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Osnabrück
Donnerstag, Mai 6, 2021

Der VfL Osnabrück lebt noch und holt in Paderborn einen verdienten Punkt

Der VfL lebt noch und holt in einer denkwürdigen Partie beim SC Paderborn einen verdienten Punkt, wobei der Ausgleich der Paderborner erst in der 90. Minute fiel. Ob dieses Unentschieden noch Gold wert sein wird, weiß man nicht, doch ist dieser Mannschaft in dieser Fassung durchaus ein Sieg gegen Kiel zuzutrauen.

Vor dem Spiel

Dass es in englischen oder besser: in Coronawochen keine PKs vor den Spielen gibt, ist nicht Neues und auch verständlich. Dass aber ein Trainer nach einem verlorenen Spiel in der PK sitzt und meint, nichts zur soeben erlittenen Niederlage sagen zu müssen, ist zumindest gewöhnungsbedürftig.
Unsouveräner kann ein Trainer nicht auftreten, lieber Markus Feldhoff, zumal doch der Lehrsatz „immer mehr Professionalität entwickeln“ beim VfL seit Schmedes‘ Zeiten die Runde macht. Das Vorgehen bei der Trainerentlassung und -suche, das ebenso amateurhafte Auftreten von Mannschaft und Trainerteam in den vergangenen Wochen kann damit jedenfalls nicht gemeint gewesen sein.
Egal, niemand verliert extra, niemand macht absichtlich Fehler. Wachsende Verunsicherung führt zu weiteren Fehlern. Ich warte noch immer auf den Ruck, der durch die Mannschaft geht und die Spieler mit blutunterlaufenen Augen zum größten HAKA aller Zeiten animiert. Und wenn euer Trainer das nicht schafft, dann macht es eben alleine.

Noch besteht eine mehr als reale Chance, wenigstens die Relegation zu erreichen und wer gestern die Braunschweiger in Fürth hat untergehen sehen, der fragt sich, wie die hier den VfL mit vier Toren abrasieren konnten. Aber all das zählt nicht mehr. Guckt euch nur noch die unteren vier Plätze in der Tabelle an. Würzburg könnt ihr streichen, die sind raus aus der Verlosung. Es geht um die Plätze 15, 16 und 17. Sandhausen hat zwar zwei Spiele weniger aber das schwerste Schlussprogramm.

ETB = Aue (H), Düsseldorf (A), Würzburg (H), HSV (A) 
VfL = Paderborn (A), Kiel (H), Würzburg (A), HSV (H), Aue (A)
SVS = HSV (H), Hannover (H), Fürth (A), Kiel (A), Heidenheim (A), Regensburg (H) Bochum (A)

Sollte der VfL heute gewinnen, ist noch alles möglich. Verliert er, geht es wohl nur noch mit Glück um die Relegation, aber immerhin um eine 50/50-Chance.

Zurück zur Realität:
Bei Paderborn steht Maximilian Thalhammer für Antwi-Adjei in der Startelf.
Beim VfL werden Heider, Wolze und Multhaup sowie der verletzte Reich durch Gugganig, Taffertshofer, Reichel und Santos ersetzt. Also wurde wieder einmal kräftig durchgewechselt. 

Ein letztes Ritual vor dem Anpfiff

Beginn

Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck aus Freiburg pfeift bei noch recht erträglichen Temperaturen an. Anstoß hat der ganz in Schwarz angetretene SC. Der VfL in Signalgelb spielt in Richtung der berstendleeren Paderborner Fantribüne.
Beide Teams zunächst mit verhaltentem Beginn, doch nach wenigen Minuten dominieren die Schwarzen das Spiel. In der 7. Minute eine Riesenchance für Paderborn: Bryan Henning spielt halbhoch auf Sven Michel der den Ball direkt volley aus 22 Metern auf den zweiten Pfosten zieht. Kühn kann mit einer Glanzparade klären.
Der VfL nimmt nun mehr am Spiel teil und
kommt nun selbst zu einigen Angriffen.

