Wenn es noch eines Beweises über das Können von Darstellern und Orchester des Osnabrücker Stadttheaters bedurft hätte – hier ist er.
Ulrich Mokrusch hat sich der Inszenierung dieser modernen Oper von André Previn nach dem Theaterstück von Tennessee Williams angenommen. Das ursprüngliche Bühnenstück stammt aus dem Jahr 1947 (Uraufführung), wurde als Oper aber erst 1998 in San Franzisco auf die Bühne gebracht.
Die Geschichte: Die Schwestern Blanche (Susann Vent-Wunderlich – einfach eine Wucht!) und Stella (Susanna Edelmann – toll als angepasste und ihrem schwer arbeitenden Mann dienende Hausfrau) leben in vollkommen unterschiedlichen Welten. Während Stella früh aus dem mondänen Familienbesitz „Belle Rêve“ am Mississipi mit ihrem Mann in einen Trailerpark umzog und seit dem in ärmlichen Verhältnissen, aber halbwegs glücklich, wohnt, blieb Blanche im Elternhaus und musste miterleben, wie der Reichtum unter die Räder geriet und letztendlich der gesamte Besitz versteigert werde musste, um die Schulden zu bedienen.
Mit einem Koffer voller schicker Kleider und angeblicher Geschenke von früheren Verehrern macht sich Blanche auf den Weg zu ihrer Schwester, um dort ein Weilchen zu wohnen.
Der Trailer (Wohnwagen) besteht jedoch nur aus zwei Zimmern und einem angebauten Bad, so dass es nicht ausbleibt, wenn es zwischen Stellas Mann Stanley (Jan Friedlich Eggers – glänzt grausam in seiner Rolle als Südstaatenmacho mit Neigung zu Gewaltattacken) und Blanche bald immer wieder kracht, während Stella versucht zu vermitteln.
Zwischen Blanche und Stanley kommt es gegen Ende zu einem Showdown, der Blanche vollends zu zerbrechen scheint. Ob es während des Zweikampfes der klamaukigen Zuschauer (Stanleys Pokerfreunde) bedurft hätte, muss das Publikum selbst entscheiden.
Das gesamte Ensemble verwebt die schauspielerische mit der gesanglichen Leistung derart gekonnt, dass die Übertitel eigentlich nicht notwendig wären.
Und das bei einer musikalischen Begleitung durch das von Christopher Lichtenstein angeleitete Orchester, die eher die Szenen wie Filmmusik unterstützen als dass sie der Gesangsuntermalung dient. Kein Wunder, war doch der Opernkomponist André Previn ursprünglich unter anderem gefeierter Filmkomponist.
Lichtenstein lässt das Orchester aufbrausen, wenn sich Konflikte anbahnen und zurücknehmen, wenn das Stück in eine (trügerische) Ruhe fällt und unterstützt so die Darsteller auf der Bühne wie es besser nicht sein kann.
Musikalisch hört man hier und da Jazz- und Blues-Anklänge heraus, die dem Ort der Handlung Rechnung tragen (Mississippi, New Orleans) – so hat Previn, der auch ein hochgeachteter Jazz-Pianist war, sich hier selbst verewigt.
Die Premierengäste im fast ausverkauften Haus feierten Ensemble und Orchester verdient mit minutenlangem stehenden Applaus.
Es gibt noch Tickets für die kommenden Aufführungen: www.theater-osnabrueck.de/spielplan-detail/












