Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.
Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.
Vorschau auf das Heimspiel des VfL gegen TSV 1860 München
mit persönlichen Einschätzungen von Janis Weber, Lars Mosel und Jascha Altheruthemeyer
Nach dem überzeugenden 3:0 Sieg in Aachen kommt es am Sonntag zum nächsten Duell gegen einen Traditionsverein. Um 16:30 spielt der VfL an der Bremer Brücke gegen den TSV 1860 München. Beide Klubs treffen zum 19. Mal aufeinander. Die Bilanz spricht dabei knapp für die Blau-weißen aus München. 7-mal gewann der TSV, 6-mal endete das Spiel Unentschieden und 5-mal konnte der VfL triumphieren. In den Drittligaduellen haben die Lila-Weißen jedoch die Nase vorn: bei drei Niederlagen und zwei Unentschieden gelangen insgesamt vier Siege mit einem Torverhältnis von 14:16. Von den letzten drei Heimspielen wurden zwei gewonnen und ein Spiel ging verloren. (Torverhältnis 4:3)
Besonderheiten
Spätestens seit der Jordanische Investor Hasan Ismaik beim Traditionsverein TSV 1860 München im Jahr 2011 eingestiegen ist, kommt der Verein nicht zur Ruhe. Alles gipfelte im skandalösen Abstieg aus der 2. Liga in der Saison 2016/2017. Da die Lizenzbedingungen für die 3. Liga finanziell nicht erfüllt wurden, stiegen die Löwen direkt in die Regionalliga Bayern ab. Seit dem problemlosen Wiederaufstieg in Liga 3 nach nur einer Saison gibt es rund um Hasan Ismaik immer mal wieder Unruhe, der Verein fällt allerdings vor allem dadurch auf, eine komplett überhöhte Erwartungshaltung nicht erfüllen zu können. Statt den angestrebten Aufstieg erreichen zu können, standen die Löwen am Ende der Saison immer irgendwo im Nirgendwo.
Auf’m Platz
Nach den spektakulären Verpflichtungen insbesondere von Kevin Volland, Sigurd Haugen und Florian Niederlechner gingen die Löwen als der große Topfavorit in die Saison. In den ersten Spielen schien die Mannschaft auch dieser Rolle gerecht zu werden und holte ein starkes 1:1 in Essen, gewann gegen den VfL mit 3:1, mit 2:0 in Aachen und stand auch nach dem 5. Spieltag auf einem Aufstiegsplatz.
Danach gelang der Mannschaft aus Giesing allerdings erstmal fast gar nichts mehr. Aus den folgenden 7 Spielen holten die 60er nur 3 Punkte, während der VfL im gleichen Zeitraum 14 Zähler sammeln konnte. Da sich die Mannen aus München in der Folgezeit aber größtenteils wieder gefangen haben, steht der TSV 1860 München mit 31 Punkten bei einem Torverhältnis von 30:30 auf Tabellenplatz 8 und hat 4 Punkte weniger auf dem Konto als der VfL.
Stabilität brachte dabei der Trainerwechsel rein. Der glücklose Patrick Glöckner wurde nach dem 8. Spieltag beurlaubt und nach zwei Spielen unter Interimstrainer Alper Kayabunar übernahm der erfahrene Markus Kauczinski das Traineramt. Gleich im ersten Spiel gelang ein 3:1 Sieg gegen Duisburg, die damit ihr erstes Spiel in der Saison verloren. In den zehn Spielen nach dem Trainerwechsel sammelte das Team 19 Punkte, unsere Mannschaft 16.
Interessant auch, dass der 14. der Heimtabelle auf den 14. der Auswärtstabelle trifft, was für beide Mannschaften mit Aufstiegsambitionen nicht gerade befriedigend ist.
Die Sensationstransfers zünden bisher nicht richtig. Kevin Volland erzielte in bisher 19 Spielen nur zwei Tore, Sigurd Haugen in 18 Spielen insgesamt sieben Tore und Florian Niederlechner in 19 Spielen nur zwei Tore.
