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Montag, September 20, 2021

Der VfL holt in Braunschweig ein verdientes Unentschieden

Der VfL holt in einem stets spannenden und von beiden Seiten extrem leidenschaftlich geführten Spiel ein verdientes Unentschieden. Das 2:2 entspricht den gezeigten Leistungen beider Mannschaften. 

Vor dem Spiel

„Wir wissen, dass es für uns etwas Besonderes ist, gegen Braunschweig zu spielen und wir spüren den Derbycharakter des Spiels, aber auch am Sonntag geht es nur um drei Punkte“, verkündete Trainer Daniel Scherning auf der PK am vergangenen Freitag. Auch die Mannschaft freue sich auf das Spiel und wolle dort gewinnten, ergänzte Lukas Kunze.

In unserem Podcast gehen wir auf den 3:0-Sieg gegen Viktoria Köln und auf die heutige Partie in Braunschweig ein. 

Beide Zweitligaabsteiger sind mehr oder weniger behäbig in die Saison gestartet, haben aber rasch Schwung aufgenommen und aus den letzten vier Partien jeweils zehn Punkte geholt. Dass die aktuelle Eintracht scherzhaft gern als VfL II bezeichnet wird, verwundert nicht, immerhin mussten sechs ehemalige Osnabrücker – ganz unabhängig von der urbanen Verschlechterung – die einmalige Glutofen-Atmosphäre an der Bremer Brücke mit dem Braunschweiger Leichtathletikstadion an der Hamburger Straße eintauschen: Bryan Henning, Maurice Multhaup, Luc Ihorst, Niko Kijewski, Benjamin Girth, Sebastian Müller. Beide Mannschaften treten gegenüber dem vergangenen Spieltag übrigens mit unveränderter Startfelf an.

Beginn

Schiedsrichter Sven Jablonski aus Bremen pfeift nach einer Schweigeminute für den am Donnerstag im Alter von 74 Jahren verstorbenen Danilo Popivoda an. Bei Temperaturen um die 20 Grad und bewölktem Himmel haben die ganz in Lila gekleideten Osnabrücker Anstoß und es entwickelt sich sofort ein munteres Spielchen.

In der 4. Minute wird Otto von Multhaup am Strafraumrand angespielt und zieht sofort ab. Kühn kann den holprigen Aufsetzer erst im Nachfassen parieren. Es folgt eine Phase etlicher Fehlpässe auf beiden Seiten, die Nervosität scheint groß zu sein.

Dann zwei Riesenchancen: Nikolaou spielt Lauberbach im Halbfeld an, der Zauner auf die Reise schickt, doch den Schuss aus 15 Metern kann VfL-Keeper Kühn reaktionsschnell klären. Und während aus der Gästekurve „Kühn! Kühn! Kühn“ skandiert wird, hat im direkten Gegenzug der VfL die Chance zur Führung: Simakalas abgefälschter Schuss klärt Fejzic im letzten Moment mit einer tollen Parade …

Nach einer Viertelstunde …

… ist das nach wie vor eine extrem muntere Partie, bei der beide Mannschaften mit viel Einsatz, aber oft überhastet agieren. In der 22. Minute wird Simakala nach einem tollen Osnabrücker Angriff über den rechten Flügel von Kunze angespielt, doch er vergibt aus zwolf Metern überhastet. Der VfL kommt nun besser in die Partie und hat eindeutig mehr vom Spiel, während die Braunschweiger eher auf Konter spekulieren.

Die Osnabrücker machen das gut, sind den Gastgebern nun spielerisch überlegen, allein die Torabschlüsse sind noch sehr unpräzise. Nach gut einer halben Stunde schalten beide Teams einen Gang zurück. Nach einem Gelbfoul von Taffertshofer erhalten die Braunschweiger noch einen Freistoß am Strafraumrand, der allerdings in der Osnabrücker Mauer landet. Weitere Angriffe des VfL bleiben recht harmlos. 

Halbzeitfazit

Der VfL macht das bislang gut und ist spielerisch die dominante Mannschaft. Die Angriffe werden zum Teil gekonnt vorgetragen, verpuffen aber zu schnell vor dem Strafraum und hin und wieder wird der besser positionierte Mitspieler nicht gesehen, wohingegen die Konter der Braunschweiger insbesondere in der Anfangsviertelstunde bislang für mehr Torgefahr gesorgt haben.  


Die Halbzeitgedanken erscheinen in dieser Saison nur noch sporadisch, da
die Rundschau nun auch regelmäßig VfL-Heimatabend-Podcasts produziert.

