, die letzte überlebende Sintezza in der Region. „Tante Mundel ist wichtig für uns, sie ist die letzte Brücke der Überlebenden in die Geschichte“, betonte Mario Franz.

Die Angehörigen der deutschen Minderheiten der Sinti und Roma hatten und haben in Deutschland schon vor 1933 und auch nach 1945 mit Jahrhunderte alten, tiefsitzenden Vorurteilen zu kämpfen, die ihnen von Teilen der Mehrheitsgesellschaft entgegengebracht wurden und „leider noch viel zu oft werden“, wie Romeo Franz, der Generalsekretär der Bundesvereinigung der Sinti und Roma betonte. „Wir kämpfen immer noch für Gerechtigkeit!“

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