22.5 C
Osnabrück
Samstag, Juni 19, 2021

Der VfL kann sich nach der 3:0-Niederlage in Ingolstadt auf die 3. Liga vorbereiten

Der VfL verliert nach einer desaströsen Leistung verdient mit 3:0 beim FC Ingolstadt und dürfte sich aus der 2. Bundesliga verabschiedet haben.

Vor dem Spiel

Alle Diskussionen alle Progonosen sind nun nur noch Schall und Rauch. Es geht darum, in 180 Minuten das bessere Team zu küren. Das xte Endspiel zum Ende dieser Saison wurde am Sonntag in Aue in den Sand gesetzt. Also auf zum nächsten Endspiel nach Ingolstadt  vor 250 und dann zum Endspiel aller Endspiele am Sonntag in Osnabrück vor immerhin 2.000 zugelassenen Zuschauer*innen.
Der VfL stellte sich in der gesamten Endphase der bald vergangenen Saison launisch wie eine Diva an, sodass jede noch so unglaublich erscheinende Prognose vor einem Spiel zutreffen kann. Die beispiellose Rückrundenbilanz mit dreizehn Heimniederlagen in Folge brachte den VfL letztendlich in die prekäre Situation und selbst die Wettanbieter haben den Drittligisten aus Ingolstadt zum 55-zu-45-Relegationsfavoriten gekürt.

Zurück zur Realität:

Sowohl der FC Ingolstadt als auch der VfL Osnabrück sind keine Relegationshelden. Die „Schanzer“ nehmen sogar zum dritten Mal in Folge an der Relegation zwischen der 2. Bundesliga und der 3. Liga teil. Auch der VfL kennt sich mit dem Prozedere aus, hat allerdings eine noch schlechtere Bilanz als die Ingolstädter, die sich immerhin 2010 als Drittligist nach zwei Siegen souverän mit 3:0 gegen Hansa Rostock durchsetzten. In den vergangenen beiden Jahren scheiterten die Schanzer jedenfalls an der Auswärtstorregel.
Der VfL war bislang dreimal in der Relegation dabei und scheiterte 2009 gegen den SC Paderborn und 2011 und 2013 gegen Dynamo Dresden. Und was heißt das für die kommenden beiden Spiele?
Richtig, rein gar nichts.

Vor dem Spiel herrschen um das Stadion herum „kriegsähnliche Zustände“, als ein, zwei Dutzend Ingo-Knallfrösche Pyros abfackeln.

Beim VfL gibt es gegenüber der Niederlage in Aue nur die erwarteten Veränderungen: Taffertshofer steht nach seiner Gelbsperre für Blacha in der Startelf und der genesene Beermann für Gugganig.

Bei den Ingolstädtern läuft nach der Partie gegen 1860 der ebenfalls zuvor gelbgesperrte Bilbija für Elva auf.

Beginn

Schiedsrichter Sascha Stegemann aus Niederkassel pfeift bei vierzehn Grad und bedecktem Himmel an. Draußen werden ein paar Knallkörper gezündet.
Die Ingolstädter erhalten in der zweiten Minute einen Eckball, nachdem Trapp zuvor Kutschke abgegrätscht hat. Die Ecke von Stendera wird von Krauße per Kopf auf Schröck weitergeleitet, der den Ball aus wenigen Metern mit dem rechten Fuß im Netz versenkt. Es steht 1:0 für Ingolstadt, was für ein mieser Auftakt für den VfL.
Danach passiert erst einmal nicht viel Aufregendes, sieht man von einem Ingolstädter Konter in der 11. Minute über Heinloth und Bilbija ab, bei dem letztendlich Kutschke den Ball nur knapp verpasst.
In der 13. Minute die erste Torchance für den VfL, als Wolze aus spitzem Winkel von links aufs Tor schießt
.

Foto: Revierfoto

Nach einer Viertelstunde …

… erscheint das Spiel etwas ausgeglichener, zumal sich der VfL nun mehr aufs Angreifen besinnt. Wirkliche Torchancen haben aber nur die Ingolstädter und in der 19. Minute fällt fast das 2:0, als Kaya von Krauße angespielt wird, Trapp stehenlässt und abzieht, aber der Ball geht rechts am Tor vorbei.
Der VfL hat sogar mehr Ballbesitz, macht aber nichts daraus. Alle Aktionen der Ingolstädter wirken konsequenter und ein zweites Tor für die Hausherren liegt in der Luft. Immer wieder Chancen durch Kutschke, Kaya und Bilbija und die Osnabrücker Abwehr gerät von Minute zu Minute mehr ins Schwimmen.
Dann das 2:0 mit Ansagen: Kutschke setzt Bilbija ein, der nach Doppelpass mit Gaus von der Grundlinie aus die Kugel in den Torraum schlägt, wo Kaya vor Ajdini an den Ball kommt und ihn im Tor versenkt.

