Vorspiel im Wohnzimmer: VfL gegen SC Verl

Unsere ohnehin umfangreiche VfL-Berichterstattung wird ab sofort um ein neues Format ergänzt, und zwar um das „Vorspiel im Gästezimmer“ und das „Vorspiel im Wohnzimmer“.
Verantwortlich für das „Gästezimmer“ ist Janis Weber, der schon einige interessante Beiträge für die OR verfasst hat und VfL-Fans vom Podcast Ostkurvenchor hinlänglich bekannt sein dürfte.

Das Wohnzimmer räumt Lars Mosel vor jedem Heimspiel auf, der vor allem als Mitglied der ersten Stunde des VfL-Podcasts auf OS-Radio 104,8 berühmt und zugleich berüchtigt wurde: „Ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten“, ein unvergessener Satz, mit dem der erste VfL-Podcast eröffnet wurde und der schon früh die mafiöse Grundstruktur der OR offenbarte.

 

Vorschau auf das Heimspiel gegen den SC Verl
mit persönlichen Einschätzungen von Janis Weber, Lars Mosel und Frank Schneider (Ali Bölzen)

Nach den zwei 1:0-Siegen gegen den FC Energie Cottbus und beim FC Ingolstadt trifft der VfL Osnabrück am Samstag um 14:00 Uhr auf den SC Verl. Der Gegner hat sich in den letzten Wochen zwar nicht aus dem Aufstiegskampf verabschiedet, stellt aber tabellarisch keine Gefahr mehr dar. Während die Westfalen nach dem 30. Spieltag noch auf dem dritten Platz mit nur 7 Punkten Rückstand auf unsere Mannschaft lagen, sind es jetzt nach dem 34. Spieltag bereits 12 Punkte. Da nur noch 12 Punkte zu vergeben sind, ist der VfL für Verl quasi nicht mehr einzuholen. Das lag vor allem daran, dass gegen die Abstiegskandidaten Ulm (0:1) und Aue (1:1) überraschend Punkte liegen gelassen wurden und auch das Heimspiel gegen Rostock mit 1:2 verloren ging. Das 2:0 gegen Viktoria Köln am letzten Samstag hält den SC zwar im Aufstiegsrennen, da der Abstand zum Relegationsrang nur 5 Punkte beträgt, aber den VfL können sie halt nicht mehr gefährden.

Um bei der Bilanz positiv anzufangen, kann man erwähnen, dass von den bisherigen 11 Spielen nur 5 verloren wurden. Dagegen stehen 5 Siege und ein Unentschieden. In den letzten 7 Spielen seit dem Aufstieg des SC Verl in die Dritte Liga stehen für den VfL 3 Siege, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen zu Buche. Diese 2 Niederlagen waren allerdings in den letzten 2 Spielen und fielen mit 1:4 im Hinspiel in Verl und 0:3 an der Bremer Brücke in der letzten Saison schon recht heftig aus. Insbesondere das Hinspiel hat der aktuellen Mannschaft in der damaligen Situation die Grenzen aufgezeigt und war auch in der Höhe verdient.

Erst seit der letzten Saison darf der SC Verl seine Heimspiele auch in der heimischen Sportclub Arena austragen, da erst eine Regeländerung auch Spielstätten mit 5.000 Zuschauern zulässt. Diese Besonderheit sorgte für ein echtes Kuriosum in den Vergleichen. Das „Heimspiel“ von Verl gegen den VfL am 01.11.2021 fand in Lotte statt und wurde vor 5.224 vornehmlich lila-weißen Zuschauern durch Tore von Maurice Trapp und Sebastian Klaas mit 2:1 gewonnen. Als besondere Unterhaltung wurde dabei sogar eine handfeste Rangelei zwischen Lotteraner Fans und Anhängern des SC Verl geboten.


Auf’m Platz

Der SC Verl ist wohl die spielstärkste Mannschaft, was nicht nur der VfL im Hinspiel leidvoll erfahren musste, sondern sich auch in der Anzahl der geschossenen Tore widerspiegelt. In dieser Kategorie ist Verl mit 74 geschossenen Toren noch immer der Primus der Liga und hat damit 18 Tore mehr erzielt als der VfL. Allerdings steht die Abwehr nicht ganz so stabil wie die des VfL. In 34 Spielen kassierte der SC zwar „nur“ 45 Tore (Platz 4), der VfL aber führt diese Kategorie mit 27 Gegentoren an.