Beide Teams wechseln zur zweiten Hälfte nicht … 

… und die erste wirklich gute Chance hat die Eintracht, als Multhaup vom linken Strafraumeck ungehindert abziehen kann, aber Kühn ist auf dem Pfosten und faustet den Ball aus der Gefahrenzone. Die zweite Halbzeit beginnt zunächst wie die erste Hälfte: Braunschweig ist das aktivere Team mit den besseren Möglichkeiten, aber noch ohne echte Torgefahr. In der 59. ein bärenstarker VfL-Angriff: Sven Köhler lässt mit einem wieselflinken Antritt die halbe Braunschweiger Abwehr stehen, spielt Simakala an, der aber den Ball aus extrem spitzen Winkel nicht mehr richtig verarbeiten kann. 

Nach 60 Minuten …

… steht es dann 1:0 für den VfL. Köhler spielt Opoku an, der weiter auf Heider, der den Ball zum Doppelpass abprallen lässt. Klaas schaltet schneller als Opoku und netzt aus 10 Metern unhaltbar ein.

Und nur fünf Minuten später der Ausgleich: Multhaup wird von Lauberbach in abseitsverdächtiger Position in Richtung Tor geschickt, der Ex-Osnabrücker versetzt Gugganig mit einem einfachen Haken und trifft zum 1:1. 

Danach ist Braunschweig am Drücker und die Abwehr des VfL gerät nun zusehends unter Druck. Und während ich das schreibe, fällt das 2:1 für die Eintracht. Der eingewechselte Exosnabrücker Henning spielt Lauberbach an, der vom linken Strafraumeck aus ins lange Eck trifft.

Dann das 2:2. Traorés Flanke von rechts landet kurz vorm Torraum. Heider löst sich geschickt von seinem Gegenspieler und nickt den Ball unhaltbar ein. Riesenjubel in der Osnabrücker Fankurve. Beide Teams versuchen bis zum Schluss alles, aber es bleibt beim gerechten Unentschieden.

Fazit:

Der VfL holt in einem stets spannenden und von beiden Seiten extrem leidenschaftlich geführten Spiel ein verdientes Unentschieden. Das 2:2 entspricht den gezeigten Leistungen beider Mannschaften und ganz nebenbei ist der VfL zumindest vorläufig auf den dritten Platz vorgerückt.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer*innen: 8.000 davon 550 aus Osnabrück.

Tore:
0:1 Klaas (60.)
1:1 Multhaup (67.)
2:1 Lauberbach (73.)
2:2 Heider (82.)

Gelbe Karten:
(15.) Trapp 
(31.) Kunze
(41.) Taffertshofer
(51.) Wiebe
(56.) Zauner
(78.) Multhaup

Eintracht Braunschweig:
Fejzic – Wiebe, Behrendt, Schultz, Kijewski (89. Kobylanski) – Nikolaou (80. May), Krauße – Zauner (61. Henning), Otto, Multhaup (89. Strompf) – Lauberbach
Trainer: Michael Schiele

VfL Osnabrück:
Kühn – Traoré, Gugganig, Trapp, Kleinhansl – Kunze (63. Traoré), Taffertshofer, Köhler – Klaas (85. Wooten), Heider, Opoku (85. Higl)
Trainer: Daniel Scherning

Schiedsrichter:  Sven Jablonski ( Bremen)

Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs seit dem 30. November 1947 in 76 Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 24:20:32 gegen den VfL. Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de“.

Tabellarisches:
Laut Kicker-Formtabelle spielt der Tabellenführer VfL (3,06) gegen den 4. aus Braunschweig (3,12).

 

Hier geht es zur aktuellen Tabelle der 3. Liga

Über den Autor
Kalla Wefels Saisonrückblick 2019/20 erschien im aufwändigen A-4-Format und ist unter anderem bei Bücher Wenner erhältlich. Dietrich Schulze-Marmeling schreibt in seinem Vorwort: “Herausgekommen ist ein großartiges Saisonbuch. Eigentlich ist es weit mehr als das …” Um die Spielberichte herum ranken sich Reportagen, https://www.buecher-wenner.de/s/details.php?back=S&isbn=9783981780772“Halbzeitgedanken”, Hintergrundberichte, Fankommentare und Kolumnen. 160 Seiten A-4-Format / 12,00 € Kalla saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär.
Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit „Der VfL in der Saison 2019/20“ hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit rund fünfzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Buchautor sowie als Kabarettist und Musiker.

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