Foto: Revierfoto

Die Ingolstädter sind einfach viel lebendiger und entschlossener als der VfL und hätten sogar in der 42. Minute das 3:0 erzielen können, als der Ball nach einem Klärungsversuch von Wolze bei Kaya landet, doch der Abpraller kann von Kühn entschärft werden.

Halbzeitfazit

Der FC Ingolstadt führt verdient mit 2:0. Die Osnabrücker hatten nach dem 1:0-Rückstand ein kurze Phase, in der sie zwar das Spiel bestimmten, aber nie eine zwingende Torchance erzielten. Die Schanzer gingen vom Anpfiff an viel entschlossener in die Partie und es kann einem angst und bange werden um den VfL, wenn in der zweiten Hälfte keine eklatante Steigerung gelingt.
 

Tipp: Die Halbzeitgedanken sind eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig oder gar zu informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:
Den FC Ingolstadt 04 gibt es erst seit 2004 durch die Ausgliederung der Fußballabteilungen der Vereine MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt, ist also ein auf dem Reißbrett zusammengeflicktes Kunstprodukt. Der Verein hat heute 2.350 Mitglieder und die Fußballfirma spielt im 2010 eröffneten
Audi-Sportpark. Schöne neue Fußballwelt.

Nicht ganz abwegige Halbzeitgedanken:
Ingolstadt
hat knapp 140.000 Einwohner.
Seit dem 01. Mai 2020 heißt der Oberbürgermeister Dr. Christian Scharpf (SPD).
Die Wahlen zum Stadtrat im März 2020 gingen folgendermaßen aus:

Abwegige bis abscheuliche Halbzeitgedanken:
Sieht man von den Audi-Werken an, ist Ingolstadt eigentlich zumindest im Altstadtbereich ganz gut gelangen. Mit dem Kabarett bin ich immer in der Kleinkunstbühne „Neue Welt“ aufgetreten. Ein uriger Laden mit dam Wirt Walter Haber, der über die Jahrzehnte zum Freund wurde. Er hatte schon vor etlichen Jahrzehnten Konzerte mit meiner Rockband veranstaltet.
Untergebracht war ich als Kabarettist, ob als Ensemblemitglied von der „Spvgg. Turn & Taxis“ oder später als Solist, in einem Hotel unweit der Neuen Welt. Viel mehr asl dieses Hotel und die Kleinkunstbühne habe ich von Ingolstadt nie kennengelernt, zumal wir in der Neuen Welt zumeist noch bis in den frühen Morgen hinein gelabert und Whisky gesoffen haben.
Eines Abends blieb ich im Flur vor einer Ehrentafel stehen, auf der mit Stolz auf all die einstigen Ehrengäste in diesem Haus hingewiesen wurde. Als ich „Heinrich Himmler“ las, ging ich sofort ins Bett, und schaute mir das Ganze am nächsten Tag durch zusammengekniffene Augen hindurch nüchtern an. Dort stand immer noch „Heinrich Himmler“. Das Hotel gibt es nicht mehr, Heinrich Himmler auch nicht.

Der VfL wechselt zur zweiten Hälfte … 

… nicht. Offenbar ist der Trainer mit der Leistung in der ersten Hälfte zufrieden, zudem dürfte Santos ohnehin noch Luft für 90 Minuten haben.
Tatsächlich kommt der VfL ganz ordentlich in die erste Halbzeit und startet ein paar gefällige Angriffe, die allerdings allesamt aufgrund grassierender Harmlosigkeit im Nichts verpuffen, sieht man von einem 18-Meter-Schuss von Ludovit Reis in der 52. Minute ab, der rechts über das Tor geht. Ein Schuss von Multhaup landet mehr oder weniger direkt beim Torwart.
Frage: Wieso kommt Marc Heider eigentlich nicht aufs Feld? Einer, der sich den Arsch aufreißt und für Umbruchstimmung sorgen könnte …

