Ein komfortables Fußballwochenende für alle VfL-Fans

Dritte Liga: Wir sind schon oben, der Rest sucht heute noch das Podium

Es gibt diese seltenen Momente im Leben von VfL-Fans, da müssen wir nicht auf fremde Plätze starren, keine Tabellenstände addieren, keine Tordifferenzen murmelnd anbeten und auch nicht hoffen, dass irgendwo ein Gegner, der seit Wochen unter aller Sau spielt, plötzlich so etwas wie Charakter entdeckt.

Nein, dieses Mal hocken wir auf dem Sofa, haben den Kaffeepott in Griffweite und schauen ganz entspannt zu, wie der Rest der 3. Liga noch hektisch nach Ausgang, Aufzug oder Bedienungsanleitung sucht, denn unser VfL ist längst mit allem durch.

All das klingt an der Bremer Brücke fast verdächtig unglaubwürdig. Normalerweise kommt der Mai bei uns mit Puls, Resthoffnung und diesem leichten Verdacht, dass in der Nachspielzeit noch jemand die Statik des eigenen Nervenkostüms prüft. Dieses Mal nicht. Dieses Mal haben wir den ganzen Kram ausgelagert — nach Cottbus, Duisburg, Essen und Rostock.

Während dort gerechnet, gezittert und auf fremde Hilfe gehofft wird, dürfen wir diesen Spieltag betrachten wie eine extra für den VfL inszenierte Sondersendung, in der andere Mannschaften in Gummistiefeln durch tiefste Tabellenschmöttke stapfen. Unser VfL hingegen fährt zum gemütlichen Betriebsausflug nach Großaspach zum VfB Stuttgart II, was sich für lila-weiße Verhältnisse schon fast unanständig bequem anhört.

Hinter uns sieht es in der Tabelle deutlich unaufgeräumter aus. Cottbus will direkt mit hoch, Duisburg und Rot-Weiss Essen lauern, als hätten sie den Fahrstuhl schon gehört, aber den Knopf noch nicht gefunden. Rostock pflegt derweil eine Hoffnung, die selbst der Taschenrechner nur noch mit einem müden „Ach, nun lass ma‘ lieber gut sein“ kommentiert.

Und weil wir gerade so herrlich entspannt sind, schauen wir kurz nach oben: In der Bundesliga wird unten zwischen St. Pauli, Heidenheim und Wolfsburg gemeinschaftlich um das Erreichen des Relegationsplatzes gezittert. Wenigstens mit zwei von diesen Vereinen spielt der VfL demnächst in einer Liga.

In der 2. Liga drängeln sich hinter Meister Schalke 04 oben am Fahrstuhl Elversberg, Hannover und Paderborn um Platz zwei und drei, und unten fragt man sich, wer neben Preußen Münster noch in die 3. Liga geschickt wird. Greuther Fürth, Bielefeld, Düsseldorf, Braunschweig, Dresden und selbst noch Magdeburg dürften morgen Nachmittag aktuelle Ergebnisse und Tabellenstände lesen wie vorläufige Zwischenbescheide ohne Revisionsmöglichkeit.

Für uns hat das alles eine ganz besondere Note: Wir steigen auf und schauen gleichzeitig zu, wer uns entgegenkommt. Ein bisschen wie beim Umzug im Treppenhaus. Wir tragen unsere Kartons nach oben, während von dort jemand mit zerknittertem Blick und einem sehr schweren Sofa nach unten stolpert. Man nickt freundlich, sagt: „Na, auch noch viel vor heute?“ — und geht schulterzuckend weiter.

Die 3. Liga sortiert hektisch ihre Umzugskartons, die Bundesliga macht unten Geräusche wie ein alter Heizkörper, und in der Zweiten wird vor dem Fahrstuhl gnadenlos gedrängelt. Wir aber schauen nur interessiert zu und genießen diesen seltenen Luxus: keine Rechnerei, keine Panik, keine Tabellenakrobatik. Nur Meisterschaft, Aufstieg und ein ziemlich breites Grinsen. Kär, Kär, Kär — so entspannt kann Fußball sein. Unfassbar.

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