Dienstag, 16. August 2022

Judith Kessler erinnert an den Priester Franz Dionysius Reinisch, der heute vor 119 Jahren geboren wurde

„Man würde ja einem Verbrecher einen Eid geben …“

Franz Reinisch *1. Februar 1903 – war der einzige Priester, der sich geweigert hat, den Fahneneid auf Hitler zu leisten, auch noch, als er damit sein Todesurteil hätte abwenden können …

„Den Eid, den Soldateneid* auf die nationalsozialistische Fahne, auf den Führer, darf man nicht leisten. das ist sündhaft. Man würde ja einem Verbrecher einen Eid geben.“ Tischgespräch 1939

„Ich weiß, dass viele Geistliche anders denken als ich; aber sooft ich auch mein Gewissen überprüfe, ich kann zu keinem anderen Urteil kommen. Und gegen mein Gewissen kann und will ich mit Gottes Gnade nicht handeln. Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten (…) Es muss Menschen geben, die gegen den Missbrauch der Autorität protestieren; und ich fühle mich berufen zu diesem Protest.

(…) Drei Gründe bestimmen mich dazu:

(…) weil die Kirche heute Freiwild geworden; siehe Hirtenbriefe der letzten Jahre, ferner „mit brennender Sorge“, endlich die praktische Ausweitung der Verfolgung.

  1. b) es geht um das Prinzip: „das Christentum ist der nordischen Rasse artfremd, ferner veraltet, endlich staatsfeindlich“, zu überwinden.

(…) die gegenwärtige Regierung ist keine gottgewollte Autorität, sondern eine nihilistische Regierung, die ihre Macht errungen hat durch Gewalt, Lug und Trug!

(…) das NS-Prinzip „Gewalt geht vor Recht“ zwingt mich in die Notwehrstellung. Es gibt für mich daher keinen Eid der Treue auf eine solche Regierung. „Mit Vorbehalt“ den Eid abzulegen, muss ich nicht und will ich nicht! (…)“ Gefängnistagebuch 25. Juni 1942

„Ich brauche nur Ja zu sagen zum Fahneneid, und sofort wäre alles anders, und doch halte ich unbeugsam daran fest, dass es der Wunsch und Wille Gottes ist, dass ich freiwillig den Tod auf mich nehme als Gabe und Aufgabe zugleich.“ 5. Juli 1942

Am 7. Juli 1942 wird Franz Reinisch zum Tode verurteilt, am 21. August um 5.03 Uhr das Urteil im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil vollstreckt.

[Fahneneid in der Fassung 1934-45: „Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des deutschen Reiches und Volks, Adolf Hitler, dem obersten Befehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jeder Zeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“]

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