Gästeanhang
Als Gründungsmitglied der Bundesliga und Deutscher Meister von 1966 genießt der Gast immer noch eine hohe Popularität und hat Anhänger im gesamten Bundesgebiet. Bei den letzten Spielen war der Gästeblock immer gänzlich ausverkauft, was am Sonntag selbstverständlich auch der Fall ist. Besondere Rivalitäten zwischen 1860 und dem VfL liegen nicht vor und die Löwen-Fans sind an der Brücke bisher auch nicht besonders negativ in Erscheinung getreten. Auffällig war allerdings, dass die ansonsten hervorragende Unterstützung bei Rückstand zu wünschen übriglässt. Dann ist der Block doch häufig sehr still.
Prognose Lars Mosel
Nach dem sehr effizienten Sieg in Aachen erwartet uns ein ganz anderes Spiel. Begleitet von einer tollen Kulisse kommt es zu einem offenen Schlagabtausch, der vor allem über die Seiten zu spektakulären Chancen führt. Nach der Führung durch das erste Heimtor von Robin Meißner nach Steckpass von Lars Kehl gelingt es den Löwen, das Spiel ausgeglichen zu halten und den Ausgleich zu erzielen. In der Schlussviertelstunde findet unser Youngster Ismail Badjie nach toller Einzelleistung die Lücke in der dichten Abwehr und erzielt den viel umjubelten Siegtreffer. Der VfL klettert durch den Sieg auf Rang vier und erhöht den Abstand auf die Löwen auf sieben Punkte.
Prognose Janis Weber
Der VfL gegen 1860 unter Flutlicht an der Brücke – Drittligaherz, was willst du mehr? Gut 1.500 Löwinnen und Löwen werden sich auf die Reise Richtung Norden machen und so bleibt nur zu hoffen, dass der Gästeblock, im Vergleich zu seinem letzten Stelldichein in Osnabrück, noch eine Schippe drauflegen kann. Zumindest wäre es den Fans zu wünschen, egal ob lila-weiß, blau-weiß oder neutral, dass es auf den Rängen ein Duell auf Augenhöhe wird.
Denn auf dem Platz zeichnet sich ein solches Duell ab: Die Münchener haben sich unter Kauczinski langsam wieder zu einem Aufstiegskandidaten gemausert, das Publikum an der Brücke darf also Spitzenspielluft schnuppern. Und da der VfL weniger gern den Ball hat als die Blauen, werden diese, nicht erfolglos, über weite Strecken des Spiels um die Kontrolle bemüht sein. Doch dem Kader von 1860 fehlt es an Tempo, die Verletztenliste wird nur langsam kürzer und auswärts hapert es weiterhin in der Offensive, sodass der VfL das Spiel mit 2:1 für sich entscheidet. Die glückliche Halbzeitführung der Münchener durch Kevin Volland dreht Lars Kehl nach der Pause im Alleingang mit einem Doppelpack.
Prognose Jascha Altheruthemeyer
Quo Vadis 1860?
Der VfL trifft am Sonntagnachmittag auf DAS Schwergewicht der 3. Liga. Ließen die Löwen doch mit hochklassigen Transfers wie Volland oder Niederlechner zu Beginn der Saison noch aufhorchen, kehrte schnell Tristesse rund um das Grünwalder Stadion ein. Zwischenzeitlich hatten die 60er mehr Stürmer im Kader als Punkte auf dem Konto. Ob wir am Wochenende jedoch ein Offensivfeuerwerk zu erwarten haben, bezweifle ich stark. Kaum eines der VfL-Heimspiele könnte als Leckerbissen beschrieben werden, war die taktische Ausrichtung des VfL doch sehr auf die defensive Stabilität gelegt.
1860 steht am Scheideweg der Saison vor dem Auswärtsspiel beim VfL, gleichzeitig geht es für den VfL darum, seinen starken Rückrundenstart zu bestätigen und endlich zu seiner Heimstärke zu finden. Auch wenn bei 1860 der ein oder andere Spieler wieder in den Kader zurückkehren wird, ist der Zeitpunkt für ein Duell mit den Münchnern ein guter. Der VfL strotzt vor Selbstbewusstsein und Robin Meißner wird mit seinem ersten Heimtor den Löwen den Zahn ziehen.













