spot_imgspot_img
spot_img
Freitag, 29. August 2025
spot_img

Ganzjährig Sport treiben – aber Grünflächen durch hitzespeichernden Kunststoff ersetzen?

Umweltforum Osnabrücker Land wehrt sich gegen Umbau des Sportplatzes am Schölerberg – Verwaltungsspitze hält massiv dagegen – Verein befürwortet stattdessen die Herrichtung eines Schlackeplatzes

Das Umweltforum Osnabrücker Land, Dachverband der Osnabrücker Umweltverbände, hat in einem Schreiben an Oberbürgermeisterin Pötter sowie die Mitglieder des Rates der Stadt Osnabrück Einspruch erhoben. Inhaltlich geht es dabei um den geplanten Ausbau des Rasensportplatzes am Schölerberg zum Kunstrasenplatz, was nicht zuletzt auf Initiative der Verwaltungsspitze erfolgen soll. Sportverein und SPD-Ratsmitglied Andre Klekamp befürworten dagegen eine Ausstattung des benachbarten Schlackeplatzes mit Kunstrasen und möchten die Rasenfläche ebenfalls erhalten.

Die Initiator*innen des Einspruchs wehren sich jetzt dagegen, die bestehende Rasenfläche im Grünen Finger Schölerberg zu einer Bewegungsfläche mit Kunstrasen umzubauen. Dies soll aus Verwaltungssicht vor allem dem nutzenden SC Schölerberg helfen. Denn der möchte auf seinen Plätzen ganzjährig Sport treiben und seine vielfältigen Angebote für alle Altersgruppen aufrecht erhalten. Geschieht nichts, so die Befürchtung, droht ein Einbruch in das Angebot, so dass weniger Menschen im Stadtteil Sport treiben.


Zur Sachlage

Von Vereinsseite verlautet bislang, dieser benötige mit seinen 800 Mitgliedern, fünf Herren- und Frauenteams und elf Jugendmannschaften unbedingt zwei Plätze, um ein vernünftiges Ganzjahresprogramm bieten zu können. Außerdem nutzt aktuell auch der SC Portugues die Anlage mit drei eigenen Teams. Derzeit, so der SC Schölerberg, könnten die Mannschaften nur gut sechs Monate im Jahr die Anlagen nutzen – den Schlackeplatz offiziell sogar gar nicht. Die ganzjährige Nutzung eines Kunstrasens biete eine immense Chance, Angebote sogar auszubauen und vor allem mehr Jugendarbeit anzubieten. 

In einem Brief an die Oberbürgermeisterin hat der Sportverein sich allerdings eindeutig dafür eingesetzt, für den erstrebten Kunstrasen einen benachbarten Schlackeplatz zu nutzen, der dann eine zweite, ganzjährig nutzbare Platzalternative bieten könnte. Unterzeichnet hat das Schreiben Christian Glaab, Vorsitzender des SC Schölerberg.

Denn ein Kunstrasenplatz, dies liegt in der Natur der Sache, ist beinahe ganzjährig ohne großen Pflegeaufwand nutzbar. Zugute soll dem Verein ein aktueller Beschluss der rotgrünen Landesregierung kommen. Diese hatte Ende Juli beschlossen, zusätzlich 600 Millionen Euro an Kommunen und Kreise auszuschütten. Mit diesem Geld will das Land in ganz Niedersachsen Investitionen anstoßen. Städte, Gemeinden und Landkreise müssen dabei keinen Eigenanteil beisteuern und sind weitgehend frei mit den Projekten, die gefördert werden.

12,4 der 600 Millionen würden gemäß bisheriger Informationen nach Osnabrück fließen. Das Geld soll dann für neue oder bereits begonnene Projekte verwendet werden. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter, Stadtrat Wolfgang Beckermann und die Sportverwaltung unterstützen aktuell den Verein dabei, einen Kunstrasenplatz zu schaffen. Der massiv ins Auge springende Unterschied: Pötter und Beckermann möchten den beliebten Rasenplatz mit Kunstrasen ausstatten, Verein wie SPD-Ratsmitglied Andre Klekamp den benachbarten Schlackeplatz.


Einspruch des Umweltforums

Massiver Widerspruch gegen die Umwandlung des Rasenplatzes kam nun vom Umweltforum, das der OR eine ausführliche Stellungnahme zusandte, die wir wie folgend wörtlich widergeben: 

„Der Grüne Finger Schölerberg erfüllt eine zentrale ökologische Funktion für Osnabrück: Er wirkt als Frischluftschneise, als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und als natürliche Klimaanlage in einem zunehmend überhitzten Stadtklima. Jede weitere Versiegelung – insbesondere durch hitzespeichernde Kunststoffflächen – schwächt diese lebenswichtigen Funktionen und verschärft die negativen Folgen des Klimawandels.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der bereits heute spürbaren Zunahme von Hitzetagen ist es daher unverständlich, Grünflächen durch hitzespeichernden Kunststoff zu ersetzen. Gemäß Aussagen des Fraunhofer Institutes heizen sich Kunstrasenflächen gegenüber Naturrasenflächen besonders im Sommer im Vergleich zum Temperaturniveau ihrer Umgebung sehr stark auf. Dies führt zu einer deutlichen Erwärmung der Umgebung und verstärkt städtische Wärmeinseln. Darüber hinaus sind Kunstrasenplätze mit ökologischen Langzeitproblemen verbunden: Mikroplatik-Austrag in Böden und Gewässer, sowie hoher Energieaufwand bei Herstellung und Entsorgung.

