Samstag, 17. Februar 2024

POL-OS: Mutmaßliche Geldautomaten-Sprenger nach Deutschland ausgeliefert

Im Rahmen einer deutsch-niederländischen Polizei- und Justizaktion konnten gestern (01.02.24) fünf mutmaßliche Geldautomatensprenger aus den Niederlanden nach Deutschland überstellt werden.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Osnabrück wurden die fünf Männer im Alter von 20 bis 29 Jahren in Osnabrück dem zuständigen Haftrichter beim Amtsgericht Osnabrück vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft für die Beschuldigten an, die daraufhin verschiedenen niedersächsischen Justizvollzugsanstalten zugeführt worden waren.

Den Männern wird vorgeworfen, an insgesamt 23 Geldautomatensprengungen beteiligt gewesen zu sein. Ihnen drohen im Falle einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen. Die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Osnabrück wird erst nach Anklageerhebung terminiert, wird aber in der ersten Jahreshälfte 2024 erwartet. Bei der heutigen Überstellungsaktion waren aus Sicherheitsgründen mehrere Polizeieinheiten von Bundes- und Landespolizei im Einsatz, darunter auch Polizeidiensthunde sowie ein Polizeihubschrauber der Bundespolizei.

Bei einem gemeinsamen Großeinsatz von niederländischen und deutschen Polizei- und Justizbehörden, konnten am 15. November 2023 neben den fünf ausgelieferten Männern weitere drei mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung, die unter anderem Geldautomatensprengungen begangen haben sollen, unter Einsatz von Spezialkräften der niederländischen Polizei, festgenommen werden – darunter auch ein mutmaßlicher Drahtzieher. Weitere zehn Bandenmitglieder konnten ermittelt werden. Außerdem durchsuchten die mehr als 200 Einsatzkräfte im Rahmen des im letzten Jahr stattfindenden länderübergreifenden Joint Action Days insgesamt 26 Wohnungen und Geschäftsräume in den Niederlanden und Deutschland. Dabei fanden Ermittler in den Niederlanden rund 250.000 Euro Bargeld, in Teilen eingefärbt. In Amstelveen musste wegen Sicherstellung von Sprengstoffen aus Sicherheitsgründen ein Mehrfamilienhaus teilweise evakuiert werden. Auch hochwertiger Schmuck und teure Uhren wurden gefunden. Bei dem Einsatz waren auch Sprengstoffspürhunde sowie niederländische Sprengstoffexperten im Einsatz. Bei den in Rede stehenden 23 Sprengungen entstand ein Beute- und Sachschaden von mehr als 5,5 Millionen Euro.

Nach einem Hinweis niederländischer Behörden zu einer Geldautomaten-Sprengung im August 2021 in Osnabrück kamen die Ermittlungen ins Rollen. Dabei konnten die Ermittlungen auf europäischer Ebene durch die konzentrierte Mitwirkung von Europol sowie durch das von der Polizeidirektion Osnabrück geführte EU-Teilprojekt „LUMEN-ATM“ vertieft und verdichtet werden. Für die Sprengungen der Automaten verwendeten die Täter ausnahmslos Festsprengstoff. Ein Trend, den auch das Bundeskriminalamt für das gesamte Bundesgebiet bestätigt. Diese Sprengstoffe führen auch in den Niederlanden zu großen Risiken, denn diese werden in Wohngebieten zusammengebaut und gelagert.

Die Täter agieren oft in wechselnden Zusammensetzungen innerhalb eines großen kriminellen Netzwerkes. Sie nehmen große Risiken für sich und andere in Kauf und werden darüber hinaus mühelos durch neue junge Mitglieder ersetzt. Die Täter gehen äußerst riskant und skrupellos vor – sowohl am Tatort als auch bei der Flucht mit ihren PS-starken Fahrzeugen. Untersuchungen zeigen, dass ein großer Teil der einschlägigen Taten von den Niederlanden aus begangen wird. Um Verdächtige aufzuspüren, arbeiten niederländische und deutsche Polizei- und Justizbehörden daher seit längerer Zeit intensiv zusammen. Aufgrund erhöhter Sicherheitsmaßnahmen und der Reduzierung der Zahl von Geldautomaten in den Niederlanden haben die Kriminellen ihr Tätigkeitsfeld ins Ausland verlagert.

Im Jahr 2022 verzeichnete das Bundeskriminalamt mit bundesweit 496 Taten einen Rekordwert. Im Jahr 2023 sank die Zahl der Taten in Niedersachsen deutlich. Nach den ersten beiden größeren Erfolgen im Kampf gegen Geldautomatensprengungen im Herbst 2021 und im Sommer 2022, war der große Schlag im November 2023 bereits der dritte, an dem Ermittler der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück und der federführenden Staatsanwaltschaft Osnabrück maßgeblich beteiligt waren.

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