„Der Grund”: Dr. Tanja Busse mahnt zum regenerativen Wandel

Lesung für die Initiative „Melle for Future“

Dass das Thema Boden weit mehr als nur sprichwörtlich „naheliegend“ ist, bewies der enorme Andrang im Fachwerk 1775: Mit 100 Zuhörenden war die Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausverkauft. Auf Einladung der Initiative „Melle for Future“ widmete sich die bekannte Autorin und Journalistin Dr. Tanja Busse am Dienstagabend der existenziellen Bedeutung unserer Böden und diskutierte im Anschluss mit Experten über die Zukunft der Landwirtschaft in Niedersachsen.


Der Boden als Schicksalsgemeinschaft

Im Zentrum des Abends stand Busses aktuelles Werk „Der Grund“. In einem leidenschaftlichen Plädoyer verdeutlichte sie, dass wir den Boden oft nur noch als „Standortfaktor“ wahrnehmen, dabei sei er ein hochkomplexes Ökosystem und das „Gedächtnis der Erde“. Busse warnte eindringlich: Während der Klimawandel in der Luft sichtbar wird, findet das wahre Drama unter unseren Füßen statt. „Wir verlieren die Grundlage, auf der alles andere aufbaut“, so die Autorin.

Besonders bewegend schilderte Busse die Verbindung zwischen dem ökologischen Zustand des Bodens und der sozialen Situation in der Landwirtschaft. Das „Höfesterben“ sei kein bloßer Strukturwandel, sondern oft das Ergebnis eines Systems, das Landwirte dazu zwingt, gegen ihre eigene Lebensgrundlage zu wirtschaften. Niemand wolle seinen Boden ausbeuten, doch der ökonomische Druck lasse oft kaum eine Wahl. Bodenschutz, so das Resümee des Vortrags, sei aktiver Klimaschutz, da gesunde Böden gigantische Mengen CO2 binden können.


Kontrovers und konstruktiv: Die Podiumsdiskussion

In der zweiten Hälfte des Abends weitete sich der Fokus auf die praktische Umsetzung. Unter der Moderation von Wilhelm Habighorst diskutierten Dr. Busse, Daniel Rolfsmeyer, Präsident des Landvolks Melle, und der Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Werner Wahmhoff  war ehemaliger stellvertretender Generalsekretär und Abteilungsleiter (1991 bis 2019) der DBU außerdem war er Professor für Agrarwissenschaftlichen an der Georgs-August-Universität Göttingen über die Wege aus der Krise.

Die Spannungsfelder wurden in der Diskussion zwischen Frau Dr. Busse und Prof. Wahmhoff deutlich. Prof. Wahmhoff sah die „Talsohle“ durchschritten, während Frau Dr. Busse die Gefahren der jetzigen Landwirtschaft aufzeigte.  Während Prof. Dr. Wahmhoff die wissenschaftliche Notwendigkeit unterstrich, die planetaren Grenzen strikt einzuhalten und die Landwirtschaft konsequent auf Nachhaltigkeit umzustellen, betonte Daniel Rolfsmeyer die Perspektive der Praktiker. Er verwies auf die massiven wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen die niedersächsischen Landwirte stehen. Es brauche Planungssicherheit und eine Honorierung von Umweltleistungen, damit die Betriebe den notwendigen Wandel überstehen könnten, ohne ihre Existenz zu gefährden.

Trotz unterschiedlicher Akzente herrschte Konsens darüber, dass der Status quo nicht haltbar ist. Die Debatte verdeutlichte, dass der Schutz des Bodens nur gelingen kann, wenn Politik, Wissenschaft und Berufsstand Hand in Hand arbeiten. Einig war man sich auch in der Rolle der Verbraucher: Wertschätzung für Lebensmittel müsse sich auch in der Zahlungsbereitschaft für nachhaltig erzeugte Produkte widerspiegeln.


Hintergrund: Einordnung und Ausblick

Der Abend in Wellingholzhausen zeigte, dass das Bewusstsein für die „Ressource Boden“ in der Region Melle tief verwurzelt ist. „Melle for Future“ gelang es mit dieser Veranstaltung, ein globales Problem auf die lokale Ebene zu holen und den Dialog zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu fördern. Das Fazit des Abends blieb hoffnungsvoll, aber mahnend: Nur eine regenerative Kultur, die den Boden wieder als Lebewesen begreift, wird langfristig die Ernährungssicherheit und den Klimaschutz gewährleisten können.

Weitere Bilder sind per Klick auf den LINK zum Blog Toni Theilmeiers zu sehen.

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