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Donnerstag, Februar 25, 2021

Lars Mosel: Gedanken zum 78. Todestag von Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst

Am 22.02.1943 wurden die ersten Mitglieder der Weißen Rose durch die Nationalsozialisten hingerichtet.

Nur vier Tage nach der Verhaftung wurden Sophie Scholl (21 Jahre), Hans Scholl (24 Jahre) und Christoph Probst (23 Jahre) vom „Blutrichter“ Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.
In der Urteilsbegründung wird die Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat genannt.

Die Weiße Rose, eine von Studentinnen und Studenten dominierte und sich hauptsächlich auf christliche und humanitäre Werte berufende Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus entstand auf Initiative des Freundeskreises um Hans Scholl und Alexander Schmorell im Juni 1942.

Foto: Gryffindor / wikipedia

Die Gruppe verfasste, druckte und verteilte insgesamt sechs Flugblätter mit einer Auflage von bis zu 9.000 Exemplaren – zunächst in München und später hauptsächlich im süddeutschen Raum. Kern dieser Flugblätter war die Aufklärung über die Verbrechen des Nationalsozialismus und der Aufruf zum Widerstand gegen die Nazidiktatur.

Seit meiner Jugend beschäftige ich mich mit dem Leben und Wirken der Mitglieder der Weißen Rose und kann nur jedem empfehlen, sich mit diesem Thema eingehender auseinanderzusetzen. Sehr viele verschiedene Publikationen und der Abdruck der Flugblätter geben dabei einen guten Einblick.

Die Beweggründe, Vorgehensweisen und auch die, bis heute noch als völkerrechtlich rechtswidrig geltenden Todesurteile, zeigen einerseits die Gefährlichkeit des Lebens im faschistischen Deutschland andererseits aber auch die Vorgehensweise des Regimes, dem keinerlei Rechtsstaatlichkeit zugrundelag. Glücklicherweise befinden wir uns heute in einer komplett anderen Zeit. Gleichgeschaltete Gerichte, schnelle Urteile ohne Berufungsmöglichkeiten, Prozesse und Urteile ohne die Anwesenheit von Zuschauern und Medien sind heute in Deutschland nicht vorstellbar.

Wir sollten deshalb niemals vergessen, dass Menschen wie die Mitglieder der Weißen Rose unter ständiger Lebensgefahr für unveräußerliche Menschenrechte eingetreten sind und dafür vom Naziregime ermordet wurden.

Für mich ist der 22.02. immer ein wichtiger Tag im Jahr, der mich daran erinnert, was Courage und Widerstand bedeuten. Deshalb lassen mich auch die derzeit immer häufiger auftretenden Kommentare im Internet über eine angeblich in Deutschland herrschende Diktatur fassungslos zurück, vor allem die kürzlich gezogenen Vergleiche mit Anne Frank oder Sophie Scholl. Wenn jemand offen auf einer Demo behauptet, sie fühle sich wie Sophie Scholl, die mit 21 Jahren aufgrund Ihrer Meinungsäußerungen hingerichtet wurde, dann ist das nur noch abscheulich und an Dummheit und Geschichtsfälschung kaum zu überbieten.

Die Mitglieder der Weißen Rose sind bis heute Vorbilder für alle Menschen, die aufgestanden sind, sich einem verbrecherischen Regime zu widersetzen!

Aus dem Flugblatt IV:
„Aber aus Liebe zu kommenden Generationen muß nach Beendigung des Krieges ein Exempel statuiert werden, daß niemand auch nur die geringste Lust je verspüren sollte, Ähnliches aufs neue zu versuchen. Vergeßt auch nicht die kleinen Schurken dieses Systems, merkt Euch die Namen, auf daß keiner entkomme! Es soll ihnen nicht gelingen, in letzter Minute noch nach diesen Scheußlichkeiten die Fahne zu wechseln und so zu tun, als ob nichts gewesen wäre!“

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