Nach einer Viertelstunde …

… steht es 1:0 für den VfL. Blacha erhält den Ball nach einem Flankenwechsel von Reichel und schlägt eine Flanke auf den zweiten Pfosten. Kerks Kopfball kann Zingerle noch abwehren, doch die Kugel landet direkt vor Santos, der keine Mühe hat, zum 1:0 vollstrecken. Das Tor fiel zwar in der 14. Minute, wurde aber erst in der 16. Minute nach Videobefragung gegeben.
Danach wird die Partie etwas hektischer, aber die spielerisch überlegenen Paderborner reagieren im Stil einer Klassemannschft und erzielen wenig später das 1:1. Eine Traumflanke von Thalhammer von der linken Außenbahn landet direkt auf dem Kopf von Srbeny, der ungehindert aus wenigen Metern verwandeln kann.
Der VfL spielt zwar weiter mit und kommt zu gelegentlichen Kontern, doch die spielerische Überlegenheit der zumeist über links kommenden Paderborner ist augenfällig. Dennoch halten die Osnabrücker bislang gut dagegen.
In der 37. Minute pariert der heute sehr sicher wirkende Kühn einen scharfen 18-Meter-Schuss von Führich zur Ecke. Danach passiert bis zur Pause nicht mehr viel, weil es dem VfL gelingt, etwas Ruhe ins Spiel zu bringen. 

Halbzeitfazit

Der VfL kann mit diesem 1:1 zur Pause mehr als zufrieden sein. Paderborn ist zwar das klar spielbestimmende Team, der VfL steht aber hinten recht gut und kommt seinerseits immer wieder zu Gegenangriffen, die allerdings zumeist noch vor dem gegnerischen Strafraum verpuffen.

So voll war das Stadion in Paderborn schon lange nicht mehr.
Tipp: Die Halbzeitgedanken sind eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig oder gar zu informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:
Ders SC Paderborn 07 wurde tatsächlich 1907 gegründet, zumindest einer seiner Vorgängervereine, und hat heute gut 9.000 Mitglieder.
Seit 2008 spielt die – mittlerweile ausgegliederte – Profimannschaft in der Benteler Arena, die als reines Fußballstadion konzipiert und mit seiner merkwürdigen Optik äußerst gewöhnungsbedürftig ist.
Die 15.000 Plätze verteilen sich auf 9.200 Steh- und 5.800 Sitzplätze. Um den bekloppten DFL-Auflagen genüge zu tun, wird das Stadon nun umgebaut und die Anzahl der Sitzplätze auf 8.000 Sitzplätze erhöht, weil man wohl dann erst richtig Fußball spielen kann. Kopf —> Tischplatte.

Nicht ganz abwegige Halbzeitgedanken:
Paderborn hat etwas über 150.000 Einwohner Einwohner.
Bei der Kommunalwahl im Herbst 2020 Jahres erhielten die CDU 40,33 %, die Grünen 24,14 %, SPD 12,78 %, FDP 5,67 %, AfD 5,06, Die Linke 4,6 %, DIE PARTEI 2,67 % und die restlichen Prozente verteilen sich auf drei Wählergruppen. Fast genau 95 % wählten also demokratisch.
Oberbürgermeister ist Michael Dreier von der CDU.
Dass Paderborn zum schwarzen Erdteil Deutschlands gehört (fast 60% sind katholisch), ist zwar nicht Neues, erklärt aber so manches Wahlergebnis schon im Vorhinein. Seit einigen Jahren wissen wir, dass es sehr viel Schlimmeres als das gibt.
Abwegige Halbzeitgedanken:
Zu Paderborn fällt mir partout nichts oder zumindest nur sehr wenig ein.
Moment!
Doch … Erwin Grosche kommt aus Paderborn und mit ihm zusammen hatte ich mal einen ganzen Nachmittag beim WDR.

 

Paderborn geht unverändert in die zweite Hälfte … 

 beim VfL ist Jay-Roy Grot für den sicherlich noch nicht ganz fitten Christian Santos ins Spiel gekommen. Kühn feuert noch einmal seine Kollegen an und dann führt Kerk den Anstoß zur zweiten Hälfte aus.
Die Paderborner wollen die Führung. In der 52. Minute steht Michel allein vor Kühn, zögert aber viel zu lange und kann am Abschluss gehindert werden. Der VfL ist nun aber auch seinerseits besser im Spiel und kommt immer wieder insbesondere über links zu einigen Gegenangriffen. 

