Samstag, 22. Juni 2024

VfL Osnabrück: Fandialog fordert transparente Abstimmung bezüglich der „strategischen Vermarktungspartnerschaft“ der DFL  

Fan-Dialog des VfL Osnabrück erarbeitet Vorgehen im Kontext der Fanproteste bezüglich der strategischen Vermarktungspartnerschaft der DFL  

Am 11. Dezember hat die DFL-Mitgliederversammlung mit der Mindestanzahl an Ja-Stimmen (2/3-Merheit war notwendig, es gab 24 Ja-Stimmen der 36 Klubs) dem Antrag zugestimmt, den Weg für eine sogenannte „strategische Vermarktungspartnerschaft“ freizumachen und hat der Geschäftsführung der DFL ein entsprechendes Verhandlungsmandat erteilt. Die Abstimmung erfolgte geheim und hat in der Folge viele kritische Fragen aufgeworfen bzgl. der juristischen aber vor allem auch moralischen Legitimation des Abstimmungsergebnisses bzw. des Zustandekommens.

Seit einigen Spieltagen kommt es auch daher zu intensiven Protestaktionen in den Stadien. Im Rahmen der regelmäßig tagenden Fan-Runde als Teil des institutionalisierten Fan-Dialogs des VfL Osnabrück haben die dort vertretenden Akteure gemeinsame Forderungen ausgearbeitet, die auch von Präsidium des e.V. sowie Beirat und Geschäftsführung der lizenznehmenden KGaA unterstützt werden. Neben einem Satzungsänderungsantrag, der prinzipiell geheime Abstimmungen nur noch bei Personenwahlen zulässt und so die Idee von „50+1“ zur Geltung bringen soll, wird sich der VfL Osnabrück der Forderung des Präsidenten des VfB Stuttgart anschließen und dafür einsetzen, dass die am 11. Dezember erfolgte Abstimmung in transparenter Form wiederholt wird. Nur so kann, auch bei unterschiedlichen inhaltlichen Bewertungen des Sachverhaltes selbst, eine Legitimierung und Akzeptanz für ein Abstimmungsergebnis und dessen Umsetzung geschaffen werden. Diese Erklärung und die weitere Vorgehensweise ist der Versuch der Fan-Runde des VfL Osnabrück Brücken für Dialog und Vertrauen zu bauen zwischen den unterschiedlichen Sichtweisen.

In der Fan-Runde des VfL Osnabrück treffen sich in regelmäßigen sowie ergänzend anlassbezogenen Abständen sowohl Vertreter unterschiedlicher Fanorganisationen, des Fanprojektes, der Fanabteilung, der Fanbetreuung sowie weitere Mitarbeitende und Geschäftsführung des VfL Osnabrück. Die Fan-Runde dient unter anderem dazu, frühzeitig und proaktiv auch möglicherweise konfliktbeladene Themen zu adressieren und in gemeinsamen Gesprächen zu Verständnis für unterschiedliche Positionen zu gelangen sowie nach Möglichkeit Lösungen zu erarbeiten. Dieser Fan-Dialog wird in Osnabrück als offen, transparent und sehr zielführend angesehen und hat in den letzten Jahren viele wichtige Verbesserungen im Zusammenspiel zwischen Klub und Fans angestoßen und umgesetzt.

Auch sport- bzw. fußballpolitische Fragestellungen und weitreichende Fragen im Zusammenspiel mit und in Verbänden wie DFB und DFL gehören zu den diskutierten Themenfeldern. Vor diesem Hintergrund hat sich die Fan-Runde auch intensiv mit den aktuellen Fanprotesten in den Stadien beschäftigt, bei denen es um die von Fans vereinfachend und wertend als „Investorenbeteiligung“ bezeichnete Geschäftsfeldentwicklung der DFL durch eine „strategische Vermarktungspartnerschaft“ bzw. dem Zustandekommen des Abstimmungsergebnisses geht.

Offizielle Klubvertreter und Fanvertreter kommen durchaus zu einer inhaltlich unterschiedlichen Bewertung in der Notwendigkeit dieses Schrittes der DFL selbst. Uneingeschränkte Einigkeit besteht jedoch in der Kritik am Zustandekommen der Abstimmung. Mit der geheimen Abstimmung gehen Unklarheiten einher, ob alle Klubvertreter tatsächlich gemäß des zuvor geklärten Vereinswillens abgestimmt haben. Selbstkritisch ist anzumerken: Der VfL Osnabrück bzw. die vertretungsberechtigte Geschäftsführung hat diesen Aspekt bei der Sitzung am 11. Dezember selbst nicht erkannt und entsprechend vorgebracht.

