Auschwitz-Gedenktag am 27. Januar: Eindrucksvolle Stunden an der Alexanderschule in Wallenhorst
Oft gibt es Veranstaltungen, die anrühren. Selten sind die Gelegenheiten, bei denen man dazu auch etwas lernt, und leider zu selten lernt man dabei etwas von engagierten jungen Leuten.
Das war anders am Holocaust-Gedenktag in der Alexanderschule in Wallenhorst, die für ihre Demokratiebildung, besonders durch den Einsatz von Michael Hoffmann, bekannt ist. Diesmal war in Kooperation mit dem Ratsgymnasium nicht nur eine beeindruckende Ausstellung über Hans Calmeyer zu sehen, die im Geschichtsunterricht der 11. Klasse bei Dr. Friedemann Neuhaus entstanden ist.
Die drei Ratsschülerinnen Ayse Cankurtaran, die zu Jacqueline van Maarsen berichtete, Patricia Harmening (Einführung, Calmeyer und Femma Swaalep) und Maleeha Mahale (Anne Frank) präsentierten darüberhinaus souverän und faktensicher vor einem etwa hundertköpfigen Publikum historische Hintergründe und daraus abgeleitete Argumente zum umstrittenen Wirken Calmeyers in den faschistisch besetzten Niederlanden, die – natürlich – die Frage der Moral im Handeln Calmeyers nicht abschließend klären konnten.
Eine detailgenaue Auseinandersetzung mit bspw. der menschenfeindlichen Kategorisierung von Juden in verschiedene Abstammungsgrade half, die Hintergründe der Tätigkeit Calmeyers zu klären und auch ein in diesen Dingen nicht sehr gebildetes Publikum zu informieren, gar zu fesseln. Die Alexanderschülerinnen Khadija, Berna, Elina und Lena aus dem Publikum bestätigten diesen Eindruck. Selbst der Autor dieser Zeilen, der sich, aufgewachsen im rheinischen Grenzgebiet, von Jugend an mit den geschichtlichen Hintergründen von bezetting en verzet, Besetzung und Widerstand im Nachbarland, beschäftigt hat, konnte bei den Vorträgen noch etwas lernen.

Die anschließende Podiumsdiskussion vereinigte auf der Bühne ein gutes Dutzend von Persönlichkeiten, die verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen vertraten. Gemein ist allen, dass sie sich für ein demokratisches Miteinander engagieren. So waren zum Beispiel die Omas gegen Rechts durch Renate vertreten und der Landschaftsverband Osnabrücker Land durch Susanne Tauss. Arne Wegner vom Pfad der Erinnerung in Bramsche fand passende Worte, Jill Strüber vom Niedersächsischen Verband der Sinti e.V., von der die Überschrift zu diesem Artikel stammt, legte mit prägnanten Beiträgen den Finger in offene Wunden des Rassismus unserer Gesellschaft und rief zum Handeln auf.

Weitere wertvolle Beiträge zur Diskussion kamen vom stellvertretenden Landrat Michael Lührmann, Schulleiter Arne Wilms, Dieter Przygode, Bürgermeister Otto Steinkamp, Rachel Vogel sowie Schülerinnen und Schülern wie Junis Jürgens, Sam Becker und Vivian Wulfekühler.*
Moderator Ron Terveen verstand es, mit präzisen Impulsen der Veranstaltung Richtung zu geben. Er führte Borowskis drei Schuldebenen in die Diskussion ein und fügte eine vierte hinzu, die kritisierte, dass die schweigende Mehrheit zu oft in ihrer Komfortzone verbleibt, statt sich für eine offene Gesellschaft einzusetzen.
Mit jüdischen Gesängen, vorgetragen zur Gitarre, begleitete Kantor Baruch Chauskin die Veranstaltung und verlieh ihr ein feierliches Gepräge. *Eventuelle Sünden der Auslassung bitte ich zu entschuldigen. Weitere Bilder des Vormittags finden sich in meinem Blog.













