Eröffnung am Sonntag: Sonderausstellung zur Jüdischen Geschichte im Museumsquartier

Von Anziehung und Ausgrenzung: Neue Sonderausstellung beleuchtet spätmittelalterliches jüdisches Leben

Das Museumsquartier eröffnet morgen,  Sonntag, den 22. März. ab 11.10 Uhr die Sonderausstellung „Van den Yoden“. Die Schau dokumentiert erstmals umfassend die rund 170-jährigen Geschichte der ersten jüdischen Gemeinden in Osnabrück zwischen 1260 und 1430. Mit kostbaren Originalexponaten und einem modernen Lernlabor schlägt das Kulturgeschichtliche Museum die Brücke von historischen antijudaistischen Wurzeln bis hin zu aktuellen Formen des Antisemitismus.


Zwischen Privileg und Pogrom: 170 Jahre jüdische Präsenz

Die Ausstellung konzentriert sich auf eine Ära, die von einem spannungsreichen Nebeneinander geprägt war. Im Jahr 1309 holte der Osnabrücker Bischof gezielt jüdische Familien als Geldverleiher in die Stadt, da der christlichen Mehrheit das Zinsgeschäft untersagt war. „Es geht hier um Gesellschaftsgeschichte – das Miteinander einer christlichen Mehrheit und einer jüdischen Minderheit“, erklärt der Kurator der Ausstellung, Dr. Thorsten Heese.

Die Chronologie der Ansiedlung war jedoch gezeichnet von tiefer Ambivalenz:

  • Wirtschaftliche Integration: Jüdische Haushalte zahlten Steuern und trugen wesentlich zur Finanzierung des bischöflichen Haushalts bei.
  • Gewalt und Verfolgung: Während der Pestepidemie im Sommer 1350 kam es zu einem brutalen Pogrom, bei dem die Gemeinde nahezu ausgelöscht wurde.
  • Das Ende der Sesshaftigkeit: Nach der Gründung einer zweiten Gemeinde folgte 1424 der bischöfliche Verzicht auf das Schutzrecht. 1426 markiert die letzte belegte Steuerzahlung das Ende der mittelalterlichen jüdischen Ansiedlung in Osnabrück.
Ein Blick in die Ausstellung. Die präsentierten Figuren befinden sich im Original im Eingangsportal der Marenkirche. Foto: Toni Theilmeier

Eröffnung am Sonntag ab 11:30 Uhr

Zu erleben sind anlässlich der Eröffnung unter anderem Redebeiträge von Diana Häs und Michael Grünberg sowie eine Einführung in die Ausstellung durch Kurator Thorsten Heese. Es gibt auch einen Katalog zur Ausstellung. In den Osnabrücker Mitteilungen 124 (2019) hatte Thorsten Heese bereits einen lesenswerten Beitrag mit dem Titel „De joden belde“ veröffentlicht.


Ein Lernlabor gegen das Vergessen

Um die historischen Erkenntnisse in die heutige Lebenswelt zu übertragen, ist ein interaktives Lernlabor zentraler Bestandteil des Konzepts. Hier werden Besucher aktiv eingeladen, sich mit Vorurteilen und Stereotypen auseinanderzusetzen. Museumsdirektor Nils-Arne Kässens betont die Dringlichkeit des Projekts angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen: „Es schmerzt festzustellen, dass Antisemitismus immer mehr salonfähig wird und die Grenzen des Sagbaren verschoben werden“.

Das Labor nutzt unter anderem den sogenannten Anaglyph-Effekt: Erst durch eine rote Scheibe werden verborgene antisemitische Bilder und Aussagen sichtbar gemacht, um deren Wirkweise im Alltag zu verdeutlichen. Die Sonderausstellung geht bis zum 30. August 2026. Weitere Bilder von Toni Theilmeier in seinem Blog zu sehen.

 

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