Samstag, 20. Juli 2024

„Forum für Erinnerungskultur und Zeitgeschichte“

Programmstart zur „Villa_“

Der neue Lernort „Die Villa_ Forum für Erinnerungskultur und Zeitgeschichte“ wird am Sonntag, 15. September, im Museumsquartier Osnabrück eröffnet.

Das Konzept der „Villa_“ hat bereits im Vorfeld für große öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt, insbesondere durch eine Kontroverse um die Namensgebung. Das Programm der „Villa_“ zeigt, dass kritischer Dialog weiterhin Kern des Angebots im neuen Haus des MQ4 sein wird. Es werden kritische Fragen an die Gesellschaft gestellt und produktive Debatten gefördert.

Das Forum bietet – ergänzend zur Dauerausstellung – eine breite Palette an Führungen und Workshops. Führungen thematisieren den „Nationalsozialismus in Osnabrück“, „Hans Georg Calmeyer“ oder die Geschichte der Familie Nussbaum. Workshops für Jugendliche ab 15 Jahren greifen die Geschichte des Hauses und die Ausstellungsthemen auf und behandeln unter anderem „Formen der Diskriminierung“, „Zivilcourage“ und „Verantwortung und Täterschaft“. Zusätzlich werden Stadtrundgänge zur nationalsozialistische Geschichte angeboten.

Die Annäherung an Themen wie Diskriminierung, Flucht und kulturelle Identität erfolgt nicht nur durch historische und politische Bildungsarbeit, sondern auch durch künstlerische Zugänge wie Literatur, Theater und Film. Die Reihe „Geschichte(n) erzählen“, eine Kooperation mit dem Literaturbüro Westniedersachsen und der Volkshochschule Osnabrück, widmet sich der Erinnerungskultur auf literarische Weise. Zeitgenössische Romane, die historische Ereignisse und persönliche sowie kollektive Erfahrungen verarbeiten, stehen im Mittelpunkt.

Mit der Vortragsreihe „Topografien des Terrors“ werden aktuelle Themen der Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur aufgenommen. Hier werden Aspekte der NS-Geschichte wie die Diktatur und die autoritäre Staatsführung sowie deren negativen Folgen für das offene und freie Leben von Gesellschaften thematisiert, aber auch die Erinnerungskultur. Der Blick über den Tellerrand, etwa auf die Diktatur in Chile oder Gespräche mit Vertretern des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam, erweitert die Perspektive.

Zudem werden bei Fachvorträgen aktuelle gesellschaftliche Themen und Diskussionen aufgegriffen. Unter anderem werden Meron Mendel und Saba-Nur Cheema beim „Muslimisch-jüdischen Abendbrot“ über Identitätspolitik und den Nahostkonflikt sprechen.

Das „Forum Zeitgeschichte“ bietet Raum für Gespräche darüber, wie die jüngere Geschichte das gesellschaftliche Leben bis heute prägt. Erinnerungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der NS-Zeit werden weiterhin wachgehalten, wobei zunehmend die Nachkommen über das Leben ihrer Eltern berichten. Robert van Galen wird über das Leben seiner Mutter Ruth van Galen-Herrmann, einer „Calmeyer-Jüdin“, sprechen.

Unter dem Titel „We against silencing – Wir müssen über Widerstand sprechen.“ wird 2024 eine Veranstaltungsreihe durchgeführt, die Stimmen Gehör verschafft, denen lange in dominanzgesellschaftlichen Diskursen nicht zugehört wurde. Die Reihe thematisiert Akte des Widerstands gegen Systeme der Unterdrückung und Verfolgung. Widerstand ist vielfältig und kann laut oder leise, selbstermächtigend und von verschiedenen Emotionen wie Wut, Trauer, Hass oder Rachegefühlen sowie dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit geleitet sein.


Mittwoch, 14. August, 10.30 Uhr

„Deutschland demokratisieren“
In der Reihe „Forum Zeitgeschichte“
Eintritt frei

Nach dem Kriegsende bemühten sich die Alliierten in den westlichen Besatzungszonen, die deutsche Gesellschaft durch Entnazifizierung und Re-Education schnellstmöglich zu demokratisieren. Die Sowjetische Besatzungszone war ein Sonderfall. In der Veranstaltung wird über die entsprechenden Erfahrungen in den Familien gesprochen.


Donnerstag, 15. August, 19 Uhr

„Jüdisch jetzt! Junge Jüdinnen und Juden über ihr Leben in Deutschland“
Lesung mit Andrea von Treuenfeld, Berlin
Eintritt: frei

Die meisten Nichtjuden in Deutschland sind noch nie einem jüdischen Menschen begegnet. Dementsprechend halten sich in der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft oftmals uralte Klischees oder bestimmen undifferenzierte Neuzuschreibungen das Bild. Wie aber sieht das jüdische Leben im heutigen Deutschland wirklich aus? Ein überraschendes und informatives Buch, das die Vielfalt jüdischer Identitäten und jüdischen Lebens in Deutschland sichtbar macht und die Stimmen einer multikulturell geprägten Generation zu Gehör bringt.


Donnerstag, 29. August, 19 Uhr

„NS-Erinnerungskultur als Kunst?!“
Hans Castrup, Osnabrück
In der Reihe „Topografien des Terrors“
Eintritt: frei

Die Erinnerung an die Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus ist in der Bundesrepublik Deutschland ein zentraler Bestandteil des gesellschaftspolitischen Diskurses. Neben einer historisch-analytischen Herangehensweise und der Begegnung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bietet die Kunst einen weiteren Zugang, um das oft schier Unbegreifliche wie den Holocaust zu vergegenwärtigen, ohne die Würde der Opfer zu beschädigen. Kunst sucht zudem eigene Wege, um die vermeintliche Attraktivität von Ideologien, die Menschen verführt, aufzudecken und die Mechanismen von nationalsozialistischer wie nationalistischer Propaganda zu entlarven. Dazu stellt der Osnabrücker Künstler Hans Castrup eigene Video-/Audio-Arbeiten mit dem Thema „Dekonstruktion von Macht-Präsentation durch Ironie“ zur Diskussion.

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