Donnerstag, Dezember 2, 2021
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Osnabrück

Endlich komplett fertig! Neue Löwenanlage eröffnet

Mehr Platz für den König der Tiere
Bundespräsident a.D. Christian Wulff weiht „Mapungubwe“ ein

Nach anderthalb Jahren Bauzeit ist die Erweiterung der Löwenanlage im Zoo Osnabrück abgeschlossen. Das fünfköpfige Rudel hat nun bis zu drei Mal mehr Platz in seinem neuen Reich „Mapungubwe“. Gestern eröffnete Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Gründungsmitglied des Fördervereins Löwen für Löwen e.V., das neue Highlight im Zoo Osnabrück.

Voller Interesse schauten die Löwen Nakuru, Shaba, Kipangi, Mahiri und Amani auf die besondere Besucherschar im Anzug vor ihrem Gehege. Etwa 80 Gäste hatten sich coronakonform versammelt, um die Fertigstellung des neuen Zuhauses zu feiern. Dr. E.h. Fritz Brickwedde begrüßte die Anwesenden in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins „Löwen für Löwen“, der seit seiner Gründung 2016 Spenden für den Umbau sammelte: „Es ist vollbracht: Unser Löwenrudel hat ein größeres und schöneres Zuhause, sodass nun auch wieder Nachwuchs möglich wäre. Und einen großen Anteil daran hat unser Verein, der insgesamt fast 500.000 Euro gesammelt hat. Mit Open-Air-Kino, Löwenmahlzeit oder Auktionen sowie vielen Spendenaktionen haben wir das gemeinsam geschafft. Vielen Dank an alle großen und kleinen Löwenfans.“ Als Ehrengast war Christian Wulff, Bundespräsident a.D. und Gründungsmitglied des Vereins, vor Ort und hielt die Eröffnungsrede. „Ich begleite den Zoo schon seit einiger Zeit, als Osnabrücker, als Vater, als Politiker und ich bin immer wieder begeistert, dass dieser Ort durch die vielen Umbaumaßnahmen immer schöner wird und dass der Zoo dies auch noch mit sehr viel Eigenverantwortung schafft. Auch die Corona-Zeit hat der Zoo mit viel Kreativität und Elan gemeistert“, freut sich Wulff. „Gleichzeitig sind Zoos so wichtige Orte – generell, um Menschen für Arten- und Naturschutz zu begeistern, und gerade jetzt in dieser Corona-Zeit, um Familien und Kindern einen Ausgleich zu all den Strapazen zu geben. Toll, dass die Osnabrücker diesen wundervollen Ort direkt vor der Haustür haben und ihn auch so sehr schätzen, dass sie ihn mit vielen Spenden in dieser schwierigen Zeit unterstützt haben.“

127 Meter langer und bis zu sechs Meter hoher Baumpfad

Entworfen und umgesetzt wurde „Mapungubwe“ vom Planungsbüro Drecker. „Grundsätzlich wollen wir in Zoos Menschen die Verhaltensweisen von Tieren näherbringen, das heißt, wir müssen Einblicke in das Leben der Tiere schaffen – das haben wir hier besonders toll mit dem 127 Meter langen Höhenpfad realisiert, der einen Perspektivwechsel ermöglicht“, beschreibt Peter Drecker, Architekt der Anlage. Besucher können von dort aus nun nicht nur die Löwen beobachten, sondern auch die direkten Nachbarn: Giraffen, Strauße und Antilopen. Eine besondere Herausforderung beim Bau war die Tatsache, dass die Löwen vor Ort blieben, berichtet Thorsten Vaupel, technischer Leiter im Zoo Osnabrück: „Wir haben um die fünf Tiere herum gebaut und mussten die Schritte gut vorausplanen. Zunächst wurden der neue Außenbereich sowie der Anbau des Stalls errichtet. Als die Löwen dieses Areal nutzen konnten, überarbeiteten die Handwerker die alte Außenanlage und den alten Innenbereich.“ Vaupel prüfte auch, ob alle Materialen, wie Schieber, Riegel und Zäune „löwensicher“ sind.

