Quer- und Seiteneinstieg: Mehr als jede zehnte Lehrkraft ohne anerkannte Lehramtsprüfung
Ende August beginnt in Niedersachsen das neue Schuljahr. Grund genug, auf ein Problem zu blicken: Deutschlands Lehrer*innenschaft zählt weltweit zu den eher älteren. Ein gutes Drittel aller Lehrkräfte zählt nämlich zur Generation 50plus. Ein spätes Einstiegsalter durch die lange Ausbildung und der sichere Beamtenstatus verstärken diesen Trend offenbar. Landauf, landab wechseln Quereinsteiger*innen mit anderen Ausbildungen an die Schule. Politische Antworten sind also auf vielen Handlungsfeldern vonnöten: Durch die bevorstehende Pensionierungswelle verschärft die bisherige Altersstruktur den ohnehin schon akuten Lehrermangel dramatisch.
Die Altersstruktur innerhalb der Berufsgruppe wird weiter im Fokus stehen. Ein Viertel (25,4 %) der Lehrkräfte im Schuljahr 2024/2025 war zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 10,0 % waren 60 Jahre und älter. Mehr als jede dritte Lehrkraft (35,4 %) war demnach 50 Jahre oder älter, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Im Vergleich dazu fällt der Anteil der jüngeren Lehrkräfte geringer aus: Die unter 35-Jährigen machten gut ein Fünftel (20,3 %) des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen aus.
Niedersachsen im positiven Trend
Das Durchschnittsalter der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen liegt aktuell bei rund 44,4 Jahren. Die am stärksten vertretene Gruppe sind auch im niedersächsischen Kollegium die 40- bis unter 45-Jährigen, die etwa 17,4 Prozent des Personals ausmachen. Der aktuelle Wert zeigt, dass Niedersachsens Lehrer*innen im langfristigen Vergleich spürbar jünger geworden sind. Noch im Schuljahr 2011/2012 lag das durchschnittliche Alter bei 47,4 Jahren.Hohe Teilzeitquote: Neben dem Alter prägt ein weiterer Faktor den Schulalltag im Bundesland – fast jede zweite Lehrkraft (43,1 Prozent) arbeitet aufgrund von Belastung oder familiären Gründen in Teilzeit.
Hinsichtlich der Altersstruktur bestehen große Unterschiede zwischen allen Bundesländern: In Sachsen-Anhalt war gut die Hälfte (50,7 %) der Lehrkräfte 50 Jahre oder älter, in Mecklenburg-Vorpommern 46,8 %. Am niedrigsten war der Anteil dieser Altersgruppe im Saarland (28,6 %) und in Bremen (30,0 %).
Fast die Hälfte unterrichtet in Teilzeit
Ein Job im Unterrichtseinsatz zählt zu den besonders stressigen Jobs. Kein Wunder, dass die Teilzeitquote hoch ist. Im Schuljahr 2024/2025 waren deutschlandweit 752 100 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen tätig, davon 43,9 % in Teilzeit. Damit war die Teilzeitquote bei Lehrkräften etwas höher als im vorherigen Schuljahr (43,1 %) und auf einem neuen Höchststand. Besonders Frauen reduzieren häufig ihre Arbeitszeit: Im Schuljahr 2024/2025 war die Teilzeitquote bei Lehrerinnen (51,4 %) mehr als doppelt so hoch wie bei Lehrern (23,3 %). Im Vergleich zu anderen abhängig Beschäftigten ist die Teilzeitquote an allgemeinbildenden Schulen überdurchschnittlich hoch: Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg arbeiteten 31,3 % der abhängig Beschäftigten in Teilzeit.
Im Hinblick auf den Anteil der Teilzeitkräfte unter den Lehrerinnen und Lehrern zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Hamburg (55,4 %) und Bremen (51,9 %) im Schuljahr 2024/2025 mehr als die Hälfte des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen in Teilzeit arbeitete, traf dies nur auf knapp jede vierte Lehrkraft in Thüringen (23,2 %) und Sachsen-Anhalt (23,8 %) zu.
Immens hoher Frauenanteil
Männliche Lehrkräfte gelten als schrumpfende Minderheit. Denn der Frauenanteil bei Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen ist überdurchschnittlich hoch. Während Frauen im Schuljahr 2024/2025 fast drei Viertel (73,2 %) des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen ausmachten, stellten sie knapp die Hälfte (48,2 %) der abhängig Beschäftigten aller Wirtschaftsbereiche im Jahr 2024.
Mehr als jede zehnte Lehrkraft kam als Quer- oder Seiteneinsteiger*in
Abschlüsse in universitären Lehramtsstudiengängen reichen offenkundig zunehmend weniger aus, um den Bedarf im Lehrerzimmer zu decken. Aufgrund des Lehrkräftemangels unterrichten an den Schulen deshalb immer mehr sogenannte Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger, also Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Im Schuljahr 2024/2025 traf das auf 11,2 % der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen zu: 84 100 der insgesamt 752 100 Lehrkräfte dort hatten keine anerkannte Lehramtsprüfung. Im Schuljahr 2014/2015 lag der Anteil mit 4,3 % noch deutlich niedriger. Damals unterrichteten 28 500 der insgesamt 664 200 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen ohne anerkannte Lehramtsprüfung.
Noch höher als an allgemeinbildenden Schulen ist der Anteil mit Quer- oder Seiteneinstieg an beruflichen Schulen: Im Schuljahr 2024/2025 hatten 20 800 der insgesamt 124 100 Lehrkräfte an beruflichen Schulen keine anerkannte Lehramtsprüfung (16,7 %). Gegenüber dem Schuljahr 2014/2015 hat sich der Anteil kaum verändert: Damals unterrichteten 20 200 von 122 100 Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung (16,6 %). Kurzum: Es tut sich viel an Deutschlands Schulen. Einfacher wird die Ausgangslage im neuen Schuljahr nicht.