Diese Probleme widersprechen den Zielen einer nachhaltigen und klimafreundlichen Stadtentwicklung, wie sie Osnabrück selbst formuliert hat. Hinzu kommt: Nur 500 Meter vom geplanten Standort entfernt existiert bereits ein Kunstrasenplatz. Ein weiterer Ausbau an dieser Stelle ist ökologisch nicht vertretbar und aus Sicht der Ressourcennutzung unnötig. Wir appellieren daher an die Stadtverwaltung und den Rat, die Planungen für den Kunstrasenplatz zu stoppen und stattdessen den Bestand als Sportrasen zu sichern oder im Falle der beabsichtigten Sanierung des Schlackeplatzes ökologische Sanierungsformen zu wählen.

Angesichts der Erderhitzung ist es die Aufgabe der Stadt, die Grünen Finger Osnabrücks zu stärken und diese zum Schutz der Gesundheit und der Lebensqualität der Osnabrücker Bürger zu erhalten und auszubauen.“

Unterzeichnet ist das Schreiben von r. Matthias Schreiber vom Aktionsbündnis „Finger weg von den Grünen Fingern“ im Umweltforum Osnabrücker Land e.V.. Weitere Informationen sind online unter GrueneFinger@umweltforum-osnabrueck.de abrufbar.

Der SC Schölerberg wiederum würde es begrüßen, dass die Mittel in die Herrichtung des abgängigen Schlackeplatz fließen. Dem Vereinsvorstand geht es vor allem darum, auf diesem Wege mithilfe neuer Landesmittel endlich seine jahrelang nur äußerst mühsam bewältigten Platzprobleme zu lösen, die facettenreichen Angebote aufrecht zu erhalten und, falls möglich, sogar zukünftig auszubauen.


Klekamp bringt es auf den Punkt

SPD-Ratsherr Andre Klekamp, der aktiv im Verein Fußball spielt, priorisierte gegenüber der OR eindeutig eine Herrichtung des benachbarten Schlackeplatzes und hat aus sportlichen wie aus Kostengründen keinerlei Verständnis für die Pötter-Position. Klekamp wörtlich auf Anfrage der OR:

„Es erschließt sich mir nicht, warum die Verwaltung einen Weg beschreiten will, der den bestehenden Rasenplatz ersetzt. Der Platz ist top in Schuss und wartet eigentlich nur noch auf die Installation der vor kurzem noch ausgeschriebenen Beregnungsanlage, um in den Sommermonaten beste Voraussetzungen zu bieten.

Warum das aber nun zerstören und einen Kunstrasen mit einer komplett neuen Beleuchtungsanlage, deren Umsetzung übrigens aufgrund von noch zu erstellenden, teuren Gutachten zur Anwohnersituation überhaupt nicht sicher ist, errichten? Zudem könnten diverse Sportarten dann an der Hanns-Braun-Straße gar nicht mehr durchgeführt werden.

Das alles wohlgemerkt, während gleichzeitig wenige Meter entfernt ein seit langem gesperrter, weil abgängiger, Schlackeplatz inklusive bestehender Flutlichtanlage nur darauf wartet, endlich modernisiert und zu einem Kunstrasenplatz umgebaut zu werden. Niemand, der dem Sport in Osnabrück und den Vereinen vor Ort nahe steht, kann das nachvollziehen. Die einzig von der Verwaltung vorgebrachten Argumente wie Gefahr von Vandalismus und Laub umliegender Bäume sind nicht ausreichend und lösbar.

Ich begrüße ausdrücklich Investitionen in städtische Sportstätten, gerade bei Vereinen, die seit längerem darauf warten, dass sich etwas tut. Dann aber bitte vernünftig und nicht in einer Hau-Ruck-Aktion, bei der vielleicht die PR und schnelle Videos für den Social-Media Auftritt eine größere Rolle gespielt haben als das Ergebnis.“


Der Rat wird entscheiden

Kurzum: Es ist also äußerst fraglich, dass der beliebte Rasenplatz, wie von OB Pötter demonstrativ und öffentlich gewünscht, zu einer Kunstrasenfläche wird. Der Osnabrücker Stadtrat wird in der Frage am Ende das letzte Wort haben.

spot_img
Juli & August 2025spot_img
Oktober 2023spot_img
August 2024spot_img
Juni 2025spot_img
September 2025spot_img
2015spot_img
November 2020spot_img
August 2024spot_img
erscheint Oktober 2025spot_img