Emotionales Kammerspiel im emma-theater
Die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans seziert in neunzig Minuten das gestörte Verhältnis zwischen einer Tochter und ihrem Vater bis ins kleinste Detail.
Judith Jungk inszeniert das Stück mit Lua Mariell Barros Heckmanns als Tochter Helen und Thomas Kienast als Vater Richard auf der minimalistisch ausgestatteten Bühne so emotional und intensiv, dass es auch keine großartige Kulisse zu geben braucht.
Wie von unsichtbaren Gummibändern zusammengehalten, entfernen und streiten sich die beiden bis aufs äußerste, da Lebenseinstellungen und Ideale sich gänzlich unterscheiden, werden aber doch immer wieder in ruhigen Phasen zueinander gezogen.
Ist (Verwandschafts-)Blut wirklich dicker als Wasser, wie immer behauptet wird? Werden mit den Genen auch Erfahrungen, Ideale, Ängste über Generationen weitergegeben?
Helen ist schließlich Richards Tochter, da muss sie doch …? Oder nicht?
Als bei einem der kurzen Besuche von Helen, die ihren Vater trotz aller Reibereien mit Lebensmitteleinkäufen versorgt, ein Fehlalarm in der „Gated Community“ (bewachte Wohnanlage) losgeht und aus Sicherheitsgründen alle Wohneinheiten verriegelt werden, ist Helen gezwungen, länger dort zu bleiben als die geplante Stippvisite …
Das Stück lässt die Zuschauer als Voyeure ins Tiefste der Protagonisten schauen. Bei dem einen oder der anderen reißen mit Sicherheit alte Wunden auf, so intensiv das Spiel, so schmerzhaft das Zuschauen. Ein Schauspiel, dass lange nachhallt und betroffen macht.
Weitere Infos, wie eine Audioeinführung und Tickets gibt’s hier: www.theater-osnabrueck.de/













