30 Jahre Erich Maria Remarque – Friedenszentrum

Remarques Werk als Wegweiser zum autonom denkenden Menschen

Ist es schon oder erst 30 Jahre her, dass das Erich Maria Remarque – Friedenszentrum eröffnet wurde? Diese eher anekdotische Frage, die sich manchen BesucherInnen der Retrospektive stellte, betonte doch die Erinnerung an die wichtige Arbeit, die das Friedenszentrum und in ihm besonders das wissenschftliche und viel genutzte Archiv in den letzten Jahrzehnten geleistet hat. Bis zum 30. September ist die Sonderausstellung zum Jubiläum zu sehen.

Oberbürgermeisterin Katharina Pötter erwähnte in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung, dass Remarque nicht immer als hochgeachteter Autor von Romanen von Weltgeltung galt, sondern zunächst als Vaterlandsverräter gebrandmarkt wurde. Es war ein weiter Weg, der ihn zur Mösermedaille 1964 und zum Status als einem der meistgelesenen deutschsprachigen Autoren führte. Das Friedenszentrum, das internationale Geltung erlangt hat, sei folglich ein wichtiger Baustein in der Friedensarbeit seiner Heimatstadt. Immer wieder hinterließen BesucherInnen aus aller Welt bewegende Eintragungen im Gästebuch, so Pötter.

Sie geht davon aus, dass der Rat in seiner Sitzung am 30. Juni eine umfassende Sanierung des Zentrums beschließt, zumal die NBank die Kosten mit 40% bezuschussen wird. Eine Wiedereröffnung des Zentrums ist für November 2028 geplant – pünktlich zum hundertjährigen Jahrestag des Erscheinens von Remarques Erstlingsroman und Hauptwerk Im Westen nicht Neues.

In seiner sich an das Grußwort anschließenden Rede verwies Zentrumsleiter Dr. Sven Jürgensen darauf, dass Remarque die Verantwortung jedes/r Einzelnen für die Demokratie immer wieder betonte. Jürgensen fasste dies im Bild vom Heimweh nach der Zukunft zusammen. Die Vergangenheit sei für die Generation des Ersten Weltkriegs verloren gewesen, daher habe man sich der Zukunft zuwenden müssen. Der Autor mehrerer Welterfolge beschrieb die Krisen seiner Zeit also trotz allem von einem optimistischen und keinesfalls nostalgischen Standpunkt aus. Es gelte besonders die Jugend für ein selbstbestimmtes, im Denken autonomes Leben zu gewinnen. Die Demokratie sei zwar von Vernunft geprägt, aber glanzlos, daher erfordere sie ständige Arbeit.

Jürgensen führte einen Begriff Kants ein, um die Gedankenwelt Remarques zu verdeutlichen: Wolle man vermeiden, ein opportunistischer, inaktiver „Kriecher“ zu werden, müsse man die Demokratie vor allem in sich selbst verteidigen, damit man sie und die unantastbare Würde des Menschen ständig zu feiern lerne. Zur Vermittlung dieser Werte leiste das Erich Maria Remarque – Friedenszentrum einen wichtigen Beitrag, so Jürgensen.

Nun kamen noch aktuelle und frühere Fördernde und Mitarbeitende des Friedenszentrums zu Wort, die in kurzen Beiträgen Erinnerungen und Informationen teilten. Unter anderen sprachen Karin Jabs-Kiesler, die die bibliophile Rarität einer Erstausgabe von Im Westen nichts Neues mit sich führte, Lioba Meyer, Claudia Junk, Dr. Thomas Schneider und Martin Siemsen.

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