Der Wahnsinn hat Methode. Der VfL steigt nach 2:1-Sieg in die zweite Liga auf!

Der VfL schlägt in einem unfassbaren und mehr als denkwürdigen Spiel den BVB II, das nach 94 Minuten noch 1:0 für die Gäste stand und erst in den beiden Schlussminuten der Nachspielzeit durch Tore von Simakala und Wulff gedreht wurde. Da der SV Wehen über ein 1:0 gegen den Halleschen FC nicht hinauskam, bedeutet das den direkten Aufstieg in Liga 2.

Zur Information: Hier gibt es stets unsere aktuellen VfL-Podcasts und Kallas Einwürfe rund um die Uhr zu hören. Ansonsten wird der aktuelle VfL-Podcast jeden Donnerstag von 19.00 bis 20.00 Uhr auf OS-Radio 104,8 übertragen und „Kallas Einwurf“ jeden Montag und Freitag mehrmals am Tag.

 

Vor dem Spiel

Mit drei Artikeln nach dem 2:0 Sieg des VfL in Köln hat sich die Rundschau ausgiebig zur aktuellen Situation am heutigen Spieltag geäußert und da alle wissen, worum es heute geht, erspare ich mir weitere Kommentare, die eh nur noch mehr Verwirrung stiften würden. Nur zur Vertiefung: Schon das Erreichen der Relegation wäre eine Sensation.

Der VfL läuft in Bestbesetzung auf. Fertig! Nicht zu vergessen: Robert Tesche kann sich heute selbst das schönste Geburtstagsgeschenk machen, aber auch von der OR unserem Spieler des Jahres einen herzlichen Glückwunsch zum 36. Geburtstag.

Eine unfassbare Atmosphäre herrscht hier heute im und um das Stadion herum. Noch nie war die Brücke so früh voll, noch nie so lila-weiß. Die freudige und zugleich knisternde Anspannung ist förmlich zu spüren.

Noch nie wurde „You’ll Never Walk Alone“ und erst recht nicht „Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück“ so laut und wie aus einer Kehle gesungen, nachdem der Löwenpudel an Gerhild Gierschner  (siehe dazu den Extra-Artikel) verliehen und Marc Heider unter donnerndem Applaus und mit „Marc Heider, Fußballgott!“-Rufen vorzeitig verabschiedet wurde, schließlich sitzt er heute noch auf der Bank.

Alles findet heute mit einer Potenzierung sondergleichen statt. Und selbst die Ostkurve hat offenbar zu viele Rauchtöpfe mitgebracht, so dass eine sicherlich schöne Choreographie zumindest zeitweise hinter einer weißen Wolke gänzlich verdeckt wird.

Was für ein Tag!


Beginn

Schiedsrichter Robin Braun aus Wuppertal pfeift bei fast wolkenfreiem Himmel und Temperaturen um die 20 Grad an. Anstoß hat die in Gelb-Schwarz angetretene Borussia. Der VfL spielt zunächst Richtung Gästekurve, die heute wie das ganze Stadion komplett in Lila-Weiß getaucht ist.

Das Spiel beginnt mit ruhig vorgetragenen Angriffen des VfL, doch die ersten große Möglichkeiten haben die Borussen, die mit ihren schnellen Vorstößen viel zu leicht vor das Osnabrücker Tor und zu mehreren Abschlüssen kommen, wobei Eberweins 18-Meter-Schuss durch Kühn mit einer Glanzparade zur Ecke geklärt werden kann.

Nach dieser für ihn kritischen Anfangphase kommt der VfL allmählich besser ins Spiel und zu einigen Angriffen, wobei sich insbesondere Niemann mit seiner Schnelligkeit auszeichnet,


Nach einer Viertelstunde …

… ist der VfL am Drücker. Nach einer Flanke von Tesche, bekommt Papadopoulos den Arm an den rechten Unterarm, der Pfiff bleibt aber aus. In der 2- Liga wäre der Elfmeter gegeben worden.