Bauarbeiten mitten im Zoo eine Herausforderung

Die Raubkatzen fanden die Bauarbeiten sehr spannend und sie beobachteten die Handwerker sehr genau. Wie ihnen das neue Zuhause gefällt, berichtet Tierpflegerin und Revierleiterin Kerstin Seifert: „Die Löwen sind trotz ihrer Stärke bei Veränderungen sehr vorsichtig. Aber inzwischen gefällt ihnen insbesondere die neue Außenanlage sehr gut, da diese weniger Gefälle hat und mehr Komfortplätze mit Schatten und Sand anbietet. Gerade der betagte Nakuru liegt gerne im Sand.“ Doch die Durchgänge zwischen neuer und alter Außenanlage seien den Großkatzen noch nicht geheuer. „Inzwischen haben sie sich schon ein wenig mehr daran gewöhnt, aber sie liegen in ihrem neuen alten Bereich immer noch gerne eng beieinander – falls doch etwas passieren sollte“, schmunzelt Seifert. Die Anlage musste vergrößert werden, da sie gemäß des Säugetiergutachten zu klein geworden war, erläutert Andreas Wulftange, zoologischer Leiter: „Insbesondere die Stallungen waren zu klein geworden und auch die Außenanlage hätte über kurz oder lang nicht mehr gereicht. Mit dem neuen Bereich ist nun auch wieder Löwennachwuchs möglich, allerdings ist unser aktuelles Rudel zu alt dafür. Aber in Zukunft ist das eine schöne Option.“ Damit sich die Löwen in ihrem erweiterten Areal wohlführen, gibt es auf der neuen Anlage eine Höhle mit Fußbodenheizung und Wärmestrahlern für kühleres Wetter, verschiedene Untergründe wie Sand und Gras oder auch einen Bachlauf, in dem sich die Löwen an heißen Tagen die Füße etwas abkühlen können. Der täuschend echt anmutende 10 Meter hohe und vier Meter breite Baobabbaum ist nicht nur zur Zierde dort, sondern auch zur Beschäftigung der Tiere: „An ihm können die Tierpfleger Fleisch in die Höhe ziehen, sodass die Tiere ihr Futter erarbeiten müssen“, berichtet Wulftange.

Projekt „Mapungubwe“ für insgesamt 4,5 Millionen Euro realisiert

3 Millionen Euro hat der neue Löwenbereich gekostet, der mithilfe einer mehrgleisigen Strategie finanziert werden konnte, wie Geschäftsführer Andreas Busemann erläutert: „Zur Löwenanlage ‚Mapungubwe‘ gehört auch die Nashornanlage. Diese haben wir bereits 2018/2019 umgebaut. Das Gesamtprojekt ‚Mapungubwe‘ hat 4,5 Millionen Euro gekostet und wurde mit einer Million Euro von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über die N-Bank gefördert. Zusätzlich haben wir Spenden von der Sparkasse Osnabrück erhalten, sowie 500.000 Euro Spenden durch den Verein ‚Löwen für Löwen‘ und nutzen einen Kredit.“ Da der Zoo Osnabrück sich so gut wie komplett selbstständig finanziert, sucht der Geschäftsführer immer wieder nach kreativen Ideen für Sponsoring und Fundraising. „Auch Firmen konnten für die Löwen aktiv werden und Löwenpakete mit verschiedenen Gegenleistungen wie Tickets oder Teilnahme an unsere Löwenmahlzeit erhalten. Firmen nutzen den Zoo gerne für ihre Mitarbeiter- oder Kundenbindung.“

Für die Löwen Nakuru, Shaba, Mahiri, Kipangi und Amani hat sich der Einsatz aller Löwenfreunde auf jeden Fall gelohnt. Sie haben nun auf über 2.000 Quadratmeter Außenfläche fast drei Mal so viel Platz wie vorher.

 

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