Hallo, liebes Temu-Team,
vielen Dank für deine tolle Nachricht. Wir haben uns unfassbar gefreut. Ehrlich. Endlich weiß auch der internationale Handel für unverzichtbaren Ramsch das enorme Potenzial der Osnabrücker Rundschau zu schätzen. Klammheimlich wussten wir es immer schon: Irgendwann wird aus uns allen Unkenrufen zum Trotz doch noch etwas werden. Gestern noch unverbesserliche Träumerei, heute bereits kritisches Online-Magazin und nun? Nun, morgen vielleicht schon globaler Leuchtturm der Kleinstwarenvermittlung.
Wir sind zu allen Schandtaten bereit, liebes Termu-Team
Also, grundsätzlich sind wir einer Zusammenarbeit mit temu und sonstigen seriösen Unternehmen gegenüber völlig offen. Wie dumm müssten wir sein, eine so große Karriere zwischen Handyladekabeln, Plastikleuchten, Dingsbums, Küchengeräten mit schier unendlicher und dennoch unklarer Lebenserwartung und Bargeldprämien auszuschließen?
Der Umzug nach Dubai ist gedanklich bereits in Planung. Dort herrschen ja, hört man, in Sachen Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und demokratischer Gemütlichkeit durchaus vergleichbare Wohlfühltemperaturen wie in China. Da würden wir uns also sicher schnell heimisch fühlen. Vorher müssten wir allerdings ein paar unwesentliche Kleinigkeiten klären. Wirklich nichts Großes. Nur so Nebensächlichkeiten wie:
Arbeitsbedingungen
Kinderarbeit
Zwangsarbeit
Löhne
Arbeitszeiten
Umweltschutz
Produktsicherheit
Datenschutz
Verbraucher:innenschutz.
Also im Wesentlichen zusammengefasst zu der Frage, wie sich ein Geschäftsmodell mit Billigstprodukten und Dauerrabatten mit Menschenrechten, Nachhaltigkeit und seriösem Journalismus verträgt. Wir sind da etwas altmodisch. Bevor wir unseren Leser:innen begeistert empfehlen, sich mit Gedöns einzudecken, das vermutlich schneller geliefert wird, als das Mindeshaltbarkeitsdatum verspricht, wüssten wir gern, wer diese Dinge unter welchen Bedingungen hergestellt hat.
Darüber hinaus interessiert uns brennend, wie Temu grundsätzlich zu autoritären Strukturen, Überwachung, Repression, Todesstrafe und all den anderen kleinen Stimmungskillern steht, die in Werbemails meistens zwischen „kostenlose Produktproben“ und „direkt loslegen“ etwas untergehen.
Aber bitte versteht uns nicht falsch: Wir sind guter Dinge. Vielleicht ist dies der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft. Ihr liefert die Produkte, wir die Fragen. Ihr bietet Prämien, wir bitten lediglich um Nachweise. Ihr sprecht von Wachstum, wir sprechen von Verantwortung.
Schickt uns also gern belastbare Informationen, unabhängige Prüfberichte und klare Antworten. Keine Werbetexte, keine Rabattlyrik, keine „Wir nehmen das sehr ernst“-Satzbausteine, sondern etwas, das auch bei Tageslicht noch hält.
Dann schauen wir bestimmt gemeinsam voll Optimismus und Visionen in die Zukunft.
Mit herzlichen Grüßen, deine Osnabrücker Rundschau