Und schon sind die Dortmunder wieder am Ball und erarbeiten sich viel zu leicht gleich mehrere Großchancen. Erst scheitert Tattermusch mit einem 20-Meter-Schuss, den Kühn zur Ecke klären kann, und dann landet Michels Ecke bei Dams, der haarscharf über die Latte köpft.

Ein Spiel, das rein optisch zwar auf Augenhöhe stattzufinden scheint, doch haben die Dortmunder bislang die klar zwingenderen Chancen.

Sehr schönes abwechselndes Schaleschwenken im Stadion lenkt vom wenig Mut machenden Geschehen auf dem Rasen ein wenig ab und wirkt beruhigend. In der 32. Minute gibt es nach einem fragwürdigen Foul an Njinmah einen Freist0ß aus 24 Metern, aber Papadopoulos‘ Schuss stellt Kühn vor keine Probleme.

Nach gut einer halben Stunde ist der VfL wieder etwas besser im Spiel, kommt aber zu keinen zwingenden Chancen. Ganz anders die Dortmunder: Erst beweist Tesche seine Klasse, als er Eberweins Schuss im letzten Moment abgrätscht, und dann erzielt Njinmah durch einen immer länger werdenden Kopfball fast die Führung, der am Ende auf Höhe des zweiten Pfostens gegen die Latte prallt. Was für eine Schrecksekunde!

Wenig später zieht Njinmah aus 18 Metern ab und der Ball landet knapp am linken Pfosten vorbei im Toraus. Der Halbzeitpfiff tut erst einmal dem angespannten Nervenkostüm gut.


Halbzeitfazit

Ein sehr durchwachsenes Spiel des VfL in der ersten Hälfte, bei der die Gäste die eindeutig besseren Chanen hatten und längst in Führung hätten liegen können. Die Zwischenstände der anderen Spiele sind alles andere als erfreulich: Wehen führt 1:0, Saarbrücken 2:1, lediglich bei Dresden gegen Oldenburg steht es 1:1.


Beide Teams wechseln  nicht zur zweiten Hälfte …

… und die Dortmunder erzielen, dem Spielverlauf der ersten Halbzeit entsprechend, nicht ganz überraschend die Führung. Pfannes langer Ball erreicht den bärenstarken Njinmah, Beermann kommt zu spät und der Schuss landet aus halblinker Position im langen Eck. Seine dämlichen Jubelgesten machen Njinmah sicherlich nicht beliebter.

Und nun kann man nur hoffen, dass der VfL endlich aufwacht, zumal er nichts mehr zu verlieren. Das Publikum hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Tobias Schweinsteiger setzt alles auf eine Karte und wechselt in der 59. Minute Marc Heider für Lukas Kunze ein. Alles oder nichts.


Nach 60 Minuten …

… ist das Spiel noch nicht entschieden und nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Dortmunder geben leider auch alles, als gehe es hier und nicht zu Hause um die deutsche Meisterschaft. Riesenaufregegung, als Simakala von Dams im Strafraum klar umgestoßen wird und der Elfmeterpfiff ausbleibt. Für Stimmung ist gesorgt.

Der Schiri ist jedenfalls kein VfLer und glänzt immer wieder durch fragwürdige Entscheidungen, die vor allem gegen den VfL getroffen werden.

Seit der 77. Minute stehen Rorig und Wähling für Traoré und Niemann auf dem Platz und sorgen ein wenig für neuen Angriffsschwung.

Nach einer Kleinhansl-Ecke fast der Ausgleich: Der von Michel abgefälschte Ball kann erst von Özkan auf der Linie geklärt werden. Der VfL bleibt am Drücker und versucht wirklich alles. Traoré verzieht kurz vor dem Tor, Wähling schießt knapp vorbei. Der VfL gibt nicht auf und versucht weiter das Unmögliche möglich zu machen.