Insbesondere die sehr starke Spieleröffnung, angefangen beim Torwart Schulze, stellt Gegner reihenweise vor Probleme. Sobald nur halbherzig gepresst wird, gelingt es den Schwarz-Weißen häufig, die erste Reihe zu überspielen, und dann geht es über Unterschiedsspieler wie Berkan Taz, Jonas Arweiler, Alessio Besio und Timur Gayret oftmals ganz schnell, bis der Ball im Tor liegt.

Die beiden genannten Spieler Gayret und Besio werden an der Bremer Brücke aufgrund von Verletzungen nicht auflaufen können.

Dennoch hat der SC Verl genügend Spieler in seinen Reihen, die dem VfL das Leben schwer machen können. Berkan Taz sammelte bereits 33 Scorerpunkte (16 Tore / 17 Vorlagen), Jonas Arweiler schoss bereits 13 Tore, obwohl er meist Einwechselspieler ist, und der rechte Verteidiger Oualid Mhamdi kommt auf 15 Scorerpunkte (7 Tore / 8 Vorlagen).

Auf die leichte Schulter sollte diese Mannschaft nicht genommen werden. Aber das wird beim VfL auch niemand tun.


Gästeanhang

Der SC Verl verfügt über keinen besonders großen Anhang und ist in den meisten Spielen selbst zu Hause in Unterzahl. Dennoch werden sicherlich einige hundert Zuschauer die nur ca. 80 km lange Fahrt auf sich nehmen, um die so ziemlich letzte Chance auf den Aufstieg zu begleiten.

Besonderheit: Unser Nachbar SF Lotte wird dem SC Verl die Daumen drücken, ist doch das Erreichen des 4. Platzes für den SC Verl gleichbedeutend mit der Qualifikation der Sportfreunde für den DFB-Pokal im nächsten Jahr. Schafft Verl diese Platzierung nicht, so müsste Lotte im Finale des Westfalenpokals den SC schlagen.


Prognose Janis Weber (Podcast Ostkurvenchor)

Wenn der Sportclub in Sachen Aufstieg noch ein Wörtchen mitreden möchte, dann müssen drei Punkte an der Brücke her. Auf Osnabrücker Seite wiederum sollten der Aufstieg vor Augen und die deutliche Niederlage im Hinspiel Motivation genug sein. Das wird ein intensives Spiel, in dem doppelt so viele Tore fallen, wie es der Durchschnitt der letzten drei Spiele des VfL hergibt: Ich tippe auf ein 1:1. Die Führung durch Meißner bringt Lila-Weiß leider nicht über die Zeit.


Prognose Lars Mosel (Osnabrücker Rundschau)

Der SC Verl liegt dem VfL von der Spielweise einfach nicht, und so steht am Ende ein eher glückliches 1:1. Nach einem Rückstand in der ersten Halbzeit gelingt Niklas Wiemann nach einer Ecke zumindest noch der Ausgleich. In einem umkämpften Spiel, bei dem der VfL auf den Siegtreffer drängt, gelingt es der Auswärtsmannschaft immer wieder, schnell vor das Tor des VfL zu kommen, sie scheitert dann aber letztlich an der Hintermannschaft und an Lukas Jonsson. Ein Punkt, der auf den ersten Blick wenig erscheint, ist dennoch ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Aufstieg, da die Verfolger Duisburg und/oder Cottbus nicht gewinnen.


Prognose Frank Schneider / Ali Bölzen (Osnabrücker Rundschau)

Den VfL in seinem Lauf hält weder Ochs noch Wollitz auf – zumal der Weltgeist von Cottbus einst gesagt hat, dass wir aufsteigen. Gegen diese metaphysische Wucht können auch die technisch versierten Verler Ballzirkulierer nichts ausrichten. Während der Gegner einige schöne Ballstafetten zeigt, macht der VfL wie zuletzt gegen Ingolstadt das Ergebnis zum Spektakel. Denn anders als im Hinspiel wird die Schönheit des Verler Spiels diesmal eine brotlose Kunst bleiben, weil die VfL-Defensive wieder stabil steht wie Muhammad Ali in der Hochphase seiner Karriere als Schwergewichtsboxer. Das einzige Tor – das spielentscheidende 1:0 – wird jener Akteur aus der Combo der „Guten Bengelz“ machen, der inzwischen zum Unterschiedsjoker gereift ist, nämlich Isi Badjie. Und Hörer*innen des VfL-Podcasts und des Ostkurvenchors wissen: Wenn Badjie trifft, gewinnt der VfL. Daher wird er von seinen Mitspielern auch „Decider“ genannt. Schöner hätte es der Weltgeist von Cottbus nicht ausdrücken können. Meine Prognose in der Kurzfassung für Schnelllesende: Isi Badjie – der „Decider“ – trifft, Nomen ist Omen, das Tor zum 1:0 reicht, also Sieg für den VfL .

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