Zwischen kreativem Aufbruch und prekärer Realität

Schau beleuchtet ästhetisches Wachstum bis zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bildender Künstler*innen

Am 13. März lädt das Projekt AMU Art Mash-Up zur Vernissage in die Ausstellung „Homegrown“ ein. An drei Standorten – der Kunsthalle, der skulpturgalerie und dem Kunstquartier des BBK – zeigen lokale und regionale Kunstschaffende bis zum 18. April ihre Werke. Die Schau beleuchtet nicht nur das ästhetische Wachstum der regionalen Szene, sondern thematisiert auch die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bildender Künstler. Wir sprachen mit der Projektleiterin Eva Lause über die Hintergründe der Ausstellung.

In der Kunsthalle Osnabrück präsentieren Harald Ellinghaus, Hanna Frey, Manfred Heinze, Joachim Jurgelucks, Marvin Knopf, Katrin Lazaruk, Eva Preckwinkel, Aaron Rahe, Vanessa Reed, Marion Tischler sowie das Duo Zeitgestalt, bestehend aus Theresa Kölln und Marlies Wieking, ihre Werke. Die skulpturgalerie zeigt Arbeiten von Nikolai Blau (alias Nikolas Klemme), während im BBK-KunstQuartier die Mutation-Gruppe mit Birgit Kannengießer, Zoé Pehlke, Ricardo Liong-A Kong, Margit Rusert und Hendrik Spiess vertreten ist.

Ein besonderes Highlight der Vernissage ist die Performance von Margit Rusert von der Mutation Gruppe, die um 20:30 Uhr im BBK-KunstQuartier stattfindet, direkt im Anschluss an die Eröffnung in der Kunsthalle um 19 Uhr. Gefördert wird die Ausstellung von der Friedel- & Gisela-Bohnenkamp Stiftung.


Wachstum in der Nische

Hintergrund der Ausstellung ist, dass sich in den vergangenen zehn Jahren die Osnabrücker Kunstszene deutlich gewandelt hat. Zahlreiche Initiativen wie der Kunstraum hase29, das Atelierhaus „Alte Bäckerei“ oder der „room4Art“ sind aus der Eigeninitiative von Künstlern entstanden. Ein wichtiger Baustein ist das Atelierhaus in der Nobbenburger Straße, das im Zweijahresturnus neun Absolventen auch die Chance bietet, sich eine Existenz aufzubauen.


Die ökonomische Kehrseite

Hinter der Fassade der Vernissagen verbirgt sich oft ein harter Überlebenskampf. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands Bildender Künstler (BBK) zur wirtschaftlichen Lage vom September 2025 liegt das jährliche Arbeitseinkommen bei 90 Prozent der Befragten unter 20.000 Euro. Besonders betroffen sind Frauen und Künstler unter 39 Jahren.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die mangelnde Entlohnung für die Präsentation von Werken. Während Museumswächter, Reinigungspersonal und Kuratoren bezahlt werden, wird von Künstlern oft erwartet, ihre Arbeit kostenlos zur Verfügung zu stellen. Neben fehlenden Honoraren müssen die Kunstschaffenden oft Transport-, Reise- und Dokumentationskosten selbst tragen.


Osnabrück als möglicher Vorreiter

Trotz dieser bundesweiten Problematik gibt es in Osnabrück Ansätze zur Besserung. In öffentlichen Ausstellungsräumen der Stadt sind Vergütungen bereits „durchaus üblich“, wenngleich eine verbindliche Regelung noch fehlt. Für das Projekt „Homegrown“ wurden Honorare explizit in die Förderanträge aufgenommen. Es gehe darum, dass Kunst ein „Lebensmittel“ ist, das faire Bedingungen zum Wachsen benötigt.


Im Gespräch mit Eva Lause

Im Gespräch erläutert Eva Lause, Projektleiterin, Künstlerin und zweite Vorsitzende des BBK Osnabrück, die dringende Notwendigkeit, wie die Situation von Kunstschaffenden verbessert werden kann. Sie betont, dass sich das Bewusstsein verändern muss, da Künstler oft ohne Bezahlung arbeiten und sogar noch draufzahlen, weil ihre Tätigkeit als Hobby missverstanden wird. Ein fairer Lohn auch für Ausstellungstätigkeiten ist dabei essenziell. Als Vision nennt sie ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kunstschaffende zur Existenzabsicherung, basierend auf dem erfolgreichen Pilotprojekt „Basic Income for the Arts“ (BIA) in Irland.

Die Friedel- und Gisela-Bohnenkamp-Stiftung unterstützt die Ausstellung „Homegrown“, was es den Kunstschaffenden ermöglicht, Honorare gemäß den BBK-Richtlinien des Bundesverbands für Bildende Künstlerinnen und Künstler zu bekommen. Zudem werden durch die Stiftung Kosten wie der Eintritt übernommen, wodurch Kunst zugänglich gemacht wird. Abschließend stellt Lause die Raumnot und den Mangel an bezahlbaren Ateliers und Wohnungen in den Fokus. Übrig bleibe für viele, gerade junge Künstler:innen die Arbeit in den eigenen vier Wänden. Dies sei allerdings suboptimal, da viele Kunstschaffende mit gesundheits­schädigenden Materialien arbeiten. Auch die Größe der Werke ist in der eigenen Wohnung stark eingeschränkt. Ausreichende Atelierplätze sowie ein Umdenken in Bezug auf die Honorierung von Kunstschaffenden seien die ersten Schritte in die richtige Richtung, um Kunst und Kultur innerhalb der Stadt zu fördern. Mit diesem Projekt soll ein erstes Zeichen gesetzt werden.


Info: „Bedingungsloses Grundeinkommen in Irland“

In Irland hat 2022 das Pilotprojekt „Basic Income for the Arts“ (BIA) gestartet. Rund 2.000 Künstlerinnen, Künstlern und Kreativschaffenden wird über drei Jahre lang eine wöchentliche Zahlung gewährt. Ziel des Projekts ist es, die Existenz der Kulturschaffenden zu sichern, damit sie sich voll auf ihre kreative Tätigkeit konzentrieren können. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sehr erfolgreich ist, mit positiven Effekten auf die mentale Gesundheit und die Produktivität

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