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Judtih Kessler: Sternguckerinnen Teil 2 – vor 271 Jahren wurde Caroline Herschel geboren

Wie die erste bekannte Astronomin Maria Kirch hundert Jahre früher, hatte auch Caroline Herschel (*16.3.1750) als Frau keinen Zugang zu wissenschaftlichen Lehranstalten und formaler Bildung.

Die Tochter des Hannoveraner Militärmusikers Isaak Herschel und seiner Frau Anna wird zur Konzertsängerin und Violinistin ausgebildet, mit 21 aber dazu verdonnert, ihrem Bruder Wilhelm als Haushälterin nach England zu folgen („ich träumte von nichts als dem Bankrott“). Neben ihrem Hausjob und der Musik beginnt sie sich bald mit Astronomie, Algebra, Geometrie und den Formeln für astronomische Berechnungen zu befassen. Unter anderem schleift und poliert sie auch die Linsen für die Teleskope ihres Bruders.

Als Wilhelm Herschel mit ihrer Hilfe 1781 eher zufällig den Planeten Uranus entdeckt und daraufhin Hofastronom von Georg III. wird, geht sie mit ihm und bekommt eine Stelle als seine Assistentin. Fortan verzichtet sie vollständig auf ihre Gesangskarriere und begibt sich selber auf sternenreise. In ungezählten Nächten sucht sie systematisch den Himmel ab und entdeckt als erste Frau selbständig im Laufe der Zeit u. a. 17 Nebel, unzählige Doppelsterne und acht Kometen, darunter 1786 den sogenannten Enckeschen Kometen (der zweite nach dem Halleyschen, der als periodisch wiederkehrend erkannt wird, aber nicht nach seiner Entdeckerin, also nach ihr benannt wurde, sondern nach Johann Franz Encke, der seine Umlaufbahn berechnet hat).

Caroline Herschel überarbeitet auch den damals modernsten Sternenkatalog der Neuzeit, die „Historia Coelestis Britannica“ von John Flamsteed, erstellt einen eigenen Katalog von 561 Sternen für die Royal Society und weitere Kataloge von Sternhaufen und Nebelflecken inklusive all der dazugehörigen Berechnungen.

Naturwissenschaftler wie C. F. Gauß waren große Bewunderer ihrer Arbeit, die sie jedoch, um ihre gesellschaftliche Stellung bzw. Nichtstellung als Frau wissend, immer als verdienst ihres Bruders herausstellt.
In einem Brief schreibt sie, eine „Gesellschaft gelehrter Damen“ habe sie aufgenommen und „wenn sie mich nach etwas fragten, sagte ich, ich wüsste es nicht, hätte meinem Bruder nur wie ein gut abgerichtetes Hündchen geholfen, d. h., ich hätte nur getan, was er mir befohlen“.
Eigentlich aber hält sie Frauen für die besseren Sternengucker, weil sie „schneller die Größe, Form und Farbe von Objekten wahrnehmen und einen Eindruck schneller verarbeiten.“

Und als einer ihrer Kataloge gedruckt wird, sagt sie: „Ich gestehe zu, dass ich eitel bin, denn ich wünsche durchaus keine Ausnahme von der Regel zu sein, und was wäre eine Frau ohne Eitelkeit? Ja, was wäre ein Mann ohne diese? Der Unterschied ist nur der, dass man sie bei den Männern gewöhnlich Ehrgeiz nennt.“

Als ihr Bruder stirbt, kehrt „the Hunter of Comets“ aus England zurück nach Hannover.
Sie stirbt mit knapp 98 Jahren, ihre Grabinschrift verfasst sie noch selbst: „Der Blick der Verklärten war hienieden dem gestirnten Himmel zugewandt, die eigenen Kometenentdeckungen und die Theilnahme an den unsterblichen Arbeiten ihres Bruders zeugen davon bis in die späte Nachwelt. Die königlich irländische Akademie zu Dublin und die königliche astronomische Gesellschaft in London zählten sie zu ihren Mitgliedern.“

Der Komet „35p/Herschel-Rigollet“, der Mondkrater „C.Herschel“ im Sinus Iridum, der Planetoid 281 „Lucretia“ und mehrere Straßen in Deutschland sind nach ihr benannt.
Niki de Saint Phalle hat ihr eine ihrer üppigen Riesen-Nanas gewidmet. Die echte Caroline war zierlich und nur 1,47 Meter groß.

Sternstunden: Entdeckerinnen des Kosmos – Caroline Herschel

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