Dienstag, 20. Februar 2024

Suchthilfe steht vor schwerwiegenden Veränderungen

Caritas-Fachmann Günter Sandfort fordert Ausbau der Prävention

„In diesem Jahr werden große Herausforderungen auf die Suchthilfe zukommen. Wir rechnen mit der Legalisierung von Cannabis. Zudem kommen gerade völlig neue Substanzen mit hohem Suchtpotential auf den illegalen Markt. Prävention wird also wichtiger denn je!“

Günter Sandfort, Geschäftsführer der Fachkliniken für Suchthilfe im Diözesan-Caritasverband Osnabrück, wirft einen ernsten Blick auf das Jahr 2024.
Vor wenigen Tagen hat die Niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen (NLS) die Statistik für 2022 veröffentlicht. Ca. 47.000 Menschen haben die niedersächsischen Suchtberatungsstellen aufgesucht, eine Steigerung von 2,8% zum Vorjahr.
Diese Entwicklung zeigt sich auch für die Caritas im Bistum Osnabrück. In 2022 haben mehr als 3.000 Menschen Unterstützung in den Beratungsstellen der Caritas in Bremen, Osnabrück und Meppen gefunden.

Caritas-Suchtexperte Günter Sandfort fordert Ausbau der Präventionsangebote. Foto: Caritas / Roland Knillmann

Cannabislegalisierung schafft neue Dynamik

Wenn Günter Sandfort in die Zukunft schaut, dann prognostiziert er eine neue Dynamik, die in den Zahlen der Vergangenheit nicht erfasst wird: „Wir rechnen damit, dass Cannabis in Kürze legal zugänglich wird. Eine Legalisierung bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Substanz ungefährlich ist. Um mit den Nutzerinnen und Nutzern über die Gefahrenpotentiale zu sprechen, brauchen wir einen Ausbau der Präventionsangebote. Prävention muss so verfügbar werden wie Cannabis!“

Dies gilt umso mehr, weil die Caritas-Suchtexperten in den vergangenen Wochen zunehmend mit Betroffenen Kontakt haben, die neue, noch unbekannte Substanzen konsumiert haben. „Dabei handelt es sich um ein Rauschgift, das offenbar sehr schnell abhängig macht. Die Konsumenten, die zu uns kommen, haben Kreislaufbeschwerden und Panikattacken und sind sehr unruhig.“


Flächendeckendes Hilfeangebot erhalten

Die Forderung von Günter Sandfort ist klar:
„Wir können vor allem junge Menschen mit dieser Entwicklung nicht allein lassen. Daher muss das flächendeckende Angebot an Beratung und Behandlung erhalten bleiben und vor allem die Prävention gestärkt werden.“

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