Montag, 26. September 2022

„Müssen Wirtschaftsförderung und Flächenpolitik größer denken“

GRÜNE/Volt im Austausch mit WFO-Chef Ralf Minning

Auf Einladung der GRÜNEN Ratsfraktion war der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Osnabrück (WFO), Ralf Minning, am 29. August in der Fraktionssitzung zu Gast. Im Mittelpunkt des Austausches standen die Diskussion über die aktuelle Lage in der Energiekrise sowie die Themen Flächenpolitik, Nachhaltigkeit und Regionalisierung.

Sorge bereitet Politik und Wirtschaft die aktuelle Preisentwicklung an den Energiemärkten. „Für die Planungen der Unternehmen ist das eine schwierige Situation. Diese brauchen Verlässlichkeit. Die gibt es derzeit nicht. Zum Glück erlebe ich unsere Osnabrücker Unternehmen als sehr besonnen“, erklärt Minning. Das sieht auch der Fraktionsvorsitzende Volker Bajus so: „In der Krise ist Panik wenig hilfreich. Wenn Gas- und Strommarkt überhitzen, muss der Staat eingreifen. EU und Bund arbeiten an Lösungen für ein stabileres Preissystem. So sehen die Diskussionen um das in Kürze geplante dritte Entlastungspaket zum Beispiel einen Strompreisdeckel und eine Übergewinnabgabe vor. Allerdings: Gegen die Abhängigkeit von Putin und fossilen Energien sind immer noch Energiesparen und erneuerbare Energien die besten Mittel. Ergänzend braucht es einen Härtefallfonds vom Land, um nicht nur Privathaushalte vor Energiesperren zu schützen, sondern auch Betrieben in Not zu helfen.“

Ein weiteres wichtiges Dauerproblem sei der Fachkräftemangel. Minning verwies auf die Bedeutung der Fachkräfte-Kampagne „Typisch Osnabrück“, die in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und Unternehmen durchgeführt wird: „Typisch Osnabrück ist unsere Antwort auf den Fachkräftemangel. Wir müssen besser dabei werden, junge Menschen nach Ausbildung oder Studium am Standort zu halten. Dafür stellen wir die Qualitäten der Stadt als Arbeits- und Lebensmittelpunkt in den Fokus. Seit dem Start vor zwei Jahren konnten wir bereits über 600 Fachkräfte für Osnabrück gewinnen. Ein großartiger Erfolg.“

In der verstärkten Zusammenarbeit der Hochschule und der Universität Osnabrück mit der regionalen Wirtschaft sehen auch die GRÜNEN ein großes Zukunftspotential. „Hier liegt ein Schlüssel für eine positive Entwicklung Osnabrücks. Die Hochschulen sind Anziehungspunkt für mittlerweile über 28.000 Studierende. Auch deswegen müssen wir Stadt, Hochschulen und Wirtschaft noch besser verzahnen“, machte Bajus deutlich.

Als jüngstes und schnell wachsendes Aufgabenfeld der WFO präsentierte der WFO-Geschäftsführer den Bereich „Gründungen und Startups“: „Wir haben erst im letzten Jahr damit begonnen und bereits über 300 Beratungsgespräche geführt. Der Kreis der Interessent:innen reicht dabei vom Handwerk bis zur IT. Wir sind froh, dass wir als WFO Gründerstipendien vermitteln können. Hier ist in Osnabrück viel in Bewegung, vom Ringlokschuppen bis zum InnovationsCentrum am Westerberg. Mit dem Healthcare Accelerator haben wir ein Startup-Zentrum für die Gesundheitswirtschaft an den Start gebracht, von dem wir uns viele neue Impulse erhoffen.“

Gefragt nach seiner Einschätzung zur Gewerbeflächensituation verwies Minning auf die begrenzten Möglichkeiten im Stadtgebiet. Mit dem Limberg habe man immerhin eine attraktive kommunale Fläche. „Wegen der Knappheit gilt es klare Prioritäten zu setzen, also Vorrang zu geben für die Entwicklung der ansässigen Firmen und für innovative, weniger flächenintensive Neunansiedlungen. Dabei spielt das Thema nachhaltige Entwicklung der Unternehmen natürlich eine wichtige Rolle.“

Diesen Punkt nahm der Fraktionsvorsitzende auf: „Wir müssen flächenpolitisch stärker als Region kooperieren. Flächenpolitik und Wirtschaftsförderung machen nicht an der Stadtgrenze halt. Hier müssen wir endlich größer denken und nicht mehr im Klein-Klein der Standortkonkurrenz.“ „Am Ende sind wir als Region nur gemeinsam stärker beim Standortmarketing“, so Minning. Und dafür müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen“, forderte Bajus.

Abschließend dankten die GRÜNEN Minning und seinem 12-köpfigen Team für die gute Arbeit und konzeptionelle Weiterentwicklung der WFO in den letzten Jahren: „Es ist gelungen, ein umfangreiches Beratungsangebot aufzubauen und echter Kümmerer zu werden. In den Bereichen nachhaltiges Wirtschaften und Regionalität nimmt die WFO eine Vorreiterrolle ein. Das darf gerne so weitergehen.“

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