Mittwoch, 28. Februar 2024

Gelungene Einweihungsparty in den neuen Räumlichkeiten der Kleinen Freiheit mit „Team Scheiße“

„Achtet auf die Leute vor, neben und hinter euch. Passt auf, wenn jemand hinfällt und helft!“ Mit diesen Worten begrüßte Timo, Sänger von Team Scheiße sein Publikum in der prall gefüllten Kleinen Freiheit. Dass dieser Aufruf zu mehr Achtsamkeit nicht unbegründet war, zeigte sich mit den ersten Gitarren-Akkorden: Wie aus dem Nichts ging der Pogo los. 

Häufige Tempowechsel und eingängige Melodien, die sich mitgrölen ließen, auch wenn man die Songs vorher nicht kannte. Die meisten Zuschauer:innen aber schienen recht textsicher zu sein. Haltung und Musik erinnerten deutlich an den Fun-Punk der 80er Jahre – mit einem Hauch Stadion-Kompatibilität. Also gar nicht so unpassend, Team Scheiße als Vorband der Toten Hosen einzusetzen.

Möglicherweise kannten viele die Bremer Band aus genau diesem Zusammenhang. Das Konzert war schon Wochen vorher ausverkauft. Und das Publikum war sehr breit aufgestellt. Die Bandshirts, die getragen wurden, verrieten jedenfalls unterschiedlichste musikalische Vorlieben. Und auch altersmäßig reichte die Spannbreite von zehn (mit Papas Kopfhörern) bis 60 Jahre. Team Scheiße scheint die Konsens-Band der Stunde zu sein.

Aber die 2020er Jahre sind nicht die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts – und der Fun-Punk von heute kann nicht derselbe sein wie der von vor 40 Jahren. Gemeinsam ist ihnen die Attitüde, nichts zu ernst zu nehmen, am wenigsten sich selbst. Aber wo der Humor der meisten Fun-Punk-Bands auf eine kalauernde Bierseligkeit hinauslief, zielt Team Scheiße auf einen subtileren Witz – ohne prätentiös zu werden. Auch erkennt man bei Team Scheiße eine politische Haltung, einen Hang zur Wokeness, die es so damals nicht gab. Das zeigen nicht nur explizit politische Songs wie „Frank“. Sänger Timo forderte das Publikum nicht nur auf, beim Pogen auf den Nebenmann Rücksicht zu nehmen, auch die Nebenfrau sollte das Konzert unbeschwert genießen können: „An die Dudes – ich bin auch ein Dude: lasst eure T-Shirts an.“ Soviel Rücksichtnahme wäre den Punks früher wohl als unauthentisch vorgekommen. Beim Konzert am Donnerstag wird sich so mancher in der Sauna der Tanzfläche danach gesehnt haben, blank zu ziehen – aber alle ließen ihre Shirts an.

In jedem Fall eine gelungene Einweihungsparty für die neuen Räumlichkeiten der Kleinen Freiheit in der Dammstraße.

 

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