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Samstag, Oktober 16, 2021

VfL und Stadt Osnabrück: Info-Turbo verknüpft Vereins- und Stadtleben

Premiere mit Chance zum Dauerbrenner?

In der Welt des Stadtmarketings ist das Wort „Alleinstellungsmerkmal“ ein besonders beliebter Begriff. Es bezeichnet ein Angebot, das es nur in einer ganz bestimmten Stadt gibt und in dieser Ausprägung einmalig ist. Ein Event des VfL mit dem eher unscheinbaren Titel „KENNENLERNEN VFL OSNABRÜCK & STADT OSNABRÜCK“ hat jetzt nach seinem Start das Zeug dazu, in den Katalog der „Best-Practice-Beispiele“ erfolgreicher Fan-Arbeit in ganz Deutschland einzugehen.

Völlig neu war das Angebot allerdings nicht. Zum Start der Saison 2009/2010 hatte es eine Gemeinschaftsaktion von SPD-Ratsfraktion (der Autor war seinerzeit verantwortlich), Kalla Wefels Heimatabend und OB Boris Pistorius gegeben. Der auch damals frisch zusammengestellte Kader um Coach Karsten Baumann hatte einen begleiteten Rathaus- wie Innenstadtgang, Teamgeist und „Stadtgefühl“ erleben dürfen, feierte Pokaltriumphe gegen den HSV und Borussia Dortmund – und war tatsächlich zum Saisonende spektakulär in die 2. Liga aufgestiegen.

Im Grunde genommen gestaltete sich der nun massiv erweiterte Programmablauf wie eine Spezialvariante eines Speed-Datings. Wie bringt man die „Partnership“ zwischen Stadt und VfL am besten zusammen? Die Grundregel des Spiels war simpel: An verschiedenen Stationen der „Bremer Brücke“ und danach in der City wurde Kickern, Trainern, Funktionsträgern und Mitarbeitenden an markanten Lokalitäten Club- und Stadtgeschichte pur präsentiert. Dreieinhalb Stunden verloren trotz ihrer Fakten- und Anekdotenfülle nie einen hohen Unterhaltungs- wie Erkenntniswert. Trainer Daniel Scherning durfte sich auch in der demonstrierten Disziplin über einen vortrefflichen Konditionsstand seiner Kicker freuen.

Das Spektrum der Angebote begann an einzelnen „Stationen“ mit Histörchen der VfL-Legende Lothar Gans und setzte sich fort über Einblicke in kreative Fanarbeit von der „Brigade Nord“ (Nico Dürkop), der „Violet Crew“ (Jörn Brauer & Tobias Rothe) und der Fanabteilung (Thomas Kessen & Michael Stredelmann). Abgeschlossen wurde der Rundgang durch Lebensläufe des Alt-Internationalen Hannes Haverkamp bis hin zum tragischen Schicksal des VfL-Funktionärs Felix Löwenstein, der seinen Tod 1945 in einem Konzentrationslager der Nazis fand. Heiko Schulze und David Kreutzmann vom VfL-Bündnis „Tradition lebt von Erinnerung“ waren es, die somit auch dunkle Punkte der VfL-Historie nicht verschwiegen. Dass die Arbeit des Bündnisses vor knapp zwei Jahren mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet worden war, nahmen insbesondere neue Kicker der Lila-Weißen neu und mit großem Respekt zur Kenntnis.

Humoristisch, sportlich wie nostalgisch wirkte eine Wiederauflage des traditionellen Halbzeit-Spaßes „Bierfassrennen“, das von Tim Wiesner und René Flägel in Szene gesetzt wurde. Abgerundet wurde der Abend mit einer kommentierten Stadtrundfahrt im Doppeldecker-Oldtimer samt Rathausbesuch, bei dem sich OB Wolfgang Griesert persönlich als Gastgeber präsentierte.

Die von den VfL-Organisatoren um die Teammanager Julius Ohnesorge und Rene Flägel, die Medienverantwortlichen Sebastian Rüther, René Kemna und Malik Scherz sowie die Fan-Ansprechpartner Werner Nordlohne und Josh Weichert perfekt auf die Beine gestellte Aktion hinterließ nicht nur beim Spielerkader und beim Funktionsteam eine positive Resonanz. Vereinsmanager Michael „Doc“ Welling und VfL-Vize Freddy Fenkes sprachen später einhellig davon, das Event „Club meets Stadt“ zukünftig zu einer Art Jour Fixe zu machen, das von nun an jährlich erwartet werden darf. Gefüttert wurde diese Perspektive durch das Resümee eines bewährten VfL-Kickers, der seinen Eindruck markant aus dem Event auf den Punkt brachte: „Ich bin nun drei Jahre beim VfL, so viel wie heute habe ich über Verein, Bremer Brücke und Stadt leider in drei Jahren noch nicht erfahren.“

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