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Osnabrück
Freitag, April 16, 2021

Umweltforum: Trainingszentrum in der Gartlage nicht genehmigungsfähig

„Die Stadt Osnabrück muss sich endlich der Realität stellen“

Nach Einsicht in das lange erwartete artenschutzrechtliche Gutachten und einem ersten sehr offenen und respektvollen Austausch mit der Vereinsspitze des VfL Osnabrück kommt das Umweltforum Osnabrücker Land zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben nach derzeitigem Planungsstand nicht genehmigungsfähig ist.

(Erinnert sei an dieser Stelle an den Kommentar von Ines Prehn in der OR vom 7. März: Keine erwiderte Liebe für die Pläne zur Gartlage)

„Bereits im April 2020 hatten wir allen Beteiligten gegenüber deutlich gemacht, dass es erhebliche artenschutzrechtliche Bedenken gegen den Standort in der Gatlage gibt. In dieser Einschätzung werden wir jetzt nach Studium des Gutachtens ausdrücklich bestätigt. Es ist nicht damit getan, ein paar Nisthilfen aufzuhängen und die Welt damit für in Ordnung zu erklären“, heißt es in einer Presseerklärung des Dachverbandes der Osnabrücker Umweltverbände, der über 5.000 Mitglieder aus 16 Einzelverbänden vertritt. Das hätten Gerichte in der Vergangenheit immer wieder klar gestellt, so jüngst der Europäische Gerichthof (EuGH) in einem vergleichbaren Fall am 04.03.2021. Im Detail gehe es daher um eine Alternativenprüfung, die allein rein rechtlich zwingend erforderlich sei, aber bis heute nicht ernsthaft stattgefunden habe.

Was auch gar nicht gehe, sei das scheibchenweise Vorgehen: Erst werde von privater Seite zufällig da wertvoller alter Wald gerodet, wo später die VfL-Anlagen entstehen sollen. Damit das möglich wird, solle eine Genehmigung für die Waldumwandlung nachgeholt werden, um dann später, nachdem die wertvollsten Gebietsteile bereits irreversibel beschädigt sind, den Rest im Rahmen eines neuen Bebauungsplanes auf den Weg zu bringen. „Wir erwarten von der Stadt eine Planung mit offenen Karten, bei der das Gesamtvorhaben betrachtet und von der Öffentlichkeit bewertet werden kann.“

Scharfe Kritik übt das Umweltforum erneut am Osnabrücker Oberbürgermeister und den Ratsfraktionen von CDU und SPD. „Hier wurde in der Vergangenheit so getan, als sei das Vorhaben bereits in trockenen Tüchern und könne zeitnah umgesetzt werden. Das ist keineswegs der Fall!“

Derzeit würden nämlich noch nicht einmal die vorgelegten Bestandserfassungen zur Tierwelt den Anforderungen an die gute fachliche Praxis gerecht.

Der Verband erinnert in seiner Mitteilung daran, dass man bereits im April 2020 in der Sache den Kontakt zur Stadtspitze gesucht habe. Außer einer „höflichen Bitte um Geduld“ vom 7. Mai 2020 kam von dort bis heute keinerlei Rückmeldung. Die Fakten zur ökologischen Wertigkeit des Geländes liegen seit 2019 vor und wurden bis heute auch auf mehrfache Nachfrage seitens der Stadt nicht öffentlich gemacht. Erst über den VfL als Vorhabenträger habe man nähere Informationen erhalten.

„Die Heimlichtuerei und Falschinformation der Öffentlichkeit durch die Stadtspitze rächt sich jetzt“, betont Andreas Peters, der 1. Vorsitzende und warnt erneut vor möglichen nicht unerheblichen zeitlichen Verzögerungen durch eine im Raum stehende gerichtliche Klärung. „Mit den ehemaligen Kasernenflächen am Limberg liegt eine echte und ökologisch recht unkritische Alternative vor, denn dort handelt es sich um bereits vorgenutzte Flächen, die aus Naturschutzsicht unproblematisch sind. Wenn seitens der Politik mit planungsrechtlichen Hindernissen argumentiert wird, ist jetzt Kreativität gefragt, denn diese sind mit Sicherheit leichter auszuräumen, als die naturschutzrechtlichen Hindernisse in der Gartlage“, heißt es abschließend.

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