Internationaler Museumstag zieht zahlreiche Besucher an
Am Sonntag, dem 17. Mai, stand auch in Bremerhaven der alljährliche Internationale Museumstag im Zeichen des kulturellen Austauschs und der historischen Aufarbeitung. Das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) sowie das benachbarte Deutsche Auswandererhaus (DAH) öffneten anlässlich des weltweiten Aktionstags ihre Türen für das Publikum.
Während das DSM mit spannenden Führungen lockte, präsentierte das DAH, das seit über 20 Jahren Migrationsgeschichte erfahrbar macht, seine weitreichenden Sammlungen und Ausstellungsprojekte. Der Aktionstag, der bereits seit 1978 jährlich ausgerufen wird, soll auf die gesellschaftliche Bedeutung von Museen aufmerksam machen und verzeichnete landesweit – so auch in Osnabrück – eine hohe Resonanz.
Einblicke in Jahrhunderte der Migration und Schifffahrt
Im Zentrum des Besucherinteresses in Bremerhaven stand die Verknüpfung von maritimer Geschichte und individuellen Lebenswegen. Das Deutsche Auswandererhaus, gelegen am historischen Standort des Neuen Hafens, von dem zwischen 1830 und 1974 über sieben Millionen Menschen nach Übersee aufbrachen, nutzte den Tag, um die Vielschichtigkeit von Aus- und Einwanderungsprozessen darzustellen. Die dortige Dauerausstellung erstreckt sich über eine Fläche von 3.340 Quadratmetern und verknüpft historische Exponate mit Rekonstruktionen geschichtlicher Räume sowie über 50 Zeitzeugen-Interviews.

Wie eng die regionale Geschichte mit globalen Ereignissen verwoben ist, demonstrierte das Auswandererhaus jüngst auch durch die Vorbereitung einer Sonderausstellung im Deutschen Bundesrat. Unter dem Titel „16/16 Geschichten aus dem Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven“ – initiiert auf Einladung des Bremer Bürgermeisters und amtierenden Bundesratspräsidenten Dr. Andreas Bovenschulte – zeigt das Haus biografische Netzwerke vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Bovenschulte betonte im Vorfeld der Schau die gesellschaftliche Relevanz dieser Aufarbeitung: „Die 16 Lebenswege dieser Ausstellung laden dazu ein, Migration aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und ein tieferes Verständnis füreinander zu entwickeln.“ Die Biografien, darunter jene eines Revolutionsflüchtlings aus dem Jahr 1800 oder die Hürden eines Auswanderers während der jüngsten Corona-Pandemie, spiegeln das konzeptionelle Fundament des Hauses wider.
Direkt nebenan bildete das Deutsche Schifffahrtsmuseum das maritime Pendant. Mit seinem kostenfreien Zugang am Aktionstag ermöglichte es den Gästen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der deutschen Seefahrtsgeschichte, dem Schiffbau und der Erforschung der Meere, was eine logische Ergänzung zu den Migrationsrouten des Auswandererhauses darstellen. Ein Abstecher des Redakteurs in das nahegelegene Klimahaus Bremerhaven rundete das vielfältige Angebot an den Wissensprojekten der Hafenstadt ab.
Vergleich zur Museumslandschaft in Osnabrück
Der internationale Museumstag fand nicht nur an der Küste großen Anklang, sondern bewegte zeitgleich die Menschen im Binnenland. In Osnabrück boten zahlreiche Kultureinrichtungen ein vergleichbar dichtes Programm. Dabei lassen sich deutliche konzeptionelle Parallelen zwischen den beiden Städten ziehen: Während Bremerhaven mit dem Auswandererhaus die großen internationalen Flucht- und Migrationsbewegungen über die Weltmeere ins Zentrum rückt, widmet sich in Osnabrück beispielsweise das Museumsquarter mit dem Felix-Nussbaum-Haus ebenfalls den Themen Vertreibung, Exil und Identität in seiner aktuellen Ausstellung „Van den Yoden“, wenn auch mit einem anderen Schwerpunkt.
Auch der technische und historische Wandel, der im Deutschen Schifffahrtsmuseum über die maritime Wirtschaft erzählt wird, findet sein Osnabrücker Äquivalent im Museum Industriekultur (MIK), welches den regionalen Strukturwandel und die Arbeitswelten der Industrialisierung beleuchtet. Beide Standorte zeigten am 17. Mai, wie lokale Geschichte global eingeordnet werden kann.
Hintergrund des Aktionstags
Der Internationale Museumstag wird seit 1978 vom Internationalen Museumsrat (ICOM) ausgerufen. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung von Museen als Institutionen im Dienste der Gesellschaft und deren Entwicklung zu stärken. Das Deutsche Auswandererhaus, das selbst Mitglied im Deutschen Museumsbund und im International Council of Museums ist, verzeichnet seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 über 3,2 Millionen Besucher und beherbergt eine Sammlung von rund 35.000 Objekten zur Migrationsgeschichte ab dem Jahr 1692.











