Nachlese: Queeres Literaturfestival im Rahmen von Gay in May 2026

Wider die Ausgrenzung: Die Autor*innen Leonie Plaar, Maë Schwinghammer, Sonja M. Schulz und Nino Bulling stellten mit klaren Ansagen an unsere Gesellschaft ihre Bücher in der Lagerhalle Osnabrück vor.

Die Veranstalter des kleinen Literaturfestes im Rahmen des Gay-in-May-Wochenendes, der Verein „Gay in May“ und das Literaturbüro Westniedersachsen haben eingeladen und viele Interessierte Menschen sind in die Lagerhalle gekommen, um die verschiedenen Literaturveranstaltungen zu besuchen. Alleine am Samstagvormittag waren rund 80 Personen im Foyer zugegen, um der Lesung mit Leonie Plaar, Maë Schwinghammer und Sonja M. Schulz zu lauschen. Und diese Veranstaltung hatte es in sich.

Die ursprünglich aus Osnabrück stammende Leonie Plaar übernahm die Moderation und sprach zunächst mit Maë Schwinghammer über ihr Buch „alles dazwischen, darüber hinaus“.

Maë thematisiert darin ihr schwieriges Aufwachsen als sogenanntes Arbeiterkind und die damit in sie gesetzten Erwartungen der Umwelt, die sie aber gefühlt nicht erfüllen konnte und dadurch hin- und hertaumelt. Die Suche nach Identität der als Junge geborenen Maë setzt bereits als Kind ein, sie fühlt sich anders – so bekommt der Songtext (den sie bei der Lesung auch singt) „I’m a big, big, girl in a big, big world“ für die Zuhörer und Leser eine ganz besondere Bedeutung, eine, die auch Maë spürt.
Inzwischen hat sich Maë Schwinghammer arrangiert in einer Welt, die vielfach nicht die ihre ist.

Sonja M. Schulz stellt ihr Buch „Mauerpogo“ vor. Eine Geschichte, ausgedacht zwar, aber tief recherchiert über Punk und lesbisch-sein in der ehemaligen DDR. Unter anderem beschreibt sie recht drastisch die Verhörmethoden der Polizei und das Verhaften wegen „unsittlichem Verhalten“. Erschreckend waren allerdings nicht allein die vorgelesenen Textstellen (wer sich auch nur ein wenig mit der DDR-Diktatur beschäftigt hat, dem dürfte das bekannt sein), sondern die Erlebnisse, die Sonja M. Schulz während ihrer Recherche in den neuen Bundesländern erlebt hat:
Dort ist man teilweise bereits wieder nahe dran an der Verfolgung z. B. queerer Menschen, frei denken und leben wollender Bürger*innen (gedacht hatte ich nach den Schilderungen „wann wohl der rosa Winkel wieder angeheftet werden muss?“).

Und zuletzt las Leonie Plaar ein Kapitel aus ihrem Buch „Meine Familie, die AfD und ich“ vor, das auch auf der Spiegel-Beststellerliste gelandet war.
Ein sehr autobiographisches Buch über ihr eigenes Comingout und das Nicht-verstehen-wollen von Familienangehörigen, die Diskussionen mit AfD-Anhängern innerhalb der engsten Familie und dem daraus resultierenden Bruch mit Teilen der Familie.

In den Zwischendurch-Gesprächen auf dem Podium und in der abschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde erschreckenderweise sehr deutlich, wie weit sich die Anfeindungen und Ausgrenzungen von Menschen, die nicht dem üblichen Menschenbild entsprechen (was soll das überhaupt sein???) inzwischen wieder ausbreiten.

Am Sonntag gab es im Rahmen des Literaturfestes im Spitzboden der Lagerhalle noch eine ganz besondere Veranstaltung:

Nino Bulling stellte mit Unterstützung von Bär Kittelmann per Beamer und Soundmachine die Graphic Novel „Abfackeln / Firebugs“ über Identität, Geschlechterrollen, Zwei- und Dreierkonstellationen, die Suche nach einem wirklich passenden Vornamen vor und das alles in Kapitel, die mit den Jahreszeiten übertitelt sind.
Ein einprägsames und spannendes, aber sehr nachdenklich machendes Veranstaltungserlebnis.

Ein Nachsatz meinerseits zum jährlichen „Queeren Kultur- und Literaturfestival“: Seid laut, seid bunt, lasst euch nichts gefallen und schreibt es hinaus in die Welt! Für alle Menschen, die „anders“ sind und das auch sein und bleiben wollen und sich vielleicht nicht zu äußern trauen!

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