Montag, 26. September 2022

Junge Frau nach Lungenarterienembolie gerettet:

Klinikum setzt neue Verfahren erfolgreich ein

Osnabrück, 22.09.2022. „Für mich ist das immer noch völlig surreal“, sagt Linda Schwering. „Ich war in der Zeit im Krankenhaus dreimal nicht ansprechbar. Es stand nicht gut um mich.“ Die junge Frau, die in diesen Tagen ihren 24. Geburtstag feiert, erkrankte beim Verfassen ihrer Bachelor-Arbeit für den Abschluss ihres Lehramtsstudiums an einer lebensbedrohlichen Lungenarterienembolie. Am Tag nach der Abgabe war sie derart in Atemnot, dass sie es nur noch mithilfe ihres Freundes zum Hausarzt schaffte. Dann ging es im Eiltempo erst in die Notaufnahme des Klinikums Osnabrück und schließlich direkt auf die Intensivstation.

Nachdem klar war, dass bei Linda Schwering ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel zum Verschluss einer Lungenarterie geführt hatte, behandelte sie das Team der Internistischen Intensivmedizin unter Leitung von Kardiologie-Chefarzt PD Dr. Carsten Schneider. Sie wurde mit einem speziellen Verfahren behandelt. „Die Möglichkeiten bei der Behandlung der Lungenarterienembolie haben sich in letzter Zeit entwickelt. Wir nutzen unterschiedliche Verfahren, ganz individuell abgestimmt auf die Schwere der Erkrankung und das Risikoprofil unserer Patienten“, erklärt Oberarzt Dr. Maximilian Veddeler, der die organisatorische Leitung der Intensivmedizin innehat. „Bei Frau Schwering haben wir einen Katheter in die Lungenstrombahn eingeführt. Das Gerinnsel wird dann durch Ultraschallwellen und durch Medikamente aufgelöst. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass es mit sehr geringem Blutungsrisiko einhergeht und trotzdem das Blutgerinnsel effektiv auflösen kann.“

Bei Lungenarterienembolien verstopft ein Blutgerinnsel die Blutgefäße des Atmungsorgans. Dadurch wird die Lunge weniger durchblutet, und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Als Folge kann es neben Lungeninfarkten, Lungenentzündungen, Lungenhochdruck oder lebenslanger Atemnot auch zu schweren Komplikationen kommen. Es besteht die Gefahr eines Rechtsherzversagens mit unmittelbarer Todesfolge.

„Lungenembolien sind nach Herzinfarkten und Schlaganfällen die dritthäufigste Todesursache unter den Herzkreislauf-Erkrankungen“, sagt der Oberarzt der Intensivstation. „Um Betroffene am Klinikum bestmöglich versorgen zu können, übernimmt die Behandlung ein sogenanntes ‚Pulmonary Embolism Response Team‘. In diesem Team arbeiten Kardiologen, Radiologen, Pulmologen, Intensivmediziner und Gerinnungsspezialisten zusammen, damit die betroffenen Patienten von der Diagnose über die Auswahl der richtigen Therapie und auch im weiteren Verlauf bestmöglich versorgt sind.“

Wie Dr. Veddeler erklärt, treten Lungenembolien gar nicht selten auf. „Die Häufigkeit liegt im Bereich zwischen 50 und 150 Fällen pro 100.000 Einwohner. Damit behandeln wir Patienten mit Lungenembolien bei uns im Klinikum fast täglich“, erläutert Veddeler. „Dass so junge Menschen davon betroffen sind, ist deutlich seltener.“

Es gibt zwei Risikofaktoren, denen sich Linda Schwering ausgesetzt hat. „Ich nehme die Anti-Baby-Pille und rauche manchmal“, berichtet sie. Weiterhin habe sie viel am Schreibtisch gesessen, sich wenig bewegt und habe unregelmäßig und nicht wirklich gesund gegessen. „Ich habe bereits seit einer Woche gemerkt, dass ich kurzatmig bin und wenig Luft habe, dies habe ich jedoch auf den Stress wegen der Abschlussarbeit geschoben. Und dann habe ich es nicht weiter beachtet, dass ich von Tag zu Tag immer schlechter Luft bekommen habe, weil ich ja mit meiner Arbeit fertig werden wollte.“

Am Tag der Abgabe sei Schwering schließlich in einer so desolaten Verfassung gewesen, dass sie den kurzen Fußweg zur Uni fast nicht mehr geschafft hätte. „Mein Freund begleitete mich, aber trotz seiner Hilfe habe ich mich viermal hinsetzen müssen, weil ich keine Luft mehr bekommen habe. Als wir wieder zu Hause waren, habe ich mich ins Bett gelegt und 20 Stunden lang durchgeschlafen. Aber das half eben nicht, sodass wir am nächsten Tag zum Arzt gefahren sind. Ich hatte keine Vorstellung, was es sein könnte, aber ich habe niemals damit gerechnet, dass mein Leben in Gefahr sein könnte“, sagt Linda Schwering. „So richtig realisiert, wie knapp es tatsächlich war, habe ich noch nicht. Dem gesamten Team von der Intensivstation bin ich jedenfalls zutiefst dankbar und meinen Geburtstag werde ich in Zukunft wohl zweimal feiern.“

„Für uns als Team ist der schnelle Genesungsverlauf von unserer jungen Patientin und bald Lehrerin natürlich schön“, so Veddeler und betont: „Die Symptome einer Lungenarterienembolie sind vielfältig. Typische Symptome wie Atemnot können fehlen; Leistungsschwäche, Herzrasen, ein Bewusstseinsverlust oder Schmerzen in der Brust geben lediglich Hinweise, können aber natürlich auch bei anderen Erkrankungen auftreten.“ In jedem Fall sollte bei diesen Symptomen ein Arzt aufgesucht werden. Wegweisend für die Diagnose seien dann klinische und labormedizinische Untersuchungen, das EKG, der Herzultraschall und schlussendlich eine Computertomographie.

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