Freitag, 23. Februar 2024

Judith Kessler erinnert an Pierre Péteu, der heute vor 128 Jahren geboren wurde.

Pierre Péteu, *30. März 1895
Der promovierte französische Kapuziner-Priester Marie-Benoît hat tausende Juden vor der Deportation bewahrt

Als Italien Frankreich im Juni 1940 den Krieg erklärte, verließ Marie-Benoît Rom und baute in Marseille, schockiert von der Aussage Mussolinis, Juden würden nicht zur italienischen Rasse gehören, mit Gleichgesinnten ein Netzwerk auf, das Flüchtlinge beherbergte, falsche Papiere besorgte und Bedrohte in unbesetzte Gebiete, nach Spanien und in die Schweiz schleuste. Im Wartezimmer seines Klosters habe es vor Menschen gewimmelt, heißt es, und die Druckerei im Klosterkeller habe tausende gefälschter Taufscheine gedruckt.

Als Südfrankreich im November 1942 besetzt wurde und die Grenzen immer schwieriger zu überschreiten waren, begann Pater Benoit, in Nizza die Überführung von Juden in die italienische Besatzungszone zu organisieren.

Im April 1943 traf er sich mit Papst Pius XII und legte einen Plan vor, Juden in Nizza über Italien nach Nordafrika zu bringen; doch die Deutschen besetzten Norditalien und die von Italien besetzte Zone Frankreichs und französische Deserteure verrieten den Deutschen das Hilfsnetzwerk. etliche Festgenommene wurden in den letzten Zügen nach Auschwitz verfrachtet. Der Priester entging ihnen und wurde nach Rom zurückbeordert.

Dort schloss sich Père Marie-Benoît (hier Padre Bendetto genannt) der „delegazione per l’assistenza degli emigranti ebrei“, einem jüdischen Rettungswerk an. Dessen Treffen fanden von da an im Kapuzinerkollegium in Rom statt. Pater Benoit kontaktierte die schweizerischen, rumänischen, ungarischen und spanischen Botschaften und erhielt wichtige Asyldokumente, die es Juden ermöglichten, sich unter falschem Namen frei zu bewegen. Bis zur Befreiung Roms am 4. Juni 1944 war er ständig unterwegs, um Klostervorsteher zu überreden, die Illegalen aufzunehmen, Juden von einem Unterschlupf zum anderen zu bringen, Medikamente, Lebensmittelkarten und Geld zu beschaffen …

Père Marie-Benoît starb mit 94 Jahren in Angers in einem Altersheim der Kapuziner. Während er von Franzosen, Italienern und Amerikanern hoch geehrt und von Yad Vashem zu einem Gerechten unter den Völkern ernannt wurde, soll er bei seinen Vorgesetzten und im Vatikan wegen seiner Aktivitäten im Krieg nicht sonderlich beliebt gewesen sein.

Judith Kessler
Judith Kessler
Judith Kessler ist Sozialwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin mit den Schwerpunkten jüdische Migration, Gegenwartskultur und Biografieforschung.
spot_img
spot_img
spot_img
spot_img
Follow by Email
Facebook
Youtube
Youtube
Instagram
Spotify