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Freitag, 20. Februar 2026

„Mein Freund Felix Nussbaum“

Neue szenische Führung bringt den Maler ganz nahe

Mit einer neu konzipierten szenischen Führung lässt sich das Werk von Felix Nussbaum noch einmal ganz neu und intensiv entdecken. Unter dem Titel „Lass mich dir erzählen. Mein Freund Felix Nussbaum“ führt Marco Mehring mit einer Symbiose aus Kunstvermittlung und Schauspiel durch das Felix-Nussbaum-Haus.

Dabei schlüpft der Schauspieler in die Rolle von Fritz Steinfeld, ein Freund von Felix Nussbaum, der  seine sehr persönlichen Erinnerungen an den Künstler hinterließ. Steinfeld war ein Mitglied der jüdischen Gemeinde in Osnabrück und mit Felix Nussbaum befreundet. Der angehende Arzt lernte den 15-Jährigen Felix in Osnabrück kennen und begleitete mit Empathie und Neugier seine Entwicklung als Künstler. Auch in Berlin hielt er den Kontakt zu dem immer erfolgreicheren Freund, mit dem ihn „reiche und innige Jahre der Freundschaft“ verbanden.

Bei der Führung entfaltet sich so ein persönlicher, erzählerischer Zugang zu Leben und Werk Felix Nussbaums. Kenntnisreich erklärt Marco Mehring u.a. anhand des Bildes „Die beiden Juden“ religiöse Motive des Judentums, bevor er aus der Perspektive von Fritz Steinfeld vertiefende Einblicke zur Familie Nussbaum und ihrer Stellung in der Stadt oder Felix Nussbaums Verhältnis zu seiner Partnerin Felka Platek gibt. Auch das temporeiche Berlin vor Hitler mit Ringelnatz und dem Wannseebad wird in der Führung lebendig.

Die Führung führt weiter über das Exil in Brüssel und das Lager St. Cyprien, die „Hölle der Pyrenäen“, in dem Felix Nussbaum 1940 interniert wurde, bis zu seinem letzten Bild, dem „Totentanz“. Fritz Steinfeld, der noch rechtzeitig nach Palästina emigrierte und 1950 in Jerusalem  starb, lernte die hellen und dunklen Seiten Nussbaums genauer kennen und hielt seine Erinnerungen daran fest.

In der liebevollen Erinnerung Steinfelds an den „Malerfreund“ wird der Mensch Felix Nussbaum intensiv präsent. Es ist, als werde durch die eindrucksvoll gespielten Schilderungen Nussbaums Selbstbildnis mit dem Judenpass oder der Maler an der Staffelei für einen kurzen Moment lebendig. Die TeilnehmerInnen zeigten sich begeistert von der neuen Führung und davon, wie der Schauspieler sich in die Rolle eingefühlt hat.

Eine Kunsterzieherin, die Felix Nussbaum bereits als Schülerin bei der ersten Ausstellung seiner Bilder in Osnabrück 1971 begegnet war, stellte fest, dass sie durch die szenische Führung viele neue Nuancen Nussbaums und seines Werks kennengelernt habe. Auch die Wirkung der Architektur von Daniel Libeskind und den Weg durch den engen, schrägen Gang habe sie noch nie so intensiv erfahren wie heute.

Lass mich dir erzählen. Mein Freund Felix Nussbaum

Persönlich geprägte Erzählung des „Freundes“ vor jenem Bild, mit dem Nussbaum sich selbst, den Kantor und das Innere der Osnabrücker Synagoge präsentierte.

Die szenische Führung eignet sich als umfassende Einführung in Leben und Werk Felix Nussbaums und überfordert auch BesucherInnen ohne Vorkenntnisse nicht. Aber auch, wer sich schon lange mit Felix Nussbaum beschäftigt, kann sich dem Künstler hier durch den empathischen, aber auch scharf beobachtenden Blick des von Marco Mehring wunderbar gespielten Freundes Fritz Steinfeld auf ganz neue Art nähern.

Der Schauspieler, der auch das Konzept der neuen Führung entwickelt hat, hat wirklich einen Schatz gehoben. Einen Schatz, der viel zu lange unbeachtet in einem dünnen grünen Büchlein aus dem Jahr 1984 schlummerte, das im Museumsshop noch zu erwerben ist. Fritz Steinfeld liebte Felix wie einen jüngeren Bruder. Er habe sein Leben reich gemacht, sagte er, und denke an ihn nicht mit Wehmut und Trauer, sondern mit Heiterkeit und Glück.

Steinfeld verstand seine Aufzeichnungen mit dem eindringlichen Titel „Vergast, nicht vergessen“ als ein Denkmal für seinen von den Nationalsozialisten ermordeten Freund Felix. Marco Mehring macht dieses Denkmal lebendig. „Ich tue das für viel Felix und Fritz“, sagt der Schauspieler. Und fügt hinzu, das Thema von Flucht und Vertreibung sei immer noch aktuell.


Weitere Termine:

  • 14. März 2026 (ausgebucht!)
  • 15. April 2026
  • 14. Mai 2026
  • 2. Juni 2026

jeweils um 16 Uhr

Übrigens: Fritz Steinfelds ältere Schwester Käthe war mit dem Vorsteher der Synagogengemeinde in Jever, Hermann Gröschler, verheiratet, der in Bergen Belsen umkam. Über die Rettung von Änne Gröschler , die sich mit Hilfe ihres Bruders aus dem Konzentrationslager zu ihm nach Jerusalem retten konnte, kann man anhand ihrer Aufzeichnungen auf der Website des Gröschler-Hauses in Jever mehr erfahren.

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