Mittwoch, 12. Juni 2024

Es ist des Pokals eigenes Gesetz, dass der Glaube Berge versetzt!

Über das Ungleichgewicht der Kräfte und von David gegen Goliath

Schon häufig durften wir die Wahrheit dieses Mottos an der Bremer Brücke bestaunen. Die Berge werden aber leider immer größer und das Versetzen wird damit zunehmend schwieriger. Dennoch ist am Montagabend natürlich alles drin!

Dieser Satz wurde am 23.09.2009 beim legendären Pokalspiel gegen den Hamburger SV als Choreografie so eindrucksvoll in Szene gesetzt und zeigte, wie Überraschungen an der Bremer Brücke funktionieren können. Für viele ist dieser Sieg im Elfmeterschießen mit dem Pfostentreffer von Mladen Petrić der Innbegriff des Osnabrücker Pokalabends überhaupt. Jeder anwesende Zuschauer erinnert sich noch daran, wie der eingewechselte Schmiddi den Ball in der Verlängerung quasi fängt und wie Grieneisen den Hammer rauspackt und per Fernschuss in der Verlängerung das 3:3 erzielt. Die Brücke rastet aus

Aber nun kommt am Montag der 1. FC Köln, an dem wir während der Coronazeit am 22.12.2020 ohne Zuschauer in der 2.Runde des DFB Pokals mit 0:1 im leeren RheinEnergieSTADION gescheitert sind.

Natürlich ist an der Bremer Brücke vieles möglich. Natürlich hat der 1. FC Köln in dieser Saison kein Punktspiel bestritten. Soweit so richtig, aber der Favorit ist wohl eher im Rheinland angesiedelt und das liegt nicht zuletzt an den finanziellen Gegebenheiten, die sich in den letzten Jahren immer weiter in Richtung 1. Bundesliga verschoben haben. Wirkliche Sensationen werden deshalb seltener und der Pokal hat für kleinere Vereine vor allem den nur wenig romantischen Reiz, Geld zu verdienen. „Wir fahren nach Berlin“ ist zumindest im Pokal mittlerweile eher dem Wunsch zuzuschreiben, die Hertha (ja lieber VfL, die mit dem H) als schlagbaren Gegner zugelost zu bekommen, als ins Pokalfinale einzuziehen. Das war Amateuren oder Zweitligisten zwar ohnehin nur selten vergönnt, scheint mittlerweile aber unmöglich zu sein.

Berg Marktwerte

Die Schere klafft weiter auseinander. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Fernsehgeldern, die darstellen, wie weit die Vereine mittlerweile auseinanderliegen. Zusätzlich hat ein Verein wie z. B. der 1. FC Köln natürlich auch andere Möglichkeiten, was Werbe- und Zuschauereinnahmen angeht. Da diese Zahlen aber nicht öffentlich sind, konzentrieren wir uns einmal auf die feststehenden Fernsehgelder. Aufgrund eines komplizierten Schlüssels erhalten alle Vereine der 1. und 2. Bundesliga Fernsehgelder, die nach dem Vier-Säulen-Prinzip aufgeteilt werden: Gleichverteilung, Leistung in der Vergangenheit, Nachwuchs und Interesse.

Während die Dritte Liga in diesem Jahr einen Rekord vermelden kann und jeder Verein ca. 1,2 Millionen erhält, bekommt der VfL Osnabrück in dieser Saison aller Voraussicht nach 7.829.296 €, und befindet sich damit auf dem 34. Platz in der Fernsehgeldtabelle. Für den Verein ist diese Summe natürlich ein riesiger Gewinn.

Nimmt man aber den Gegner vom Montag, so sieht man die unterschiedlichen Dimensionen. Der 1. FC Köln bekommt als 12. der Fernsehgeldtabelle insgesamt 52.070.037 €. Das heißt, der 1. FC Köln erhält als eine durchschnittliche Bundesligamannschaft 44.240.741 € mehr an Fernsehgeld, also 6,6-mal soviel. Beim letzten Aufeinandertreffen 2020 bekam der VfL übrigens mit 7.699.000 € fast exakt soviel Fernsehgeld wie in dieser Saison, der 1. FC Köln allerdings nur 39.894.000 €, folglich „nur“ das 5,2-fache. Wir waren damals also 12.176.037 € näher dran am FC als am Montag.

Nicht verwunderlich ist dadurch, dass auch die Marktwerte der Vereine ein absolutes Ungleichgewicht darstellen. Die Spieler des 1. FC Köln haben einen Gesamtmarktwert von 95,25 Millionen €, die Spieler des VfL Osnabrück davegen von 10,85 Millionen €. Das ist übrigens weniger, als die alleine beiden Innenverteidiger der Kölner Timo Hübers (8,5 Mio €) und Luca Killian (3,5 Mio €) wert sind.

Wir sind also am Montag in allen Bereichen zwar der Außenseiter, werden aber zusammen mit der Mannschaft alles dafür geben, den nächsten Berg zu versetzen, auch wenn er sehr groß ist. Glauben wir einfach daran!


Quellen:

Foto: Violet Crew

https://www.fernsehgelder.de/1-bundesliga-saison-2023-24/

https://www.fernsehgelder.de/1-bundesliga-saison-2020-21/

https://www.transfermarkt.de/1-fc-koln/kader/verein/3

https://www.transfermarkt.de/vfl-osnabruck/startseite/verein/81

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