Der heutigen Sichtweise liegen unterschiedlichen Gründe zugrunde – teils auch jenseits einer juristischen Bewertung:

  1. Der Zeitplan mit der Abstimmung am 11. Dezember und die Informationslage war, auch vor dem Aspekt der bevorstehenden Vergabe der medialen Verwertungsrechte, sehr ambitioniert, so dass ein Meinungsbildungsprozess unter Einbezug von Vereinsmitgliedern und Fans mit entsprechender Diskussion mindestens erschwert war.
  2. Die Folgen der Entscheidung selbst werden als gravierend für die Zukunft des Fußballs wahrgenommen. Solche weitreichenden Folgen sind zwingend in einem Abstimmungsprozess zu entscheiden, in dem es keinerlei Restzweifel an der Legitimität des Zustandekommens gibt, um die Akzeptanz für das Abstimmungsergebnis und die daraus resultierenden Konsequenzen zu erhöhen.
  3. Erst durch einen transparenten Abstimmungsprozesses entfaltet die hinter 50+1 stehende Idee ihre Wirkung. Nur bei einer transparenten, also nicht-geheimen Abstimmung ist die Mitgliedermitbestimmung auch bei ausgegliederten Kapitalgesellschaften gewährleistet. Die artikulierten Vereinsinteressen sind dann für (angestellte oder bestellte) Geschäftsführer oder Vorstände der Kapitalgesellschaften bei der Abstimmung ersichtlich und dadurch bindend. Wenn 50+1 weiter identitätsbildend für den deutschen Fußball sein soll, dann muss mindestens und zunächst die Gouvernance-Struktur bzw. Satzung der DFL entsprechend ausgestaltet sein.
  4. Eine transparente Abstimmung sichert zudem die abstimmenden Personen auch vor unberechtigten Vorwürfen, den Mitglieder- bzw. Vereinswillen nicht berücksichtigt zu haben. So wird die Integrität der Klubvertreter geschützt und würden stärker Sachthemen die Diskussion in den Klubs dominieren.
  5. Schließlich führt die transparente Abstimmung auch dazu, dass die Institution DFL und die Geschäftsführung der DFL geschützt wird, gegen die sich häufig undifferenziert Kritik richtet. Die DFL als Gemeinschaft der 36 Klubs aus 1. und 2. Bundesliga setzt jedoch lediglich die Klubinteressen und Klubentscheidungen um. Erst ein transparenter Abstimmungsprozess ermöglicht es, dass eine sachliche Diskussion auf Klubebene zwischen Klubvertretern und Fanvertretern erfolgt, statt eine undifferenzierte Kritik auf die DFL zu richten.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Fan-Runde des VfL Osnabrück am 07.02.2024 auf das folgende Vorgehen verständigt:

  1. Der VfL Osnabrück wird sich dafür einsetzen und sofern notwendig einen entsprechenden Antrag einbringen oder unterstützen, dass die Abstimmung des 11. Dezember nochmals in einem transparenten, also nicht-geheimen Prozess wiederholt wird. Damit soll die Legitimität des Zustandekommens und Akzeptanz des Abstimmungsergebnisses erhöht werden.
  2. Ein Satzungsänderungsantrag, wonach zukünftig geheime Wahlen oder Abstimmungen jenseits von Personenwahlen innerhalb der DFL unzulässig sind, wird gemeinsam abgestimmt, erarbeitet und durch den VfL Osnabrück eingebracht. Der Antrag soll zuvor mit den Vertretern von Präsidium und Geschäftsführung der DFL geteilt und erörtert sowie auch weiteren Klubs zur Verfügung gestellt werden, um eine möglichst breite Zustimmung zu gewährleisten.
  3. Präsidium und Geschäftsführung der DFL werden aufgefordert, ihre Satzungen, Bestimmungen und Ordnungen sowie sonstige Vorgehensweisen daraufhin zu analysieren, ob es weitere Umgehungsmöglichkeiten der Idee von 50+1 gibt. Es muss dann darauf hingewirkt werden, die Rahmenbedingungen zukünftig so zu gestalten, dass es keine Verstöße bzw. keine Vorteile durch Verstöße gegen die 50+1 Regel geben kann. Hierzu gehören beispielsweise Vertragskonstellationen innerhalb der Klubgeflechte, die den Wirkungsgrad von 50+1 einschränken oder auch Darlehenskonstruktionen, die zwar formaljuristisch gemäß 50+1 gültig sind, die aber de facto dazu führen, dass externe Geldgeber bzw. Investoren den Vereinswillen dominieren können.
  4. DFL und DFB werden schließlich aufgefordert, die aktuell gültige (verschuldensunabhängige) Bestrafungspraxis zu revidieren. Diese auch in anderen Kontexten problematische Vorgehensweise führt auch im aktuellen Fall der Proteste dazu, dass Klubs aufgrund der Proteste von Fans zur Rechenschaft gezogen und wirtschaftlichen Schaden erleiden. Dieser wirtschaftliche Schaden führt gleichzeitig zu einer unnötigen Spaltung innerhalb der heterogenen Fanlandschaft von Vereinen und somit zu einer vermeidbaren Verschärfung und Emotionalisierung von Protesten und Diskussion innerhalb der Klubs, die von den Sachthemen selbst ablenken und ein auf Verständigung zielendes Miteinander erschweren.

Für die Teilnehmer der Fan-Runde des VfL Osnabrück:
Violet Crew, Fanszene Osnabrück e.V., Brigade Nord seit 1516, Fanabteilung des VfL von 1899 e.V. Osnabrück, Fanprojekt Osnabrück, Fanbetreuung, Mitarbeitervertreter, Geschäftsführung und Beirat der VfL Osnabrück GmbH & Co. KGaA, Präsidium des VfL von 1899 e.V. Osnabrück

 

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