ADFC verleiht Goldenes Kettenblatt für 2026

Preisverleihung als Anerkennung für Schülerprojekte – und Kritik an städtischer Verkehrsplanung

Im Vorfeld der ADFC-Mitgliederversammlung wurde zum dritten und voraussichtlich letzten Mal hat der ADFC Osnabrück am 27. Februar in der Aula der Volkshochschule das „Goldene Kettenblatt“ sowie die „Rostige Kette“ verliehen. Während die Realschule Georgsmarienhütte für ihr Engagement in der Mobilitätsbildung geehrt wurde, markiert das knappe Votum zum Radboulevard zur Rostigen Kette am Hauptbahnhof einen deutlichen Kritikpunkt an der städtischen Infrastruktur.

Es war ein Festakt mit klaren Botschaften: Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Osnabrück lud am Donnerstagabend im Rahmen seiner Mitgliederversammlung zur vorerst letzten Verleihung seiner Negativ- und Positivpreise ein. In der gut gefüllten Aula der Volkshochschule (VHS) in der Bergstraße 8 wurden zum einen Projekte gewürdigt, die Fahrradkultur fördern, während gleichzeitig gefährliche Fehlplanungen in Stadt und Landkreis symbolisch abgestraft wurden.

Zu der Beteiligung an der diesjährigen Umfrage äußerte sich der wiedergewählte Vorsitzende Dr. Ing. Wolfgang Driehaus: “Mit weit über 400 Antworten haben wir für die diesjährige Umfrage wieder eine tolle Beteiligung erreicht. Das freut uns insbesondere, da wir mit den Beiträgen für die Fahrradkultur aus dem Schulbereich drei hochkarätige und nachahmenswerte Projekte auswählen konnten.“


Goldenes Kettenblatt: Fokus auf Bildung und Nachwuchs

In der Kategorie „Das Goldene Kettenblatt“, mit der gemeinnützige Projekte aus dem Bildungsbereich gewürdigt werden, setzte sich die Klasse 7d der Realschule Georgsmarienhütte (GMHütte) mit deutlichem Vorsprung durch. Ihr Projekt „Elterntaxis stoppen – Fahrrad fahren“, bei dem die Schüler die Mobilität an ihrer eigenen Schule untersuchten, erhielt 61 Prozent der Stimmen (281 Stimmen). Konkret befasste sich das prämierte Projekt der Realschule Georgsmarienhütte damit, das Problem der sogenannten „Elterntaxis“ zu analysieren.

Die Schüler führten Untersuchungen und Erhebungen an ihrer Schule durch, um die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und die Umwelt sichtbar zu machen. Ziel war es, das Bewusstsein für alternative, umweltfreundlichere Mobilitätsformen zu stärken und die eigenständige Fahrradnutzung im Schülerverkehr zu fördern.

Auf den weiteren Plätzen folgten die Schülerfirma „AleXargo“ der Alexanderschule Wallenhorst (23 Prozent), die eigene Schwerlast-Fahrradanhänger baut und vermarktet, sowie die verschiedenen Schüler-Fahrradwerkstätten in Stadt und Landkreis Osnabrück, unter anderem an der IGS und der Domschule (16 Prozent). Der ADFC betonte die Wichtigkeit, junge Menschen frühzeitig für eine eigenständige und sichere Mobilität zu begeistern.


Die Rostige Kette: Kritik am Radboulevard und Radschnellweg

Deutlich kritischer fiel das Urteil der Teilnehmenden bei der „Rostigen Kette“ aus. Hier wird die nach Meinung der Radfahrenden „schlimmste Stelle“ im Verkehrsnetz gewählt. Mit 37 Prozent der Stimmen (168 Stimmen) erhielt die Rostige Kette der vor Kurzem wiedereröffnete Radboulevard am Hauptbahnhof. Die Begründung der Wähler ist eindeutig: „Vorfahrtsfalle und Parkchaos“ machten die Passage für Radfahrer unsicher.

Nur knapp dahinter landete die Querung des Radschnellwegs mit dem Haster Weg (35 Prozent), die als „gefährlich und zeitraubend“ eingestuft wurde. Ebenfalls nominiert waren die Hamburger Straße aufgrund der Einladung zum sogenannten „Geisterradeln“ (20 Prozent) sowie eine als museal und nutzlos empfundene Radwegbeschilderung in Melle (9 Prozent).


Hintergrund und Ende einer kurzen Ära

Die Verleihung dient dazu, den Finger in die Wunden der Verkehrsplanung zu legen, aber auch positive Impulse sichtbar zu machen. In den letzten beiden Jahren hatte die Aktion regelmäßig Debatten an den entsprechenden Stellen ausgelöst. Die Preise wurden in diesem Jahr zum vorläufig letztem Mal verliehen: Da wir immer etwas neues auswählen wollen, haben wir nach 3 Jahren die Region ziemlich abgegrast. Mit den Fahrradkulturpreis für die Bildungs- und Schulprojekte haben wir auch die höchste Form der Fahrradkultur erreicht. Wenn uns in diesem Jahr nicht hochkarätige Projekte vor die Füße fallen, wollen wir daher erst einmal mit den Auszeichnungen pausieren.

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