Nach 60 Minuten …

… hat Ingolstadt das Spiel wieder fest im Griff, das Aufflackern des VfL war von kurzer Dauer und das 3:0 für Ingolstadt scheint wieder wahrscheinlicher als ein Anschlusstreffer seitens der Lila-Weißen in gelben Trikots. In der 67. Minute kommt dann (endlich) Marc Heider ins Spiel, für ihn geht Multhaup raus. Der VfL wirkt nun entschlossener in der Vorwärtsbewegung, aber die Ingolstädter stören den Spielaufbau der Osnabrücker schon weit vor dem Strafraum. Lediglich ein 25-Meter-Fernschuss von Kerk ruft einen Hauch von Gefahr hervor.
In der 72. Minute kracht ein Schuss von Franke gegen die Latte, nachdem er Amenyido mit nicht ganz lauteren Mitteln den Ball am linken Strafraumeck abgenommen hatte. 
Der VfL versucht nun immerhin, das dringend erforderliche Auswärtstor zu erzielen und die Ingolstädter zeigen in einigen Aktionen sogar leichte Schwächen.

Foto: Revierfoto

Schwere Schwächen zeigt dagegen der VfL: Kerk verliert den Ball in der Hälfte der Ingolstädter durch einen völlig unnötigen Fehlpass, Stendera schlägt einen langen Pass über 50 Meter in Richtung Osnabrücker Tor, Beermann grätscht aus unerfindlichen Gründen ins Leere und der aufmerksame Ayensa stürmt allein aufs Tor zu und lupft den Ball über Kühn hinweg ins lange Eck. 3:0 für die Hausherren.
Der VfL bringt nichts mehr zustande, wirkt verkrampft und kann sogar von Glück reden, kein viertes Tor kassiert zu haben. 

Fazit:

Der VfL verliert nach einer desaströsen Leistung verdient mit 3:0 beim FC Ingolstadt und dürfte sich aus der 2. Bundesliga verabschiedet haben. Zu einer fairen Einschätzung ist der Autor dieser Zeilen aufgrund des tief sitzenden Frusts derzeit nicht in der Lage und beendet hiermit die Berichterstattung bis zum kommenden Sonntag. Tatsächlich hat ein solcher VfL Osnabrück in der besten zweiten Liga aller Zeiten rein gar nichts verloren.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer*innen: 250

Tore:
1:0 Schröck (2.)
2:0 Kaya (35.)
3:0 Ayensa (81.)

Gelbe Karten:
(12.) Kaya
(49.) Heynoth
(56.) Ajdini
(59.) Beermann

FC Ingolstadt 04:
Buntic – Heinloth, Paulsen, Schröck, Franke – Krauße – Kaya (53. Ayensa), Stendera, Gaus (90. Röhl), Bilbija (83. Elva)- Kutschke (83. Caiuby)
Trainer: Tomas Oral

VfL Osnabrück:

Kühn – Ajdini, Beermann, Trapp, Wolze – Multhaup (67. Heider), Taffertshofer, Reis, Amenyido (79. Schmidt) – Kerk, Santos (86. Müller)
Trainer: Markus Feldhoff

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Statistik:
Insgesamt trafen sich die beiden Clubs seit dem 21. September 2008 sechsmal in Pflichtspielen. Der VfL gewann viermal, Ingolstadt einmal und eine Partie endete unentschieden. Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de“.

Tabellarisches:
Eine Kicker-Formtabelle bleibt uns aus Gründen dieses Mal erspart.

 

Hier geht es zur aktuellen Tabelle der 2. Fußballbundesliga

Über den Autor
Kalla Wefels Saisonrückblick 2019/20 erschien im aufwändigen A-4-Format und ist unter anderem bei Bücher Wenner erhältlich. Dietrich Schulze-Marmeling schreibt in seinem Vorwort: “Herausgekommen ist ein großartiges Saisonbuch. Eigentlich ist es weit mehr als das …” Um die Spielberichte herum ranken sich Reportagen, https://www.buecher-wenner.de/s/details.php?back=S&isbn=9783981780772“Halbzeitgedanken”, Hintergrundberichte, Fankommentare und Kolumnen. 160 Seiten A-4-Format / 12,00 € Kalla saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär.
Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit „Der VfL in der Saison 2019/20“ hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit rund fünfzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Buchautor sowie als Kabarettist und Musiker.

Aktuelle Beiträge

Weitere Beiträge