Berliner Kollektiv „KÖNIG“ mit dem 35. Rosa-Courage-Preis im Friedenssaal geehrt

Jubiläumsverleihung würdigt Drag-Kunst als politisches Statement für Freiheit und gegen gesellschaftliche Polarisierung

Der historische Friedenssaal des Rathauses bildete am Donnerstag, den 30. April, die feierliche Kulisse für ein besonders Jubiläum: Zum 35. Mal wurde der Rosa-Courage-Preis im Rahmen des queeren Kulturfestivals „Gay in May“ verliehen. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an das Berliner Dragshow-Kollektiv „KÖNIG“, bestehend aus Francis Hanlon, Ark Lucia, Papi Pistola, Buba Sababa und Ruco la Pesto, für deren herausragendes Engagement in der Bildungsarbeit und die Förderung queerer Sichtbarkeit.

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter hieß die Gäste im Herzen der Stadt willkommen und betonte, dass die Verleihung an diesem geschichtsträchtigen Ort kein Zufall, sondern ein bewusstes politisches Statement für die Friedensstadt sei. Sie definierte Frieden dabei nicht nur als die Abwesenheit von Krieg, sondern vielmehr als die „Anwesenheit von Freiheit“, für die das Kollektiv beispielhaft einstehe. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch das Devereaux Orchestra mit Jonas Schoster und Angelino Wagner.

In ihrer Festrede würdigte Pötter die Arbeit des Ensembles, das in sogenannten „Drag-Laboratorien“ Geschlechterrollen dekonstruiere und insbesondere jungen Menschen vermittle, dass Identität ein fließender, selbst gestaltbarer Prozess sei. Besonders hob sie hervor, dass die Künstler die „Großstadtblase“ verlassen, um im ländlichen Raum Infrastrukturen für queeres Leben zu stärken, damit dieses überall sicher und selbstverständlich sein könne. Die Oberbürgermeisterin fand zudem deutliche Worte gegen aktuelle gesellschaftliche Hetzkampagnen und stellte klar, dass nicht die Menschen auf der Bühne eine Gefahr darstellen, sondern jene, die Angst und Hass säen.

Die Laudatorin Leonie Plaar, bezeichnete das Kollektiv als „fleischgewordenen Alptraum des Patriarchats“ und betonte die Notwendigkeit, gerade die oft unsichtbar gemachte Geschichte von Dragkings und transmaskulinen Personen gezielt ans Licht zu bringen. Sie lobte die Verbindung aus Kunst, Community und aktivistischen Empowerment als eine Arbeit, die buchstäblich Leben retten könne.

In ihrer Dankesrede betonten die Mitglieder von „KÖNIG“ den Charakter ihres Projekts als „Gemeinschaftsbauprojekt“, das zu großen Teilen auf ehrenamtlicher Basis funktioniere. Der Gründer Buba Sababa schilderte den Beginn in einem Berliner Wohnzimmer aus dem Wunsch heraus, eine freie Gemeinschaft für Dragkings zu schaffen, die historisch oft weniger archiviert und wissenschaftlich beachtet wurden als andere Drag-Formen. Das Kollektiv verstehe seine Arbeit als „Drag King Revolution“, die eine gesunde Maskulinität jenseits patriarchaler Muster anstrebe und insbesondere für Migranten eine „gewählte Familie“ biete, die Unterstützung bei Visafragen, Gesundheit und dem täglichen Leben leiste.

Anlässlich des Jubiläums war die Veranstaltung zudem von einer besonderen Retrospektive geprägt, da zahlreiche ehemalige Preisträger anwesend waren. Zu den Geehrten, die sich neben den aktuellen Preisträgern in das Goldene Buch der Stadt Osnabrück eintrugen, gehörten Hans Hengelein (2006), Ralf König (2010), Alfred Miniakhmetov (2014), Liz Frank (2016) sowie die jüngsten Preisträger Heinrich Horwitz (#actout, 2024) und Pierre Stutz, Maike Axenkopf sowie Ann-Cathrin Röttger (#outinchurch, 2024).

Der Rosa-Courage-Preis, der seit 1992 als fester Bestandteil des ältesten queeren Kulturfestivals Deutschlands vergeben wird, unterstrich mit dieser Verleihung erneut seinen Anspruch, Mut und zivilgesellschaftliches Engagement für die LSBTIQA*-Community zu würdigen. Die Einordnung in den Kontext des Friedenssaals verdeutlichte, dass der Kampf um Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung als integraler Bestandteil einer freien Stadtgesellschaft verstanden wird.

Weitere Bilder sind auf dem Blog von Toni Theilmeier zu finden.

 

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