Nach 60 Minuten …

… ist das Spiel ausgeglichen. der in der Pause eingewechselte Grot muss nach einem harten Einsteigen von Hinrichs gegen Amenyido ausgewechselt werden. Es entwickelt sich ein munteres Spielchen auf beiden Seiten, zwingende Torchancen bleiben allerdings aus. Dem VfL ist anzumerken, dass er mit dem Unentschieden nicht zufrieden ist, was natürlich gegen eine solch ballsichere Mannschaft wie die Paderborner jederzeit die Gefahr birgt, ins Verderben zu laufen.
Es ist viel Bewegung im Spiel, Torchancen sind aber nach wie vor Mangelware. In der 74. und 75. Minute stehen alle 20 Feldspieler zehn Meter vor oder hinter der Mittellinie und das Spiel ist nicht unterbochen, ein merkwürdiger Anblick.
In der 78. Minute kommt es beim VfL zum zweiten verletzungsbedingten Wechsel. Heider steht nun für Bapoh auf dem Platz.
Nach einer kleinen Chance der Paderborner zeigt sich der VfL ungemein mutig, bestimmt von nun an das Spiel und startet einen Angriff nach dem anderen. In der 84. Minute der verdiente Lohn: Amenyido flankt von rechts in den Paderborner Strafraum. Wolze nimmt von links an, spielt nach innen und dort steht Heider frei vor dem Tor und verwandelt zum 2:1. Wem wünscht man diesen Torerfolg mehr?
Und nun geht das große Zittern los, das leider nicht allzu lange andauert. In der 90. Minute erzielt der gerade eingewechselte Kai Pröger das 2:2. Und nach ein paar zerfahrenen Aktionen auf beiden Seiten ist Schluss.

Fazit:

Der VfL lebt und holt in einer denkwürdigen Partie beim SC Paderborn einen verdienten Punkt. Ob der noch Gold wert sein wird, weiß man nicht. Dieser Mannschaft ist in dieser Fassung durchaus ein Sieg gegen Kiel zuzutrauen.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: keine

Tore:
0:1 Santos (14.)
1:1 Srbeny (24.)
1:2 Heider (84.)
2:2 Pröger (90.)

Gelbe Karten:
(43.) Thalhammer
(56.) Gugganig
(58.) Ajdini
(68.) Bapoh
(88.) Antwi-Adjei

SC Paderborn 07:
Zingerle – Ananou (88. Pröger), Nkaka, Schonlau, Collins – Schallenberg – Justvan, Srbeny, Thalhammer (65. Antwi-Adjei) – Führich (65. Ingelsson), Michel (74. Akolo)
Trainer: Steffen Baumgart

VfL Osnabrück:
Kühn – Gugganig, Beermann, Trapp – Ajdini, Taffertshofer, Reichel (62. Wolze) – Henning, Blacha (62. Bapoh / 72. Heider) – Kerk, Santos (46. Grot / 64. Amenyido)
Trainer: Markus Feldhoff

Schiedsrichter: Matthias Jöllenbeck (Freiburg)

Statistik: Insgesamt trafen die beiden Clubs vor dem Spiel 17-mal aufeinander.
Dabei gab es nur vier Siege für den VfL, vier Unentschieden und neun Siege für den SCP. Hier geht es wie immer zur kompletten Statistik von “fussballdaten.de“.

Tabellarisches:
Vor diesem Spiel stand der VfL mit einer Durchschnittsnote von 3,60 auf dem dreizehnten Platz der Kicker-Formtabelle, die Paderborner mit 3,46 auf dem zehnten. Tatsächlich spielte der VfL als Sechzehnter gegen den Neunten aus Paderborn.

 

Hier geht es zur aktuellen Tabelle der 2. Fußballbundesliga

Über den Autor
Kalla Wefels Saisonrückblick 2019/20 erschien im aufwändigen A-4-Format und ist unter anderem bei Bücher Wenner erhältlich. Dietrich Schulze-Marmeling schreibt in seinem Vorwort: “Herausgekommen ist ein großartiges Saisonbuch. Eigentlich ist es weit mehr als das …” Um die Spielberichte herum ranken sich Reportagen, https://www.buecher-wenner.de/s/details.php?back=S&isbn=9783981780772“Halbzeitgedanken”, Hintergrundberichte, Fankommentare und Kolumnen. 160 Seiten A-4-Format / 12,00 € Kalla saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär.
Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit „Der VfL in der Saison 2019/20“ hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit rund fünfzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Buchautor sowie als Kabarettist und Musiker.

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