Wenn man nachts nicht zur Ruhe kommt

Tipps zum erholsamen Schlaf

Prof. Dr. Matthias Boentert vom Klinikum Osnabrück erläutert, warum Schlafstörungen entstehen und welche einfachen Veränderungen zu erholsamerem Schlaf führen können.

Beim Thema „Schlafstörungen“ können viele Menschen mitreden – weil natürlich jeder von uns schläft und zudem Schlafstörungen häufig sind. Prof. Dr. Matthias Boentert, Facharzt für Neurologie, Schlafmediziner und Leiter des Departments für Schlafmedizin am Klinikum Osnabrück, erklärt wichtige Ursachen von Schlafstörungen und gibt Tipps, wie wir manchmal mit nur kleinen Veränderungen unserem Schlaf und damit uns selbst etwas Gutes tun können.

Wir legen uns jeden Abend ins Bett – doch erholsamer Schlaf ist längst nicht für alle selbstverständlich. Für den einen mag schlechter Schlaf ein nur gelegentliches Ärgernis sein. Für manch anderen aber ist jede nächste Nacht oder jeder neue Tag eine Tortur. Genau hier kommt der Schlafmediziner ins Spiel: ein Arzt, der sich darauf spezialisiert hat, die Geheimnisse unseres Schlafs zu entschlüsseln und Schlafstörungen möglichst gezielt zu behandeln.

Bereits wenige Nächte, in denen der Körper nicht zur Ruhe kommt, genügten, um Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wer sich lange im Bett wälzt, ehe er in den Schlaf findet, oder mitten in der Nacht hellwach ist und nicht wieder einschlafen kann, der sei am nächsten Tag müde, unkonzentriert, angespannt, reizbar und fühlt sich weniger vital. „Chronisch schlechter oder unzureichender Schlaf ist für Körper und Seele ungesund, verbunden mit einem erhöhten Risiko für Unfälle, Infekte, Demenz, Krebs und psychische Erkrankungen.

Schlafstörungen und die oft daraus folgende Tagesmüdigkeit können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Das Spektrum reicht von störenden Symptomen körperlicher Erkrankungen (z. B. Muskelkrämpfe, Schmerzen oder häufiges Wasserlassen) über Atmungsprobleme im Schlaf, unruhige Beine und Schlafwandeln bis hin zu äußeren Lebensumständen (z. B. Schichtarbeit) und den kleinen und großen Sorgen, die einem buchstäblich den Schlaf rauben können. Ein besonders starker Zusammenhang besteht zwischen Schlaf und Schmerzen: Wer an Schmerzen leidet, schläft schlechter, und wer schlecht schläft, nimmt Schmerzen eher und vor allem intensiver wahr.

Wenn Menschen trotz eigentlich guter Gesundheit und optimaler Umgebungsbedingungen regelmäßig schlecht schlafen, spricht man von einer chronischen Insomnie. Diese Art der Schlaflosigkeit hat häufig keinen erkennbaren Grund (mehr) und wird aufrechterhalten durch Gedanken und Verhaltensmuster, die dem guten Schlaf im Grunde abträglich sind. Dazu gehören laut Prof. Boentert z. B. der selbst gemachte Druck, unbedingt schlafen zu müssen, die Erwartung, dass es wieder nicht funktionieren wird, oder der fast zwanghafte Blick zur Uhr bei jedem Erwachen: „Der Blick auf den Wecker ist dann häufig ein Schuss, der nach hinten losgeht“.

Es gibt noch eine Reihe anderer Faktoren, die generell die Fähigkeit zu einem erholsamen Schlaf in unserer Gesellschaft ungünstig beeinflussen: zu wenig körperliche Betätigung, zu viel Bildschirmzeit und zu viel Lärm, Licht und Stress.

Für eine erfolgreiche Behandlung von Schlafstörungen braucht es zuerst ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt/Ärztin und Patient, damit dem Problem auf den Grund gegangen werden kann. Wenn die Ursachen herausgearbeitet sind oder in einer Schlaflaboruntersuchung festgestellt werden konnten, ist der nächste Schritt eine möglichst zielgerichtete Therapie. Laut Prof. Boentert spielen klassische Schlafmittel in diesem Zusammenhang nur eine Nebenrolle. „Schlafmittel sollten so wenig und so kurz wie möglich und nur als unterstützende Maßnahme eingenommen werden.

Bei der nicht durch körperliche oder psychische Krankheiten verursachten chronischen Insomnie von Schlaflosigkeit sind vor allem Maßnahmen wirksam, die auf der Verhaltensebene ansetzen.“ Dazu zählt besonders die Verbesserung der Schlafhygiene – also regelmäßige Schlafzeiten, ungestörte Schlafumgebung, und möglichst gute Entspannung am Abend. Auch sollte man den Fernseher oder das „technische Endgerät“ mindestens 30 Minuten vor der Bettruhe ausschalten.

Und es gibt sogar zwei Dinge, mit denen man sich schon am Tag auf die kommende Nacht vorbereiten kann: einerseits Bewegung an der frischen Luft und andererseits der Verzicht auf einen zu langen oder zu späten Mittagsschlaf – denn wer tagsüber mehr macht als nur ein kurzes Nickerchen, der verringert zwangsläufig den Schlafdruck, der für einen guten Schlaf in der Nacht gebraucht wird.


Sind Uhren und Ringe mit Schlafüberwachung das neue „Schlaflabor to go“?

Und was hält der Schlafmediziner von smarten Ringen und Uhren, die Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Schlafstadien aufzeichnen? Sind sie das neue „Schlaflabor to go“? „Zwischen den Geräten gibt es große Unterschiede bei der Messgenauigkeit. Und bisher ist keines so gut oder aussagekräftig wie eine Untersuchung im Schlaflabor“, so Boentert. Gerade bei chronischer Insomnie sei es zudem nicht unbedingt hilfreich, den eigenen Schlaf permanent zu tracken, weil das die oft ängstlich gefärbte Überaufmerksamkeit für das Problem und damit das Problem selbst verstärken kann.

Die Schlussfolgerung des Osnabrücker Professors lautet: Wer regelmäßig schlecht schläft oder unter starker Tagesmüdigkeit leidet, der sollte das Problem zuerst beim Hausarzt ansprechen. Bei Bedarf kann von dort aus eine Überweisung zum Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie, zum Lungenfacharzt oder zum Schlafmediziner erfolgen. Für Ärztinnen und Ärzte gilt, dass sie auch beim Thema „Schlaf“ eine möglichst umfassende Perspektive auf Körper, Psyche und Lebensumfeld einnehmen.

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