Würdigung von Bundeswehr-Einsatzkräften am zweiten Veteranentag

Empfang im Osnabrücker Rathaus

Am Montag, den 15. Juni, sind 31 Veteranen der Bundeswehr im historischen Friedenssaal im Rathaus empfangen worden, um den zweiten nationalen Veteranentag zu begehen. Der feierliche Empfang, der auf Einladung der Stadt stattfand, stand im Zeichen des gesellschaftlichen Respekts, der Aufarbeitung vergangener Einsätze sowie der zentralen Rolle der Streitkräfte und Reservisten für die nationale Sicherheit.


Zwischen historischem Friedenserbe und aktueller Realität

In seiner Ansprache hob Oberstleutnant Johannes Düwel, Leiter des Kreisverbindungskommandos, die symbolische Bedeutung des Veranstaltungsortes hervor. Die Porträts der Gesandten des Westfälischen Friedens von 1648 an den Wänden verdeutlichten, dass Konflikte letztlich am Verhandlungstisch gelöst werden müssten. Der Weg dorthin sei jedoch oft lang und fordere Opfer. Düwel betonte das Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten als „Heuwerk, das den Raum für den Frieden schützt“, da sie das Fundament sicherten, dass Diplomatie überhaupt erst stattfinden könne.

Auch Bürgermeister Uwe Görtemöller ordnete den Friedensbegriff in seiner Rede historisch und politisch ein. Er erinnerte daran, dass der Frieden von 1648 kein Ergebnis von Passivität gewesen sei, sondern auch nach dem Friedensschluss der Sicherung durch Streitkräfte bedurfte. „Bewaffnete Menschen in Uniform sind kein Widerspruch zum Friedensgedanken in unserem Land“, so der Bürgermeister. Vielmehr seien sie Teil des Schutzschirms, der Freiheit und Frieden garantiere.


Selbstkritik an gesellschaftlicher Haltung und mangelnder Ausrüstung

Görtemöller übte in seiner Ansprache deutliche Kritik an der politischen und gesellschaftlichen Prioritätensetzung der vergangenen Jahrzehnte. Man habe es sich gedanklich bequem gemacht und die Bundeswehr zu lange wie ein “notwendiges Übel“ behandelt und finanziell vernachlässigt. Erst der russische Angriffskrieg gegen ein europäisches Land habe zu einem Bewusstseinswandel geführt. Die Leidtragenden dieses Versäumnisses sind die Menschen in Uniform, die trotz mangelnder Ausrüstung und fehlenden Rückhalts ihren Dienst leisten. Der neu geschaffene Veteranentag sei ein überfälliges Signal, diesen Kräften die zustehende Achtung zu erweisen und die Truppe wieder einsatzfähig auszustatten.

Düwel wies auf die physischen und psychischen Belastungen hin, die viele Einsatzkräfte bis heute begleiten. Der nationale Gedenktag hole diese oft unsichtbaren Wunden und die Realität der Einsätze in die Mitte der Zivilgesellschaft und gebe den Betroffenen sowie ihren Familien die verdiente Sichtbarkeit.


Hintergrund: Die tragende Rolle der Reserve im Heimatschutz

Eine zentrale Säule innerhalb der Streitkräfte bildet die Reserve. Als Reservist gilt im Wesentlichen jede Person, die mindestens einen Tag in der Bundeswehr gedient und ihren Dienstgrad nicht verloren hat – unabhängig davon, ob es sich um ehemalige Grundwehrdienstleistende, Soldaten auf Zeit oder Berufssoldaten handelt. Darüber hinaus bestehen für Zivilisten strukturierte Ausbildungsmöglichkeiten zum Seiteneinstieg oder innerhalb der Heimatschutzkompanien.

Die Aufgaben der Reserve sind vielfältig und umfassen die Gewährleistung des Aufwuchses sowie die Durchhaltefähigkeit der Streitkräfte in Krisenzeiten. Neben der Verstärkung der aktiven Truppe bei der Landes- und Bündnisverteidigung fungieren Reservisten als wichtiges Bindeglied zur Zivilgesellschaft.

Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt zudem im Heimatschutz und der Katastrophenhilfe im Rahmen der subsidiären Amtshilfe gemäß Artikel 35 des Grundgesetzes. Bei Großlagen wie lang anhaltenden Hochwassern können Heimatschutzkompanien aktiviert werden, um die zivilen Hilfskräfte zu entlasten. Zudem berufen die Kommunen im Ernstfall die Soldaten der Bezirks- und Kreisverbindungskommandos (BVK/KVK) in ihre Krisenstäbe, wo sie als militärische Berater für die örtlichen Verwaltungsträger agieren.


Ausblick auf zentrale Feierlichkeiten

Der nationale Veteranentag, der in diesem Jahr unter dem Leitmotiv „Veteranen – Familien und Freunde“ steht, rückt neben den Einsatzkräften gezielt auch deren persönliches Umfeld in den Fokus. Die zentralen, bundesweiten Feierlichkeiten werden am kommenden Sonntag, den 21. Juni 2026, vor dem Berliner Reichstagsgebäude stattfinden.

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