Donnerstag, Dezember 2, 2021
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Böse Gerüchte über Bob Dylan

TELL ME THAT ISN`T TRUE

Seit gut einer Woche kursiert nun die Nachricht in der Öffentlichkeit, der amerikanische Musiker, Songwriter und Nobelpreisträger Bob Dylan habe in den Anfängen seiner Karriere ein zwölfjähriges Mädchen unter Alkohol und Drogen gesetzt, um sie sexuell gefügig zu machen.  Im Raum steht nicht mehr und nicht weniger als der Missbrauchsvorwurf einer Minderjährigen. Eine solche Nachricht muss verstörend wirken, nicht nur auf Fans, sondern auf den gesamten Kultursektor.

Konkretes

Eine heute 68jährige Frau wirft dem berühmten Künstler vor, er habe sie im Jahr 1965 unter Vorwänden in sein Apartment im damals unter Künstlerkreise sehr angesagten Chelsea Hotel in New York gelockt, dort mithilfe von Alkohol und Drogen für sexuelle Praktiken gefügig gemacht.

Das ganze Drama habe sich von April bis Juni hingezogen, wobei es wiederholt zu Missbrauchshandlungen gekommen sei. Unterstützt wird die Klägerin von ihren Anwälten Daniel Isaacs und Peter J. Gleason, die am Freitag, d. 13.08., beim Obersten Gericht in New York Klage eingereicht hat. Die Vorwürfe beinhalten Körperverletzung und Zufügung seelischen Leids. Die Klägerin leide heute noch unter den Folgen der Traumata, hebt Isaacs hervor. Das vermeintliche Opfer verlangt Schadensersatz in nicht genannter Höhe. Die Identität der Frau wurde zunächst nicht bekannt, lediglich die Initialen JC.

Der vor Kurzem 80 gewordene Dylan hat die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. Die Behauptung sei »unwahr«, und man werde sich dagegen mit aller Macht zur Wehr setzen, so die Reaktion aus dem Management.

Ende der Nachrichten, der Rest ergeht sich bislang in Mutmaßungen und Spekulationen.

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Spekulationen

Die werden besonders geschürt von Stimmen aus der aufgeschreckten Dylan Fangemeinde, die, nachdem die erste Schockstarre abgeschüttelt ist, nun vehement versuchen, entlastende Indizien für ihr Idol geltend zu machen. Dabei hat sich sogar eine neue Webseite gegründet, allein zu diesem Zweck. Seit dem 24. August kann jeder, der etwas Profundes zu dem Fall zu wissen meint, sich an zeusnewsnow.com wenden, wo jegliche neue Erkenntnisse überprüft und gegebenenfalls veröffentlicht werden.  Das Forum versteht sich ausdrücklich als ein Pro-Dylan-Organ. Tatsächlich hat die Initiative es schon mal geschafft, die Identität der Klägerin zu lüften. Es handle sich um eine gewisse Joan Carr aus Greenwich Connecticut. Die Frau würde sich als Wahrsagerin durch die sozialen Medien wursteln, habe in einem Buch ihre Kontakte zu Aliens beschrieben und sei aufgrund von Steuerschulden in finanziellen Nöten. Außerdem habe sie schon 2013 versucht, sich in die Nähe von Dylans Entourage zu schummeln, indem sie behauptete, jener weibliche Fan zu sein, die auf einem berühmten Foto aus dem Jahr 1966 in einem sehr vertrauten Moment mit Dylan abgelichtet sei.

Auch diese Behauptung wird von zeusnewsnow widerlegt.

Genauso, wie sie die Reputation der Klägerin dekonstruieren, gehen die Autoren der Website auch mit ihren juristischen Beiständen um. Isaacs sei permanent in Zahlungsrückständen, vor allem beim Kindsunterhalt, sodass er im Jahr 2013 sogar Bestechungsgelder vom FBI angenommen hätte. Über Gleason wird verbreitet, er habe einen umstrittenen Deal mit dem ehemaligen Donald Trump-Anwalt Michael Cohen gehabt, um Informationen über seine Klienten zu veröffentlichen, die angeblich von einem ehemaligen New Yorker Generalstaatsanwalt missbraucht wurden, im Gegenzug dafür, dass Trump den Fall von Gleasons Klienten fördert, wenn er in das Amt des Gouverneurs von New York gewählt würde.