In der 85. Minute kommen Wulff und Wiemann für Engelhardt und Köhler ins Spiel. Es gibt sechs Minuten oben drauf, noch einmal keimt etwas Hoffnung im Stadion auf, doch bis weit in die Nachspielzeit hinein geschieht nichts Zählbares.

Dann schlägt Gyamfi einen langen Ball mit Wucht in Richtung Dortmunder Strafraum. Heider legt per Kopf auf Simakala ab, der nicht lange fackelt und mit einem fulminanten Drehschuss in der 94. Minute den Ausgleich erzielt. Es steht 1:1. Das Stadion explodiert, der VfL hat noch zwei Minuten, um das Spiel zu drehen und nach dem soeben erfolgten Abpfiff in Wiesbaden direkt aufzusteigen oder die Saison auf Platz sechs zu beenden.

In der 96. Minute schlägt Gyamfi erneut einen langen Joe-Enochs-Gedächtnis-Ball in Richtung Dortmunder Hälfte. Im Strafraum der Schwarz-Gelben entsteht ein Tohuwabohu, in dem irgendwann Simakala den Ball zu Wulff durchstochert, der sich ein Herz nimmt und aus halblinker Position mit einem wuchtigen Schuss ins lange Eck das 2:1 erzielt.

Das Stadion steht Kopf. Ich habe in über 60 Jahren als aktiver Brückengänger schon viel erlebt, aber diese letzten zwei Minuten lassen alles grandiose Vergangene in diesem Moment eher als eine fast lächerliche Lappalie, als ein Muster ohne Wert erscheinen. Heute wurden Erinnerungen für das ganze Leben geschaffen. Ein Spiel, das aufgrund von zwei schrillen Schlussminuten niemals vergessen wird.

Ich bin fix und fertig und kann einfach nicht mehr und wiederhole mich gern:

Was für ein Tag …!


Fazit

Der VfL schlägt in einem unfassbaren und mehr als denkwürdigen Spiel den BVB II, das nach 94 Minuten noch 1:0 für die Gäste stand und erst in den beiden Schlussminuten der Nachspielzeit durch Tore von Simakala und Wulff gedreht wurde. Da der SV Wehen über ein 1:0 gegen den Halleschen FC nicht hinauskam, bedeutet das den direkten Aufstieg in Liga 2.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer*innen: 15.781, davon 120 aus Dortmund

Tore:
0:1 Njinmah (48.)
1:1 Simakala (90.+4)
2:1 Wulff (90.+6)

Gelbe Karten:
(12.) Tattermusch
(50.) Simakala
(68.) Kleinhansl
(73.) Traoré
(87.) Papadopoulos
(90.) Lotka
(90.+7) Wulff

VfL Osnabrück:
Kühn – Traoré (77. Rorig), Gyamfi, Beermann, Kleinhansl – Kunze (59. Heider), Köhler (84. Wiemann), Tesche – Niemann (77. Wähling), Engelhardt (84. Wulff), Simakala
Trainer: Tobias Schweinsteiger

BVB Dortmund II:
Lotka – Özkan (85. Suver)
, Collins, Dams, Guille Bueno – Papadopoulos, Eberwein, Pfanne – Njinmah (82. Elongo-Yombo), Tattermusch (69. Otuali), Michel
Trainer: Jan Zimmermann

Schiedsrichter: Robin Braun (Wuppertal)



Statistik:
Vor der heutigen Partie trafen die beiden Clubs seit dem 4. August 2002 in 17 Pflichtspielen aufeinander. Die Bilanz lautet 9-6-2 für den VfL. Hier geht es zur kompletten Statistik von weltfussball.de.

Tabellarisches:
Laut Kicker-Formtabelle spielt der Tabellenzweite VfL (3,07) gegen den Elften aus Dortmund (3,40). Tatsächlich spielt der VfL als Tabellendritter des 37. Spieltags der 3. Liga gegen den Dreizehnten aus Dortmund.



Hier geht es zur aktuellen Tabelle der 3. Liga

 

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