Ein ganz normaler Sommer …?

Ein ganz normaler Sommer oder vielleicht doch nicht?

Mit meinen inzwischen 56 Jahren habe ich schon einige Sommer hinter mir. Einer davon ist mir besonders präsent: 1981, das Ende der fünften Klasse. Übermütige Jungs und Mädchen, die jeden Tag im Freibad Diepholz ihr unbeschwertes Leben genossen, sich für fünfzig Pfennige eine ganze Tüte süßen Unsinn am Kiosk kauften und aus dem Kofferradio „Sommersprossen“ von UKW hörten.


Sommer, Sonne, jeden Tag 30 Grad – mindestens!

Und solche Sommer gab es viele. Eigentlich waren sie in meiner Kindheit und Jugend fast immer so. Oder etwa doch nicht?

Meist unbeschwert und voller Vorfreude auf das Leben waren sie ganz sicher. Aber die Temperaturen von damals lassen sich dank Internetseiten wie kachelmannwetter.com heute problemlos nachvollziehen und dabei zeigt sich: Meine Erinnerung trügt mich gewaltig.

Nehmen wir das Beispiel von eben: 1981, kurz vor den Sommerferien, die am 2. Juli begannen. Man könnte also meinen, der Juni sei von einer außergewöhnlichen Hitzewelle geprägt gewesen. Denkste! Laut Kachelmannwetter lagen die Tageshöchsttemperaturen meist um die 20 Grad, oft sogar deutlich darunter. Gerade einmal ein einziger Tag im Juni 1981 kratzte an der 30-Grad-Marke – der 2. Juni mit 29,5 Grad.

Also unterliege selbst ich, der sich seit fast 50 Jahren für das Wetter interessiert, einer typischen Nostalgieverzerrung. Die Vergangenheit fühlt sich nicht nur leichter, unbeschwerter, fröhlicher an, sondern sogar viel heißer, als sie in Wirklichkeit war.


Und in diesem Juni 2026?

Inzwischen liegen sechs heiße Tage (Tageshöchsttemperatur mindestens 30 Grad) hinter uns und bis Monatsende mindestens noch vier heiße Tage vor uns. Am Wochenende wird sogar in Osnabrück an der 40-Grad-Marke gekratzt werden. Nur ist es diesmal keine nostalgische Verklärung sondern die Wirklichkeit. Eine ausgeprägte Hitzewelle im Juni und nicht erst, wie man es vielleicht noch erwarten könnte, im August.

Ist das also das Wetter oder das Klima? Einzeln betrachtet ist das „nur“ Wetter, vielleicht sogar eine außergewöhnliche Anomalie, die man so nie wieder sehen wird. Im Kontext der letzten Jahrzehnte sieht es aber leider nicht danach aus.

Früher waren heiße Tage und erst recht solche Hitzewellen eher seltene Ausreißer in der Statistik, heute hat sich das Bild geändert, da das komplette Temperaturniveau nach oben gerutscht ist. Ein sogenannter Jahrhundertsommer wird seinem Wortsinn nicht mehr gerecht, sondern kommt in kurzen Abständen immer wieder vor. Man kann und darf es einfach nicht leugnen: Dahinter steckt der menschengemachte Klimawandel, der die Atmosphäre aufheizt und extreme Wetterlagen wahrscheinlicher macht.

Ich merke inzwischen selbst, dass solche Hitzephasen an die Substanz gehen, und für noch ältere Menschen sind sie nicht mehr nur anstrengend, sondern unter Umständen lebensbedrohlich.

Der Sommer bleibt zwar die Zeit der Leichtigkeit, aber er hat mittlerweile eine spürbar ernstere Seite bekommen.
Um die Ausgangsfrage des Artikels zu beantworten:

Nein, normal ist so ein Sommer nicht! Er sollte es zumindest nicht sein!



Ps
Wer die Kommentare in den sozialen Medien unter Wetterartikeln liest, wird von „Meinungen“ wildgewordener Wissenschafts- und Klimawandelleugner nur so erschlagen. Eine herrliche Replik darauf hat Katja Hausner verfasst, die ihr unter unter diesem Link bei Facebook lesen könnt.

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