Die Klägerpartei ficht das nicht an. Sie bleibt bei ihrem Standpunkt, der nur richterlich zu klären sei. Angesichts dieser Kommunikationsfront bekommt man eine Ahnung von der Masse an Schlamm, die in diesem Fall noch bewegt werden könnte.

Solidarität

Aber nicht nur zeusnewsnow arbeitet rund um die Uhr daran, etwas für Dylan zu tun.

Als einer der Ersten hatte sich Dylan Biograph Clinton Heylin skeptisch zu den Vorwürfen geäußert. Sein Buch über den Star  “The Double Life Of Bob Dylan: A Restless, Hungry Feeling (1941-1966)”  deckt auch den Zeitraum ab, in dem sich die Vorgänge abgespielt haben sollen. Heylin kann die behaupteten Treffen zwischen Dylan und J.C. aufgrund seiner Recherchen den angegebenen Monaten und Tagen nicht zuordnen. “It’s not possible. Dylan was touring England during that time, and was in Los Angeles for two of those weeks, plus a day or two at Woodstock,” gab er gegenüber der Huffington Post an. “The tour was 10 days, but Bob flew into London on April 26 and arrived back in New York on June 3.”

“If Dylan was in New York in Mid-April, it was for no more than a day or two,” fügt er hinzu. “Woodstock was where he spent most of his time when not touring. And if he was in NYC, he invariably stayed at his manager’s apartment in Gramercy, not the Chelsea.“

Dylan habe erst ab Herbst 65 regelmäßig im Chelsea gewohnt. Außerdem sei der die meiste Zeit des Sommers von einer Film-Crew begleitet worden für die Dokumentation “ Don´t Look Back“ (1967). Da wäre eine solche massive Missbrauchsgeschichte bestimmt an Licht gekommen.

Auffällig ist bei der Sache, die jetzt schon 2 Wochen bekannt ist, dass sich für die Klägerin bisher niemand öffentlich engagiert hat. Nicht selten finden sich, wenn derartigen Vorwürfen einmal öffentlich gemacht worden sind, weitere Opfer, die ähnliches erlebt hätten. Aus dem einzelnen Klagen ergibt sich meistens ein Puzzle, das eine Täterschaft immer wahrscheinlicher werden lässt. In diesem Fall gibt es solche Stimmen bislang nicht. Niemand springt J.C. zur Seite. Im Gegenteil, es melden sich eher weibliche „Zeugen“, die für den Ausnahmekünstler ihre Hand ins Feuer legen wollen. Wie die britische Sängerin Dana Gillespie, 72, die Dylan während der besagten Tournee in Großbritannien nähergekommen ist. Sie war damals zwar erst 16, meint jedoch, sich nicht vorstellen zu können, dass die Rock-Legende jemals Interesse an einer Zwölfjährigen hätte finden können. Sogar von Seiten einer Me-Too-Aktivistin findet Dylan Unterstützung. Seit dem 19.08. kursiert auf youtube der Beitrag einer Greta Aurora, die über 20 Minuten haarklein aufzählt, weshalb die Vorwürfe gegen ihn lächerlich und unhaltbar seien.

Aber solche Einschätzung und Solidaritätsbekundungen sind eben keine Beweise, wobei sich allerdings grundsätzlich die Frage aufdrängt, wie man Missbrauchshandlungen, die 56 Jahre zurückliegen, überhaupt beweisen könnte.

Gleichwohl, solange die ungeheuerlichen Vorwürfe ungeprüft im öffentlichen Raum stehen, kleben sie an Dylans Namen wie Hundedreck am Schuh – deshalb umso dringender: Tell me it isn´t true …

 

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