Freiluftgalerie bildet kreative Grenze zu künftigen Bauarbeiten
Am vergangenen Wochenende verwandelte sich der Bauzaun des ersten Baufeldes des innerstädtischen Großprojekts „Johannishöfe – Quartier am Neumarkt“ in eine weitläufige Freiluftgalerie. Auf Einladung der Lindhorst Gruppe gestalteten insgesamt 25 Künstlerinnen und Künstler rund 220 laufende Meter Bauzaun im Bereich der Seminarstraße und einem Teil der Großen Rosenstraße. Die Aktion, die sich über Samstag und Sonntag erstreckte, brachte Farbe und Vitalität in einen bislang städtebaulich trist wirkenden Raum. Mit dem Abbruch des ehemaligen Parkhauses wird ein sichtbares Zeichen für den Wandel im Quartier eingeleitet.
Unter der organisatorischen und fachlichen Leitung des Osnabrücker Künstlers Alexej Eisner sowie seines Kollegen Mike Beermann kamen Kunstschaffende der lokalen Straßenszene und Studierende der Universität Osnabrück zusammen. Gemeinsam besprühten und bemalten sie mithilfe von Spraydosen insgesamt 65 großformatige Baumwollplanen, die entlang der Zäune angebracht wurden. Unterstützt wurden sie dabei von der Initiative „Bunte Hunde Osnabrück“. Die bearbeitete Gesamtfläche erreichte die Dimensionen eines offiziellen FIBA-Basketballfeldes. Der Bauherr stellte hierfür die Flächen sowie die Arbeitsmaterialien bereit.
Die Initiatoren äußerten sich hocherfreut über das Ergebnis des kreativen Wochenendes. „Wir haben eine weitere große Open-Air-Galerie in Osnabrück am Wochenende geschaffen, die die Kunstszene verbindet und Sichtbarkeit schafft“, erklärten Alexej Eisner, Mike Beermann und die Bunten Hunde in einem gemeinsamen Statement. Es sei dem Kollektiv ein Anliegen gewesen, auf dem XXL-Bauzaun Leben einzugießen. „Gemeinsam konnten wir hier kreativen Freiraum voll ausschöpfen und Kunst direkt zu den Menschen an einen zuletzt eher tristen Ort bringen. Er ist zu einem bunten Hingucker geworden, der das Stadtbild positiv verändert und Vorfreude auf das weckt, was hier entstehen soll.“ Auch seitens des Projektträgers stieß das Projekt auf positive Resonanz. Yunus Olkun, Projektleiter für die Johannishöfe bei der Lindhorst Gruppe, dankte den Beteiligten ausdrücklich für ihren Einsatz. Er betonte, dass die vielseitige Gestaltung das Areal über die gesamte anstehende Entwicklungszeit prägen und Farbe in die Innenstadt transportieren werde. Eine zukünftige Einbindung der Künstler im Nachgang des Projekts sei zudem denkbar.

Einzelportrait: Kunst als Brücke nach Spanien
Unter den studentischen Teilnehmerinnen befand sich auch Carina Exner, die an der Universität Osnabrück eine interdisziplinäre Kombination aus Kunst und Wirtschaftswissenschaft (BWL & VWL) studiert. Auf das Projekt aufmerksam wurde sie durch den künstlerischen Leiter Alexej Eisner, der sie zur Mitwirkung einlud. Ihr für den Bauzaun gestaltetes Werk trägt eine persönliche Note: Wie Exner unserer Redaktion im Gespräch verriet, weckte der Entstehung sowie das finale Bild in ihr lebhafte Erinnerungen an ihre Zeit in Spanien, wo wir sie zeitweise lebt. Ihre künstlerische Handschrift fügte sich harmonisch in das Gesamtbild der Aktion ein. Weiterführende Einblicke in ihr vielseitiges Schaffen und ihr Portfolio stellt die Künstlerin auf ihrer offiziellen Webseite unter zu Verfügung.
Hintergrund: Ein neues Quartier für die Innenstadt
Das weitreichende Bauvorhaben Johannishöfe – Quartier am Neumarkt erstreckt sich über ein rund 1,54 Hektar großes Areal zwischen dem Neumarkt, der Johannisstraße, der Seminarstraße und der Großen Rosenstraße. Die in Winsen (Aller) ansässige Lindhorst-Gruppe plant dort die Entwicklung von bis zu 50.000 Quadratmetern Nutzfläche. Das neue Gebäudeensemble wird im Stil einer geschlossenen Blockrandbebauung errichtet und folgt einem hohen energetischen Standard.
Das Projekt soll Raum für Wohnungen schaffen, darunter explizit auch erschwinglichen Wohnraum für Studierende, Auszubildende und Senioren. Zudem sind Flächen für Einzelhandel, Gastronomie sowie Parkmöglichkeiten vorgesehen. Aktuell ist das Gelände noch von leerstehenden Gewerbeimmobilien wie dem Kachelhaus, dem ehemaligen Wöhrl-/Ypso-Kaufhaus, dem Ihr-Platz-Haus und einem Parkhaus geprägt. Nach Angaben des Unternehmens sollen die ersten Rückbauarbeiten auf dem Areal im dritten Quartal 2026 beginnen.












