Einnahmen des Fundsachenverkaufs gehen an wohltätige Projekte
Am Sonntag, dem 12. 4., fand der diesjährige Frühjahrs-Flohmarkt im Moskaubad statt. Hinter dem großen Besucherandrang bei bestem Wetter, den Stapeln an Gebrauchtem und Aussortiertem sowie den üblichen Verkehrsproblemen verbirgt sich aber viel mehr. Badleiter Kenneth Fischer gibt Auskunft.
Schon bevor ich mein Fahrrad geparkt habe, ergibt sich ein erstes Gespräch mit Verkäufern. Karla Oevermann und Lukas Glandorf sind aus Damme angereist und hoffen auf gute Geschäfte und nette Gespräche. Ihr Auto ist voll mit Kartons, die sie leeren möchten.
Die Menschen stauen sich die Straße entlang, soweit das Auge blickt. Berge von Waren stapeln sich auf dem Gehweg, bis dann um Acht dann angemeldete VerkäuferInnen eingelassen werden. Badleiter Fischer passt an einem von zwei Einlasstoren genau auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sind doch gewerbliche Anbieter auf dem Moskaubad-Flohmarkt nicht zugelassen, und in der Tat werden zwei Stände im Laufe des Tages geschlossen, weil der Verdacht auf gewerbliche Tätigkeit besteht.

Fischer fand aber doch die Zeit zu einem Gespräch über den Markt und seine Besonderheit. Viele BesucherInnen drängten sich am SWO-Stand, an dem auch heute wieder Fundsachen angeboten wurden. Bis zum ersten Kilo Gewicht von Handtüchern, Chlorbrillen, Badebekleidung und sogar einer Seejungfrauen-Heckflosse (das ist sicher nicht das richtige Wort, ich weiß) bezahlten Käufer vier Euro, bis zum zweiten Kilo acht und so weiter. Das Besondere: Alle Einnahmen werden für wohltätige Zwecke gespendet.
In diesem Frühjahr wurden die Gelder vom letzten Jahr verteilt, es erhielten das Mütter-und-Kind – Haus sowie das Mehrgenerationenhaus je 1000 Euro. KäuferInnen können sich übrigens sicher sein, dass sie nicht beim nächsten Badbesuch plötzlich ihre Sachen abgeben müssen: Alle Fundsachen werden zunächst den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend mindestens sechs Monate aufbewahrt und gehen dann erst auf den Markt.
Auf dem Weg zum SWO-Fundsachenstand traf ich Eva Knechtel aus Beckum-Neuenkirchen, die mit ihrem Hund den weiten Weg nach Osnabrück zurückgelegt hatte, um unter anderem die Kinderbücher ihrer Familie abzugeben. Gut erhalten und zu einem vernünftigen Preis haben sicherlich einige davon neue LeserInnen gefunden.
Am Ziel meiner Reise durch die Menschenmenge angekommen erwartete mich strenge Organisation.
Flatterband verhinderte, dass sich KäuferInnen auf die Tische mit Fundsachen stürzten; eine lange Schlange hatte sich gebildet. Badangestellte Kerstin Heidemann verriet, dass am Ende des Tages übriggebliebene Handtücher zum Tierheim gebracht werden. Auch nicht verkaufte Waren aller Art können auf dem Markt hinterlassen werden: Die Sachen werden dann ebenfalls gespendet. Als besonders freundlich empfand ich Kerstins („Alle hier kennen mich als Kerstin“) Angebot, mich den Turm der Rutsche erklimmen zu lassen; das ersparte mir den Kauf der Drohne vom Nachbarstand.
Ein Gang über den Markt stand auch auf dem Programm. Die Studentinnen Sophie Nöth, Finja Weiler und Meret Banninger präsentierten einen ansprechend gestalteten Tisch mit Modeschmuck und Kleidung. Den Spaß, den sie hatten, konnte man schon von weitem an ihren Gesichtsausdrücken erkennen. Ein Foto? Aber sicher.
Auch an anderen Ständen war die Stimmung gut. Die dort mit hingebrachten Waren waren breit gefächert, ein fast lebensgroßes Stoffpony wechselte sich mit goldenen High Heels ab, eine Herde Labubus bestaunte ein paar Schuhe für 260 Euro. Eine wirkliche Besonderheit war eine Kiste mit Amethysten aus Uruguay, mitgebracht vom Schwiegervater des Verkäufers in den sechziger Jahren. Die Steine waren noch in uruguayische Zeitungen und alte Linienschiffs-Fahrpläne verpackt.
Und die Käufer? Die gab es natürlich auch. DJ Garagenpeter war begeistert von der Rockenzyklopädie, die er ergattert hatte, aber den Vogel muss wohl Chris aus Melle abgeschossen haben, der schwer bepackt mit mehreren Kisten und Taschen voll Playmo für seine Sammlung abzog.
Aber zurück zu Badleiter Fischer. Nach Beendigung des Marktes zeigte er sich zufrieden. Geschätzt bis zu 15.000 BesucherInnen hatten sich über ca. 350 Stände hergemacht. Der wirtschaftliche Erfolg für das Bad? Den gibt es nicht, so Fischer. Auch Standgebühren von 25 Euro und Parkplatzkarten für 10 spielen den Aufwand vor, während und nach der Veranstaltung nicht ein. Der Zugang zum Markt soll aber trotzdem für BesucherInnen kostenfrei bleiben, denn auf die Publicity kommt es an. Die Institution Moskaubad-Flohmarkt tut viel für das positive Image des Bades.
Auf Bezahlkarten für Geflüchtete angesprochen und die Schwierigkeiten, die die Karten beim Kauf von dringend benötigten Gebrauchtwaren mit sich bringen, wird Fischer nachdenklich. Zahlen zu eventuellen Auswirkungen auf den Markt gibt es natürlich nicht, aber er kann das Problem nachempfinden.
Mehr Fotos befinden sich auf meinen Blog.
Den Termin für den Herbstmarkt kann man sich übrigens schon notieren: Es ist der 11. Oktober.












